Die Fragwürdigkeit der Macht: Requiem für Hans Dichand

27. Juni 2010, 18:35
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Sohn warnt im Dom vor Streit und "Knechtschaft" - Schönborn: "Hans Dichand hatte viel Macht" - Mit Video

Wien - "Freiheit oder Knechtschaft": Hans Dichands älterer Sohn Michael wählte eine sinnige Stelle aus dem schärfsten von Paulus' Briefen für seine Lesung zu Beginn des Requiems für den Krone-Herrscher von Österreich.

Hans Dichand bestimmte Michaels jüngeren Bruder Christoph für die Führung der Krone und zum Verwalter der Anteile. Christoph Dichand hat eine selbst- und machtbewusste Frau, Eva, Herausgeberin der Gratiszeitung "Heute", die dem Senior viel Freude bereitete. Dichands Frau Helga, seine Tochter Johanna und Michael wirkten bisher nicht ganz so begeistert von Eva.

Zum Requiem im Stephansdom kamen erst Helga und Johanna, im Wortsinn völlig abgeschirmt. Dann zu Fuß Eva mit Christoph. Michael erst Minuten vor dem Gottesdienst. Er und nicht Helga saß ganz innen zum Mittelgang.

"Wenn ihr einander beißt und verschlingt, dann gebt Acht, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt", las Michael aus dem Brief an die Galater. "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." "Dient einander in Liebe."

Hans Dichand wollte seine Krone-Anteile zusammenhalten. Er gründete dafür 2009 eine Firma. Den Geschäftsführer bestimmt Christoph, auch den Preis für Anteile an der GmbH. Nur: Die 50 Prozent an der Krone dürfte Dichand Familienmitgliedern vererben. Und für die gilt offenbar dasselbe Vorkaufsrecht der deutschen Mitgesellschafter WAZ, das schon Dichand senior hinderte, die 50 Prozent in eine Stiftung einzubringen: Die WAZ stimmte nicht zu, wie vermutlich auch nun. "Die Gesellschaft wird durch den Tod eines Gesellschafters nicht aufgelöst, sondern mit den nach Gesetz oder letztwilliger Verfügung Berechtigten fortgesetzt", steht im Krone-Vertrag von 1987.

Krone-Vorrechte

Begonnen hatte Michael mit "Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen!" Es war Michael, der mit seinem Vater die WAZ heftig attackierte, als sie Mitsprache bei der Krone verlangte. Mit Dichands Tod endeten dessen Krone-Vorrechte.

Gleich zwei Eigentümervertreter der WAZ kamen zum Requiem nach Wien: Günther Grotkamp und Stephan Holthoff-Pförtner. Weit hinten saß Grotkamp in Reihe 9, auf Höhe von ORF-Chef Alexander Wrabetz, Vera Russwurm, Medienberater Hans Mahr.

Ganz vorne drängte sich die Politik, von Kanzler und Vize abwärts, auch Landeschefs Michael Häupl, Erwin Pröll, Heinz Niessl.

"Hans Dichand hatte viel Macht"

"Wer viel Macht hat, ist mehr bedroht, sie auch in fragwürdiger Weise zu verwenden", sagte Kardinal und Krone-Kolumnist Christoph Schönborn: "Hans Dichand hatte viel Macht, in einer Zeit, in der die vierte Macht oft die erste zu werden droht."

An der Krone-Macht will sich Raiffeisenboss Christian Konrad beteiligen, heißt es. Im Dom wurde er ebenso wenig gesichtet wie Präsident Heinz Fischer, den die Krone schwer attackierte.

Ganz hinten, weit hinter dem Kordon zwischen Machern und Volk, sah man Hans Dichands Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz. FP-Chef Heinz-Christian Strache bestand auf Reihe zwei, gleich hinter Kanzler und Co. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 28.6.2010)

  • Politik- und Medienprominenz bei Dichand-Requiem am Samstag.

  • Zum Requiem für Hans Dichand: Schwiegertochter Eva Dichand ("Heute") geht vor, links ihr Mann Christoph, "Krone"-Herausgeber.
    foto: standard/corn

    Zum Requiem für Hans Dichand: Schwiegertochter Eva Dichand ("Heute") geht vor, links ihr Mann Christoph, "Krone"-Herausgeber.

  • Höchste WAZ-Ebene in Wien: Günther Grotkamp.
    foto: standard/corn

    Höchste WAZ-Ebene in Wien: Günther Grotkamp.

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