Rettungskräfte fürchten Tropensturm "Alex"

28. Juni 2010, 08:15
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Sturm nimmt nicht direkt Kurs auf Bohrloch - Meteorologen warnen vor Änderungen

New Orleans - Mit Sorge blicken die Rettungskräfte im Golf von Mexiko auf Tropensturm "Alex". Der Sturmhat am Sonntag an Stärke zugenommen. Er wurde von Meteorologen wieder als Tropensturm eingestuft. Zuvor hatte er in Belize und der mexikanischen Halbinsel Yucatan ergiebigen Regen gebracht. Vier Menschen kamen ums Leben.

Nach Einschätzung von US-Meteorologen wird "Alex" bei seinem Weg über den Golf von Mexiko weiter an Kraft gewinnen und könnte binnen 48 Stunden zu einem Hurrikan anwachsen. Sein voraussichtlicher Weg wird ihn aber voraussichtlich nicht in die Nähe des Ölteppichs im Golf von Mexiko führen.

Sollte der Sturm über den Ursprungsort der Ölpest hinwegziehen, würde das den Bemühungen um eine Eindämmung der Umweltkatastrophe einen herben Rückschlag versetzen. Admiral Thad Allen von der Küstenwache erklärte am Samstag, sollten Böen Geschwindigkeiten von mehr als 74 Kilometer pro Stunde erreichen, würden die Arbeiten an dem defekten Bohrloch eingestellt. "Wir alle wissen, dass das Wetter unberechenbar ist, und es könnte zu Veränderungen in letzter Minute kommen", sagte er. Die Sicherheit der Menschen sei aber das allerwichtigste.

In der Gegend sind Dutzende Schiffe im Einsatz, darunter solche, von denen zwei Ersatzbohrungen vorangetrieben werden, die bis Mitte August fertiggestellt sein sollen. Diese Bohrungen gelten als beste Möglichkeit, das Leck zu schließen. Ein Sprecher der Küstenwache sagte, sollte ein Sturm BP dazu zwingen, das nötige Gerät in Sicherheit zu bringen, könnten sich die Reparaturarbeiten um bis zu zwei Wochen verzögern. In diesem Fall würden auch die Absaugtrichter, die täglich bis zu 4,5 Millionen Liter Öl auffangen, vorübergehend entfernt werden. Das Öl würde dann wieder vollständig ins Meer laufen.

Entlang der Golfküste sorgt man sich auch um die Ausleger, die Inseln und Festland vor dem Öl schützen sollen. Wind und Wellen können die mit Öl vollgesogenen Kunststoffblöcke tief in das Marschland treiben. Wenn die Richtung des Wirbelsturms feststeht, sollen Einsatzkräfte so viele Ausleger wie möglich einsammeln, auch wenn die Behörden einräumen, dass sie wohl nicht alle rechtzeitig erreichen können.

Auswirkungen auf im Wasser treibendes Öl unklar

Wie sich ein Sturm auf das im Wasser treibende Öl auswirken würde, war nicht klar. Es gab Befürchtungen, der Wind könne das Öl weiter ins Inland tragen. Andere Experten erklärten dagegen, ein Sturm können den Zerfall des Öls beschleunigen. In jedem Fall ist "Alex" wohl erst der Anfang, denn Meteorologen erwarten eine rege Hurrikan-Saison mit schweren Stürmen. Zunächst traf "Alex" am Samstag in Belize auf die Küste und brachte Regen und hohe Brandung. Auch in Guatemala und Mexiko waren die Auswirkungen zu spüren.

BP erklärte am Freitag, die Ersatzbohrungen durch vier Kilometer Gestein verliefen nach Plan, wie ein Test ergeben habe. "Die Übersetzung für Laien ist: Wir sind da, wo wir gedacht haben zu sein", erklärte BP-Sprecher Bill Salvin. Dennoch stürzte die BP-Aktie am Freitag um sechs Prozent auf ein 14-Jahres-Tief ab. Der Energiekonzern hatte zuvor seine bisherigen Ausgaben im Zusammenhang mit der Ölbohrkatastrophe auf 2,35 Milliarden Dollar (1,91 Mrd. Euro) beziffert. BP-Aktien waren am Tag der Explosion der Bohrplattform "Deepwater Horizon" 60 Dollar (48,8 Euro) wert, inzwischen kosten sie noch etwa die Hälfte.

Das US-Justizministerium forderte unterdessen am Freitag vor einem Berufungsgericht, die Aufhebung des sechsmonatigen Verbots von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko zu verzögern. Zuvor hatte ein Richter das Verbot der US-Regierung für unrechtmäßig erklärt. Die Einstellung der Bohrungen in tiefen Gewässern sei entscheidend, um die Gesundheit der Menschen und die Natur zu schützen, argumentierten die Juristen des Ministeriums. Mit einer Menschenkette auf einem ölverseuchten Strand protestierten am Samstag Hunderte US-Bürger gegen die Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko. (APA)

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