"Haben kleine Fortschritte gemacht"

26. Juni 2010, 15:29
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Spaniens Teamchef Vicente del Bosque nach dem Aufstieg ins Achtelfinale vorsichtig optimistisch - Chile sieht Chance gegen Brasilien

Pretoria/Bloemfontein - Spanien hat seinen Kopf aus der Schlinge gezogen. Der Europameister vermochte am Freitag in Pretoria aber auch zum Abschluss der Gruppenphase gegen Chile (2:1) nicht restlos zu überzeugen. Am Dienstag wartet das mit Spannung erwartete Achtelfinale gegen den Lokalrivalen Portugal. Eine weitere Leistungssteigerung wird notwendig sein, um auch diese Hürde zu nehmen -  darüber ist sich die spanische Öffentlichkeit einig.

Durch den Gruppensieg ist die Seleccion zwar einem Duell mit Brasilien ausgewichen, der Respekt vor den Portugiesen ist aber ebenfalls groß. "Es ist keine Erleichterung, dass wir nun Portugal haben", betonte Teamchef Vicente del Bosque. "Sie haben eine sehr starke Mannschaft." Das hätten die Portugiesen auch beim abschließenden 0:0 gegen Brasilien gezeigt. "Sie haben die Brasilianer kontrolliert und ihren gefährlichen Konterfußball gespielt", erklärte Del Bosque.

Mit der Leistung seiner eigenen Mannschaft war Del Bosque nicht unzufrieden. "Wir haben kleine Fortschritte gemacht", meinte der Trainer. Sorgen bereiten ihm lediglich die körperlichen Beschwerden einiger Schlüsselspieler. Xabi Alonso, der mit Sergio Busquets zuletzt ein schlagkräftiges Duo im defensiven Mittelfeld gebildet hatte, könnte im Achtelfinale mit einem verstauchten Knöchel fehlen. Dazu laboriert Fernando Torres, der weiterhin seiner Form nachläuft, an leichten muskulären Problemen.

Anlass zur Hoffnung gab dagegen das Comeback von Andres Iniesta. Der Kreativspieler des FC Barcelona spielte nach überstandener Muskelverletzung durch, erzielte zudem nach Vorarbeit von David Villa den zweiten Treffer. Villa ist im Gegensatz zu Torres der Mann der Stunde im spanischen Team, hatte er doch auch nach einem Fehler des chilenischen Keepers Claudio Bravo per Heber ins leere Tor das 1:0 erzielt. "Der Treffer war unglaublich wichtig, denn bis dahin waren wir nicht wirklich gut", gestand Iniesta.

Mit drei Toren führt Villa ex aequo die WM-Schützenliste an, mit deren sechs in zwei Turnieren ist er bereits spanischer Rekordmann bei Weltmeisterschaften. "Das war einfach Instinkt, so etwas passiert manchmal auf dem Feld", kommentierte Villa seinen Treffer. Sein Torinstinkt hat den Neuzugang von Barcelona zuletzt nie im Stich gelassen. In den vergangenen acht Länderspielen seit dem 5:1 im November in Wien gegen Österreich hat er ebenso oft getroffen. "Solche Dinge sind schön, aber was zählt, ist, dass Spanien gewinnt", erklärte der 28-jährige Asturier.

Nach dem 0:1 zum Auftakt gegen Chile war der Druck groß gewesen. "Vielleicht sind wir daran sogar gewachsen", meinte Iniesta. "Druck, Druck und noch mal Druck - von allen Seiten", schrieb die spanische Zeitung "El Mundo" am Samstag. "Nach dem Sieg gegen ein großartiges Chile wartet jetzt ein echter König des Dschungels - Cristiano Ronaldo." Portugals Superstar spielt seit einem Jahr bei Real Madrid, auf den Sieger des iberischen Duells wartet im Viertelfinale mit Paraguay oder Japan eine lösbare Aufgabe.

"Brasilien immer noch furchteinflößend"

Die Chilenen bekommen es dagegen wie schon bei ihrer letzten WM-Teilnahme 1998 bereits im Achtelfinale mit Brasilien zu tun. Damals hatte sich der Außenseiter dem späteren Finalisten klar mit 1:4 geschlagen geben müssen. "Über Brasilien braucht man nicht viel zu sagen. Sie sind immer noch eine furchteinflößende Mannschaft", meinte Teamchef Marcelo Bielsa. "Sie haben bei dieser WM gezeigt, dass man ihren charakteristischen kreativen Fußball mit aggressivem, körperbetontem Spiel verbinden kann."

In der südamerikanischen WM-Qualifikation waren die Chilenen hinter den Brasilianern Zweiter geworden, auch in Südafrika haben sie bisher mit erfrischendem Offensivfußball überzeugt. "Wenn wir alle unser Niveau erreichen, haben wir auch gegen Brasilien eine Chance", meinte Rodrigo Millar, dem gegen Spanien kurz nach der Pause der Anschlusstreffer gelungen war. Neben dem ausgeschlossenen Marco Estrada muss Chile im Achtelfinale mit Gary Medel und Waldo Ponce aber auch zwei Stammverteidiger gesperrt vorgeben.

Hitzfeld: "Brauchen mehr Stürmer"

Solche Probleme haben die Schweizer nicht mehr, sie sind als Gruppen-Dritte ausgeschieden. Die Sensation zum WM-Auftakt gegen Spanien hat sich als Glückstreffer entpuppt. Das hat sich spätestens nach dem enttäuschenden 0:0 gegen Honduras herausgestellt. "Wir hatten große Ambitionen, aber die Bürde war zu groß. Wir hatten zu viel Druck", meinte Teamchef Ottmar Hitzfeld nach der verkrampften und ideenlosen Darbietung seiner "Nati" in Bloemfontein.

Die totale  Harmlosigkeit in der Offensive holte die Schweizer  und ihre Fans aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Das ist auch Hitzfeld klar, der forderte: "Wir brauchen mehr Stürmer." Unterm Strich musste man noch froh sein, dass Honduras seine hochkarätigen Konterchancen teils sträflich verplemperte.

Die Mittelamerikaner zeigten großen Charakter und wurden  mit dem ersten WM-Punkt in Südafrika belohnt. "Die Spieler wussten, was dieses Spiel für unsere Nation bedeutet. Sie haben Courage gezeigt und alles gegeben. Leider hatten wir im Abschluss zu wenig Präzision. Und leider haben wir erst im letzten Spiel unser wahres Talent gezeigt", erklärte Trainer Reinaldo Rueda. (APA/Reuters/red)

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    Vicente del Bosque instruiert Joan Capdevila im Spiel gegen Chile.

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    Hochstimmung in Santiago nach dem Aufstieg des Nationalteams ins Achtelfinale, doch in Chiles Hauptstadt kam es später auch zu Ausschreitungen.

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