Die "Urus" haben einen Traum

27. Juni 2010, 12:10
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Wiederauferstehung des zweifachen Weltmeisters

Port Elizabeth - Nach 40-jährigem Mauerblümchendasein hat es die einstige Fußball-Weltmacht Uruguay wieder zurück ins Rampenlicht geschafft. Ein Doppelpack von Luis Suarez sorgte am Samstag im strömenden Regen von Port Elizabeth für ein 2:1 über Südkorea und beförderte die Südamerikaner erstmals seit 1970 ins Viertelfinale einer WM. Dort trifft der zweifache Weltmeister (1930, 1950) am Freitag auf Ghana, die Hoffnungen des nur 3,3 Millionen Einwohner zählenden Landes steigen.

"garra charrua"

In Uruguay feiert man die Wiederauferstehung des "garra charrua". Gemeint ist damit ihr berüchtigter Kampfgeist, ihre Verwegenheit und der Wille des eigentlich Unterlegenen. "Man sagt, dass Uruguay diesen 'garra charrua' hat. Gegen Südkorea hat man dieses Verlangen und diese Entschlossenheit wieder gesehen", meinte Stürmer Edinson Cavani über Stärken, die einst dem Eingeborenenstamm der Charruas nachgesagt worden waren.

Teamchef Oscar Tabarez versuchte seinem Team gleich nach Schlusspfiff klarzumachen, dass bei dieser WM noch mehr möglich ist. "Wir bauen keine Luftschlösser. Aber die Menschen in Uruguay haben große Träume, und wir können sie wahr machen. Wir mussten lange auf so eine Chance warten, jetzt ist sie da", spornte Tabarez seine Kicker an. Tabarez hofft, dass die Feiern in der Heimat weitergehen. Nach dem Achtelfinale waren in der Hauptstadt Montevideo karnevalsähnliche Zustände ausgebrochen.

Achse Forlan-Suarez

Über die Stärken seiner Mannschaft, die erst einen Gegentreffer kassiert hat, meinte der Trainer: "Wir haben eine großartige Harmonie. Die Mannschaft ist sehr vereint und hält zusammen. Das ist unsere stärkste Waffe, dank der wir es mit jedem Team aufnehmen können." Auch wenn es Tabarez nicht tut, herauszustreichen ist bei Uruguay natürlich die treffsichere Offensivabteilung mit den beiden Ausnahme-Stürmern Suarez von Ajax Amsterdam und Diego Forlan vom Europa-League-Sieger Atletico Madrid.

"In meiner Kindheit hab ich von so einem Moment geträumt", meinte der 23-jährige Suarez nach seinen beiden Treffern in den Minuten 8 und 80. Dazwischen hatten die ebenfalls leidenschaftlich kämpfenden Südkoreaner durch Lee Chung-yong ausgeglichen (68.). Dennoch sind die Träume von einem ähnlichen Erfolg wie bei der Heim-WM 2002 (Rang vier) geplatzt. Vor allem aufgrund einer Defensive, die zu den unsichersten des Turniers zählte.

"Die Spieler haben nie aufgegeben. Wir sind ausgeschieden, weil wir aus unseren Möglichkeiten kein Kapital geschlagen haben", bilanzierte Coach Huh Jung-moo. Auch Staatspräsident Lee Myung-bak zeigte sich zufrieden, er wurde von seiner Sprecherin im kanadischen Toronto beim G20-Gipfel folgendermaßen zitiert: "Obwohl sie besiegt wurden, haben sie gut gekämpft. Sie haben bis zum Ende ihr Bestes gegeben."

Knapp eine Million Menschen sahen sich laut Medienberichten die Partie in Südkorea in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) trotz Regenwetters auf großen Leinwänden auf Plätzen im ganzen Land an. Zehntausende rot gekleideter Fans füllten erneut den Rathausplatz in der Innenstadt von Seoul. Nach kurzer Enttäuschung nach dem Schlusspfiff brandete Applaus für die Leistung des Nationalteams auf. (APA/Reuters/dpa)

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    Wo Uruguay drauf steht, steckt "garra charrua" drin.

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