Halbzeit bei Lazari

27. Juni 2010, 12:40
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Nach dem Ausscheiden Südafrikas war ein bisschen die Luft draußen aus dem Partyball, aber durch Fußball wurden schon Grenzen überschritten

Ich wohne jetzt seit einer Woche in einem Bobo-Stadtteil von Cape Town. Vredehoek liegt direkt an den Ausläufern des Tafelbergs, durch die paar Höhenmeter mehr als die Innenstadt hat man von hier aus eine blendende Aussicht auf die City Bowl, den Hafen, die Table Bay, den Signal Hill, den Lion´s Head und, wenn man so wie wir auch rückwärts einen kleinen Balkon hat, auf den Table Mountain und den Devil´s Peak. In Vredehoek ist auch das netteste Cafe der Stadt: Das „Lazari" trägt den Nachnamen von Chris, der mit einem kreativen Light Meal-Konzept und gemütlichem Ambiente genau den Zeitgeist getroffen hat. Mittlerweile hat der griechisch-stämmige Chris Lazari, der ein Vorreiter der Kapstädter LGBT-Gemeinde (Lesbian, Gay, Bi- & Transsexual) ist, ein zweites Cafe in der besonders hippen Gegend De Waterkant aufgesperrt. 

Einen, den man immer wieder im Lazari in Vredehoek trifft, ist Julius. Er ist „burischer" Abstammung, erfolgreicher Architekt, fährt ein bayrisches Cabrio mit vielen PS und dem Kennzeichen „JEDI WP" - wobei ersteres für seine Star Wars-Leidenschaft steht und letzteres für Western Province. Julius ist ein aufgeschlossener Südafrikaner, immer topinformiert, was Welt- und Gesellschaftsgeschehen betrifft - so hat er von Barack Obama schon im Frühjahr 2007 geschwärmt. Fußball war bisher seine Sache nicht, er besitzt zwei Saisonkarten für Rugby. Zu den Spielen des Super 14-Klubs Vodacom Stormers im feinen Newlands Stadium hat Julius natürlich gerne Businesspartner eingeladen - jetzt übersiedeln die Stormers in die WM-Arena Cape Town Stadium. Aber selbst ihn hat die Bafana Bafana in ihren Bann genommen und begeistern können. „Niemand hat erwartet, dass unser Nationalteam so gut abschneidet und für eine kurze Zeit, das Wunder gegen Frankreich möglich schien. Und die Leute sprechen heute noch drüber." Besonders schön zu hören ist, dass Julius sagt „our national team", auch wenn seine WM-Halbzeitbilanz in einem Wort ausgedrückt dann fast spießig wirkt: „Noise".

  • Das Lazari in Vredehoek liefert zwar auch WM-Flair, aber ist ein klassisches Untertags-Café.
    foto: martin obermayr

    Das Lazari in Vredehoek liefert zwar auch WM-Flair, aber ist ein klassisches Untertags-Café.

  • Auch Rugbyfan Julius (hier mit Holly, der Tochter seiner Lebensgefährtin Lindsey) fühlt sich im Lazari pudelwohl.
    foto: martin obermayr

    Auch Rugbyfan Julius (hier mit Holly, der Tochter seiner Lebensgefährtin Lindsey) fühlt sich im Lazari pudelwohl.

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