Drohende Kürzungen für die Unis: Weltklasse adé

27. Juni 2010, 17:29
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Die Unis sollten genauso ernst genommen werden wie die Geldwirtschaft - Doch das fällt der Regierung nicht im Traum ein

Im Vergleich zu den Ausgaben der Österreicher und Österreicherinnen für Glücksspiele wird nur ein Drittel dieser Milliardensumme für Bildung ausgegeben. Selbst wenn die Ergebnisse dieser Studie nicht ganz stimmen sollten: Das Resultat ist niederschmetternd - was die Einschätzungen über den Wert der Bildung, aber auch die Bereitschaft betrifft, in die Verkehrswege des Gehirns zu investieren.

So ein Gefühl, dass dem so ist, hatten Politiker (mit dem sprichwörtlichen Ohr am Volk) wohl immer schon. Schule muss sein. Und dass die Kinder ein bisserl gescheiter sind als man selbst, wohl auch. Aber zu gescheite Nachkommen, das ist offenbar nur der Wunsch einer Minderheit. Weshalb die Regierungspolitik die Unis nicht als eine Hauptsache betrachtet.

Denn während in Deutschland trotz eines Sparpakets von 80 Milliarden Euro Unis und Forschung mit zwölf Milliarden zusätzlich dotiert werden, droht den österreichischen hohen Schulen und deren Forschungseinrichtungen eine Kürzung der Mittel. Und zwar bis 2015 - weshalb die Stimmung an den Unis im Keller ist. Das heißt:

1.) Die Universitätsreform der schwarz-blauen Regierungen entpuppt sich endgültig als eine Scheinreform, weil die Rektorate nach wie vor finanziell vom Ministerium abhängig sind. Das regiert über das Geld und sagt via "Leistungsvereinbarung" , wie viel die Autonomie wert ist. Nämlich nichts - außer dass die Personalpläne "autonom" mit Namen versehen werden.

2.) Die Universitätsreform werde Österreich Stück für Stück der "Weltklasse" nahebringen, verkündete die Ressortministerin Elisabeth Gehrer unverdrossen über Jahre hinweg. Jetzt kennt man die drohende Wirklichkeit: Die öffentlichen Mittel sollen eingefroren werden (was bedeutet: gesenkt werden). Die Drittmittel (u. a. aus der Industrie) sind im Vorjahr bereits um 25 Prozent gesunken. In einem Interview mit derStandard.at sagte dazu Heinz Engl, Vizerektor für Forschung der Uni Wien: "Von einem Aufschluss zum Leadership kann so keine Rede mehr sein."

3.) Ähnlich wie bei der Spitals- oder Föderalismusreform bedürfte es einer Gestaltungskraft der Regierung. Die hat sie aber nicht. Weshalb schon bisher alle Versuche einer echten Strukturreform gescheitert sind. Die Zahl der Theologischen Fakultäten ist zu groß, und etliche Fächer fahren mehrgleisig. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass es zu viele Architekturschulen gibt. Kurioserweise wird jedoch eine Medizinische Universität für Linz forciert (damit mehr Deutsche in Österreich studieren können?).

4.) Die Koordination von Baccalaureatsstudien und Fachhochschulen funktioniert nicht. Der "Bologna-Prozess" hat in Österreich zu mehr Verschulung geführt.

Da träumen die einen von der "Vision 2025" (Elf-Punkte-Programm des Wissenschaftsrats), andere reden (zum wievielten Mal?) vom Erreichen der Zwei-Prozent-vom-BIP-Grenze für Unis. Tatsächlich sollten die Unis so ernst genommen werden wie die Geldwirtschaft. Aber das fällt Faymann, Pröll & Co nicht im Traum ein.
(Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe 28.6.2010)

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