Protestmarsch für entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit

27. Juni 2010, 14:44
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Eltern wollen vor Netanyahus Amtssitz ausharren

Tel Aviv- Vier Jahre nach der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Shalit in den Gazastreifen durch palästinensische Extremisten sind am Sonntag Tausende von Israelis zu einem Protestmarsch aufgebrochen. Der von Shalits Familie angeführte Marsch begann in dessen Heimatort Mizpe Hila im Norden Israels und soll bis Jerusalem führen. Nach Angaben des israelischen Rundfunks haben sich etwa 7500 Menschen der Familie angeschlossen, um Druck auf die Regierung von Premier Benjamin Netanyahu auszuüben. Der Marsch soll knapp zwei Wochen dauern.

In Jerusalem ausharren

In Jerusalem wollen die Eltern in einem Zelt vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten so lange ausharren, bis Shalit freigelassen ist. "Wir haben vier Jahre gewartet, Gilad hat vier zermürbende Jahre gewartet und wartet immer noch auf jene, die ihn geschickt haben - seine Vorgesetzten, den Ministerpräsidenten und den Verteidigungsminister - aber sie antworten nicht", sagte Vater Noam Shalit. "Wir werden nicht mehr warten." Der heute 23 Jahre alte Shalit war am 25. Juni 2006 nach einem Angriff bewaffneter Palästinenser auf einen israelischen Grenzposten, in dessen Verlauf zwei Soldaten getötet wurden, in den Gazastreifen verschleppt worden.

Appell an die Hamas

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat an die im Gazastreifen herrschende Hamas-Organisation appelliert, endlich Besuche der Familie sowie von Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) bei dem Soldaten zuzulassen. "Die grausame Behandlung von Shalit fügt ihm und seiner Familie nur unnötiges Leid zu", hieß es am Freitag in der Erklärung. Hamas fordert von Israel, im Gegenzug für die Freilassung von Shalit 1000 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen zu entlassen. 450 davon sind von der Hamas ausgewählt worden. Sie verbüßen wegen der direkten oder indirekten Beteiligung an blutigen Terroranschlägen zum Teil lebenslange Freiheitsstrafen.

Netanyahu beschwichtigt

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat unter dem Eindruck der Proteste gegen die Lockerung der Gaza-Blockade noch vor einer Freilassung des entführten Soldaten Gilad Shalit versucht, die aufgebrachte Bevölkerung zu beschwichtigen. Während der Kabinettssitzung am Sonntag sagte der Premier in Jerusalem, Israel bemühe sich mit offenen und verdeckten Mitteln um eine Freilassung Shalits. Er habe mit den Eltern telefoniert und sie zu einem Gespräch eingeladen. Israelische Medien berichteten, der Regierungschef wolle trotz allem eine "entschlossene Haltung" bei Verhandlungen über eine Freilassung Shalits beibehalten. (APA)

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    Banner für die Freilassung des israelischen Soldaten Shalit.

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