Wiederauferstehung des zweifachen Weltmeisters
Port Elizabeth - Nach 40-jährigem
Mauerblümchendasein hat es die einstige Fußball-Weltmacht Uruguay
wieder zurück ins Rampenlicht geschafft. Ein Doppelpack von Luis
Suarez sorgte am Samstag im strömenden Regen von Port Elizabeth für
ein 2:1 über Südkorea und beförderte die Südamerikaner erstmals seit
1970 ins Viertelfinale einer WM. Dort trifft der zweifache
Weltmeister (1930, 1950) am Freitag auf Ghana, die Hoffnungen des nur
3,3 Millionen Einwohner zählenden Landes steigen.
"garra
charrua"
In Uruguay feiert man die Wiederauferstehung des "garra
charrua".
Gemeint ist damit ihr berüchtigter Kampfgeist, ihre Verwegenheit und
der Wille des eigentlich Unterlegenen. "Man sagt, dass Uruguay diesen
'garra charrua' hat. Gegen Südkorea hat man dieses Verlangen und
diese Entschlossenheit wieder gesehen", meinte Stürmer Edinson Cavani
über Stärken, die einst dem Eingeborenenstamm der Charruas nachgesagt
worden waren.
Teamchef Oscar Tabarez versuchte seinem Team gleich nach
Schlusspfiff klarzumachen, dass bei dieser WM noch mehr möglich ist.
"Wir bauen keine Luftschlösser. Aber die Menschen in Uruguay haben
große Träume, und wir können sie wahr machen. Wir mussten lange auf
so eine Chance warten, jetzt ist sie da", spornte Tabarez seine
Kicker an. Tabarez hofft, dass die Feiern in der Heimat weitergehen.
Nach dem Achtelfinale waren in der Hauptstadt Montevideo
karnevalsähnliche Zustände ausgebrochen.
Achse Forlan-Suarez
Über die Stärken seiner Mannschaft, die erst einen Gegentreffer
kassiert hat, meinte der Trainer: "Wir haben eine großartige
Harmonie. Die Mannschaft ist sehr vereint und hält zusammen. Das ist
unsere stärkste Waffe, dank der wir es mit jedem Team aufnehmen
können." Auch wenn es Tabarez nicht tut, herauszustreichen ist bei
Uruguay natürlich die treffsichere Offensivabteilung mit den beiden
Ausnahme-Stürmern Suarez von Ajax Amsterdam und Diego Forlan vom
Europa-League-Sieger Atletico Madrid.
"In meiner Kindheit hab ich von so einem Moment geträumt",
meinte
der 23-jährige Suarez nach seinen beiden Treffern in den Minuten 8
und 80. Dazwischen hatten die ebenfalls leidenschaftlich kämpfenden
Südkoreaner durch Lee Chung-yong ausgeglichen (68.). Dennoch sind die
Träume von einem ähnlichen Erfolg wie bei der Heim-WM 2002 (Rang
vier) geplatzt. Vor allem aufgrund einer Defensive, die zu den
unsichersten des Turniers zählte.
"Die Spieler haben nie aufgegeben. Wir sind ausgeschieden, weil
wir aus unseren Möglichkeiten kein Kapital geschlagen haben",
bilanzierte Coach Huh Jung-moo. Auch Staatspräsident Lee Myung-bak
zeigte sich zufrieden, er wurde von seiner Sprecherin im kanadischen
Toronto beim G20-Gipfel folgendermaßen zitiert: "Obwohl sie besiegt
wurden, haben sie gut gekämpft. Sie haben bis zum Ende ihr Bestes
gegeben."
Knapp eine Million Menschen sahen sich laut Medienberichten die
Partie in Südkorea in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) trotz
Regenwetters auf großen Leinwänden auf Plätzen im ganzen Land an.
Zehntausende rot gekleideter Fans füllten erneut den Rathausplatz in
der Innenstadt von Seoul. Nach kurzer Enttäuschung nach dem
Schlusspfiff brandete Applaus für die Leistung des Nationalteams auf.
(APA/Reuters/dpa)