Auto und Umwelt 1929

27. Juni 2010, 16:39
8 Postings

"Es ist eine Unart, wenn rücksichtslose Fahrer ihrer Nervosität durch rastloses Hupen auch auf leeren Straßen sogar zur Nachtzeit Luft machen, ..."

Interessant, was sich so aus einem historischen Handbuch für Chauffeure (Karl Blau, Chauffeurkurs, Verlag Julius Springer, Wien/ Berlin) über das damalige Verhältnis zwischen Auto und Umwelt herauslesen lässt. Schon im Vorwort findet sich eine Erklärung folgenschweren Inhalts: "In der neuen Auflage wird nur mehr der Benzinwagen vorgeführt; der Abschnitt über elektrische Wagen ist diesmal weggelassen."

Was die direkten Auswirkungen auf die Umgebung angeht, war man durchaus schon recht kritisch. Es gab zwar erst wenige Autos, man war jedoch noch nicht so an sie gewöhnt: "Die Pflicht der Höflichkeit wird im Verkehr oft außer Acht gelassen. Ein rücksichtsvoller Fahrer fährt stets mit der Überzeugung, dass die Straße allen, nicht bloß ihm allein gehört. Er drängt sich nie in lebhaften Verkehr und belästigt niemanden durch überflüssige Rauch-, Staub- und Lärmentwicklung."

Den weiteren Ausführungen folgend, muss Autofahren ähnlich wie Russisches Roulette gewesen sein. Zitat: "Es ist eine Unart, wenn rücksichtslose Fahrer ihrer Nervosität durch rastloses Hupen auch auf leeren Straßen sogar zur Nachtzeit Luft machen, anstatt an Straßenkreuzungen die Wagengeschwindigkeit so weit zu mäßigen, dass jede Begegnung mit kreuzenden Wagen gefahrlos überstanden werden kann."

Lärm war das erste Umweltthema im Zusammenhang mit dem Automobil, Abgas war noch kein Thema, man war schon froh, wenn ein Auto überhaupt fuhr. So wie auch in der Industrie die Schornsteinwolke eher mit Wirtschaftskraft assoziiert wurde als mit Umweltzerstörung. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/25.06.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der vom Auto verursachte Lärm war schon sehr bald ein Umweltthema.

Share if you care.