Stronach gibt Magna-Kontrolle ab

27. Juni 2010, 17:58
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Aktionäre entscheiden über die Neustrukturierung des internationalen Zulieferkonzerns - Entwicklung von E-Autos geplant

Wien - Konzerngründer Frank Stronach wird die Kontrollmehrheit über die Magna International verlieren. Allerdings nicht heute. Die für heute anberaumte außerordentliche HV in Toronto wurde nämlich verschoben. Als Grund wird von mehreren Medien Kritik der kanadischen Börsenaufsicht OSC genannt. Die Aktionäre des Zulieferbetriebs sollten über eine Vereinheitlichung der Aktienstruktur abstimmen, die zur Folge haben wird, dass Stronach künftig nur mehr 7,44 statt wie bisher 66 Prozent der Stimmrechte haben wird. Der Austrokanadier erhält für die Abgabe der Mehrheit einen Gegenwert von 863 Mio. US-Dollar (704 Mio. Euro).

Mehr Attraktivität erhofft

Im Unterschied zu den meisten anderen Aktiengesellschaften besteht das Aktionariat von Magna seit 1978 aus zwei Klassen: Den normalen Shareholdern (A-Aktionäre), denen mehr als 99 Prozent des Aktienkapitals, aber weniger als 34 Prozent der Stimmrechte gehören, und dem Stronach-Trust, dem 0,6 Prozent des eingezahlten Kapitals, aber 66 Prozent der Stimmen gehören. Jede der von Stronach gehaltenen 727.000 B-Aktien verfügt über 300 Stimmen.

Das Hauptmotiv hinter der Flurbereinigung ist die Hoffnung auf einen höheren Unternehmenswert. Wird die bisherige komplizierte Struktur beseitigt, wird das Unternehmen attraktiver für die Anleger, hofft man. Fonds, die aufgrund der komplizierten Struktur bisher keine Magna-Aktien kaufen durften, könnten sich künftig für die Aktie erwärmen.

Bei der historischen Aktionärsversammlung werden A- und B-Aktionäre separat abstimmen. Findet sich unter den A-Aktionären eine einfache Mehrheit für den Plan, hat Stronach erklärt, mit seinen B-Aktien ebenfalls für die Annahme zu stimmen. Laut der kanadischen Zeitung "The Globe and Mail" ist das Rennen bereits gelaufen: Per Briefwahl hätten sich schon mehr als 50 Prozent der A-Aktionäre für die neue Struktur ausgesprochen, schreibt die Zeitung.

Entwicklung von Elektroautos

Stronach bringt für das, was in Medien oft nüchtern als "Entmachtung" beschrieben wird, nur wenig Enthusiasmus auf. Er betont bei jeder Gelegenheit, dass er mit dem Status quo auch sehr zufrieden wäre. Als Gegenwert für seinen Teilrückzug bekommt er 300 Mio. Dollar in Cash und 9 Mio. normale Aktien. Damit wird er künftig nur mehr 7,4 Prozent der Anteile und Stimmrechte halten. Voraussichtlich werden die Aktionäre Stronach zum Präsidenten des Managementboards wählen.

Die neuen Aktien und Barzahlung entsprechen einem Barwert von 863 Mio. US-Dollar. Als weiterer Teil des Deals sollen die bisher unbeschränkt laufenden Consultingverträge mit Stronach auf die Zeit bis 2014 begrenzt werden.

Als letzter Teil des Deals gründen Magna und Stronach eine gemeinsame Gesellschaft, die sich der Entwicklung von Elektroautos/Batterien widmen wird. Magna wird 73, die Stronach-Gruppe 27 Prozent an dieser Gesellschaft halten. Das Unternehmen wird u.a. das künftige batteriebetriebene Auto von Ford entwickeln.  (APA)

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    Frank Stronach lässt sich die Aufgabe seiner Stimmenmehrheit fürstlich entlohnen.Die für heute geplante HV fällt aber aus, weil die Finanzaufsicht Magna aufgefordert hat, noch mehr Informationen über den Deal zur Verfügung zu stellen. Magna bekam nun Zeit bis 31. August.

     

     

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