Aallerbestes Schweinsohr

26. Juni 2010, 01:25
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Sau gehabt auf dem Donaukanal

Noch immer auf der Suche für formlosere Esstipps, und doch ohne Twitterei, gilt es festzuhalten:

Ich weiß, die Badeschiff-Elogen nerven langsam, aber wenn Frau Schell vom besten Schweinsohr des Jahres in Spanien schwelgt, dann muss hier auch gesagt werden, wo es die besten ihrer Art zu Fuß erreichbar gibt, also quasi die nachhaltigsten Ferkellauscher: Schweinsohren, hauchdünn und im optisch perfekten Winkel geschnitten, darauf lackierter Aal, senfige Vinaigrette und ein bisschen Vogerlsalat. Danke! Sau gehabt. (fid)

Hier gehts passend weiter zu: Schweining John Malkovich


Schweining John Malkovich

Kein Band, kein Zettel an der Tür, doch bummfest zu fand der Fidler einen Stammwirten - dafür aber auch Herrn Malkovich im Finsteren Stern

Es kann ja sein, dass...

  • in der Berggasse ein kleiner Virus die komplette Belegschaft ans Bett (oder sonstwo) fesselt, 
  • alle ganz absichtlich auf Urlaub sind, und alle vergessen haben, ein Schild darüber an die Tür zu hängen oder den Anrufbeantworter zu besprechen,
  • Beiried, Majtesfilet oder Speckkrustelkernölmayonnaise ausgegangen sind,
  • die sehr anständige Ware doch um einen etwas zu preiswerten Tarif abgegeben wurde,
  • der Sauerstoffkontrolletti die luftige Abtrennung zwischen Raucher- und Nichtrauchersektor doch zu luftig fand
  • das Handwaschwasser am Klo zu dieser Jahreszeit wirklich zu kalt wäre,
  • sich wer in Sachen Weihnachtssperre ein bisserl im Kalender verschaut hat,
  • oder was weiß ich, aber...

Samstag, den 18. Dezember 2010, hatte das an sich schon sehr nette Rebhuhn in der Berggasse in 1090 abends einfach zu. Ohne Band, ohne Hinweis, gar nichts. Ich war besorgt. Schließlich fällt der Gast, wie Schmecks-Userinnen wissen, nicht weit vom Stammwirten. Inzwischen gab Poster/in song aber Entwarnung: Am 21. war das Rebhuhn wieder offen. Aber an diesem Samstag musste ich, statt zu fallen, weiter gehen.

Die Vegetarierin schlug beim kühlen Outdoor-Pow-Wow im Alsergrund vor: dann Stern! Ich versuchte noch, ihre Börse mit dem Stomach zu schonen, aber dort lachte man nur auf die Frage, ob Samstagabend (in 15 Minuten, nämlich) noch ein Tisch frei wäre. Auch bei Frau de Silva, vermute ich, konnte ich nur mit dem 500.000-Kilokalorien-Treuepass zwei Notplätze direkt am Eingang ergattern.

Eigentlich hätten wir ja laut ultraspontaner Reservierung einen Platz hinter dem Kleiderständer rechts vom Eingang gehabt, immerhin von Küche und Zug durch die Glasinnentür geschützt, und vor allem doch recht entspannend bewehrt von Weinkartons von Bündlmayer seit- und abwärts. Aber nein, als wir kamen, gab's dank einer Absage schon wieder Auswahl, nun war Platz rechts und links vom Eingang. Die Vegetarierin entschied sich für links, lag politisch nahe, und vor allem genau zwischen Zug und Küche.

Faserschmeichler

Das hatte ein paar Vor- und einen Nachteil, wenn wir jetzt einmal von sehr frischer Luft und Küchenduft samt -hitze absehen. Zum Beispiel: Unser Essen hatte es definitiv nicht weit - und was für eins:

  • eingelegte Sardinen, prächtig wie eh und je, ich hätte die dickorange Sauce auf dem schönen Salat dazu nicht gebraucht, aber da bin ich Zwängler, wie gewohnt. 
  • Schmorkaninchen auf den fetten Hausnudeln, sehr dunkel, sehr schön, so fein können lange Fasern sein, Faserschmeichler, quasi
  • die Vegetarierin ließ auch kein schlechtes Wort über ihre Peperonata mit Büffelmozzarella kommen, dass sie
  • ihre Kürbissuppe mit Birne und Chili als scharf empfand, nehme nicht nur ich als Ausdruck ihres Respekts,
  • und dass man ihr mit Gemüse noch eine Überraschung bieten kann, liegt jedenfalls auch daran, dass sie noch nie ein Biokistel von Adamah empfangen hat - ich sagen nur: violette Erdäpfel, bei Adamah hießen die einst Trüffelkartoffel, m.E. ja geschmacklich nicht so der Bringer, aber ich kenn mich da ja nicht so aus.

Keine Ahnung, warum ich an diesem Abend nicht das Beiried als Hauptgang nahm (vielleicht schon zu oft gehabt?), und ebenso wenig den Saibling, der für den schon verputzten Wildbranzino herhalten musste, eigentlich eh die ökologisch vernünftigere Wahl, vermute ich jetzt einmal. Arrosto musste es sein, vom Schwein, und das vor allem, weil ich Universaldilettant trotz (oder wegen) nicht gerade seltenem Aufenthalt im Südwesten wieder einmal was Geschmortes, womöglich über Tage und mit viel Wein vermutete. Weit gefehlt, praktisch ein gesottener (Dilletantenalarm!) Schweinsbraten, sagt der Dilettant, und saftig wie kaum einer, wenn man von Hilbergs Sau absieht, naturgemäß.

Paparazzofid, kamerafrei

Das bringt uns zu Vorteil 2: Ich sah, dass Herr Malkovich (gerade in Wien Casanova) in den Stern huschte. Ich vermute, und weil auch ein finnisches Paar rechts Platz nahm: Daran hat Sarah Wildman ihren Anteil, beziehungswese wer Wildman halt im Sommer 2008 auf den Stern gebracht hat - und das, muss man natürlich sagen, durchaus zu Recht. Hä? Wildman? Hier nachzulesen.

Nachteil 1: Wäre ich rechts vom Eingang gesessen, hätten ich oder die Vegetarierin die Gelegenheit gehabt, einem Aberhallopromi ganz ungeniert beim Essen zuzusehen. Aber: Will man das? Zudem bei einem, der gleich nach einem Gang wieder geht?  

Welcher Gang Herr Malkovich hatte? Der Mann hat vermutlich doch Geschmack. Ich sage nur: Arrosto, große Portion.

PS: Vorsicht: Ironie!

PPS: Nein, das steht hier nicht, weil Herr M. gerade auf derStandard.at für Nespresso wirbt, wie mir gerade auffällt. War nur grad essen, und kann, wie gewohnt, nichts für mich behalten.

PPPS: Um Postings zu dem Thema vorzubeugen: Nein, PPS hat nichts mit Durchfall zu tun. Höchstens Logorrhoe, schriftlich halt.

Wenn der Mayer wild wird


Wenn der Mayer wild wird...

...freut sich der Fidler

Weil's schon ziemlich schön war, und die Erinnerung so rasch verblasst, auf die Schnelle vorerst soviel über das Martin in der Gumpendorfer Straße, das wir an diesem Mittwoch (zu Unrecht) nicht überfüllt vorfanden:

  • Alexander Mayer ist noch da, wir haben ihn gesehen. (Der musste sein, sorry!)
  • Aus seiner (olfaktorisch leider etwas offenen) Küche haben wir gerade eines der besten Rehfilets ever verputzt, auf herrlich kräftigem Rehjus und Linsen. Dankedankedanke! Die Pürees von Kürbis und Sellerie links und rechts des Filets mit den kontrastierenden Kürbis- und Zellerbällchen waren vermutlich vor allem unserer Fotografierlaune geschuldet - Frau Schells iPhone 4 gegen meine Lumix 3. Die Ergebnisse dieses brutalen Matches finden Sie, wenn alles gut geht, irgendwann an dieser Stelle.
  • Das Reh (vierter Gang) stand nicht auf der Karte, ebensowenig der panierte schottische Kabeljau auf Remoulade und Platz zwei unseres Überraschungsmenüs, das wir hiermit vor allem rehbedingt wärmstens empfehlen. Auch wenn es 58 Euro kostet und nicht ca. 46. Was aber vor allem daran liegt, dass wir Dessert ausgeschlossen haben, vermute ich. Würdig und recht.
  • Mir völlig fremdes Draufgängertum wird intuitiv belohnt: Frau Schell und ich hätten uns jedenfalls unter die Überraschungen das Beef Tatare gewünscht (und ich Reh, wenn ich von seinem Habitat in der Gumpendorfer Straße gewusst hätte). Unausgesprochen legt die Küche das Beef als ersten Gang ein. Oder sind wir so durchschaubar? Bisschen sehr grob, bisschen sehr kräftig gewürzt, das Beef, fand ich, aber welcher Fidler würde schon ernsthaft über rohes Fleisch klagen? Eben. Danke.
  •  Gang 3? Wolfsbarsch, sehr schön, gekrönt von Tintenfischchen und gebettet auf ihre Artgenossen in Erdäpfelpüree und Paprikajus, wenn mich jetzt die Erinnerung nicht täuscht.

Ans Mark und an die Nieren


Ans Mark und an die Nieren

  • Das Marktachterl kann man eigentlich nicht genug loben. Das Rinderfilet hält zwar inzwischen auch bei knapp 25 Euro, wohin der Böhm sich neuerdings auch lässig und zu meiner Überraschung schraubt. 
  • Aber: Eierschwammerltatar für 10,90 ist schon quite okay. Schon wenn man die Nachhaltigkeit bedenkt, die ein Schwamm am Abend gesamtwohlbefindlich entwickelt, vom Geschmack gar nicht zu schreiben.
  • Aber: Wirklich erfreulich das günstigste Hauptgericht des Abends (von den vegetarischen Angeboten abgesehen, geb ich zu). Kalbsniere sautiert, wie schon kaum erlebt, vielleicht zum denkwürdigen Frühstück bei Reitbauers. Doch darauf noch eine cremige Markscheibe. Wir wollen ja die Cholesterine nicht nur einseitig mit Organen bedienen. Sehr, sehr schön.
  • Dass Herr G. und ich uns dann noch ein sehr anständiges Beuschel teilten, kann Sie nicht weiter überraschen, oder?
  • Schon schön fanden wir freilich die Courtoisie von Schwester Oberin: Beuschel wäre ein durchaus gängiges Dessert. 

Kurzum: Danke!

PS: Habe unlängst tatsächlich Schmeck's-Getwittert: Schon viele Werbefest-Buffets erlebt. Steirischer Panther: neue Dimension. Noch Fragen?

Weiter: Fett wie ein Schwamm (von Andreas Wojta)


Fett wie ein Schwamm (von Andreas Wojta)

Chocoholic postet vermutlich: Ein neuer Anlauf zur steuerlichen Absetzbarkeit von Fidlers Fresssucht. Knapp daneben. Worum's hier geht, steht im Kleingedruckten unten. Vor allem aber um Essen. Meines und, ich hoffe, insbesondere Ihres. Also los. Wie immer wir das technisch hinkriegen.

Blödeln über Andreas Wojta haben wir durch. Erst selbst. Dann Stermann & Grissemann. Dann wieder Eigenbau. Und so fort. Man muss Wojtas Art nicht mögen. Man muss seine Frisur nicht mögen. Man muss auch nicht immer mögen, wie er doch ziemlich forsch an Klassiker herangeht (was ihnen aber ziemlich oft ganz gut bekommt).

Man muss Rahm nicht mögen. Wie ich. Man muss Semmelknödel nicht lieben. Wie ich. Man kann auch Schwammerlsauce mit Semmelknödeln verachten als Gewaltkombination aus Fett und Mehl, geschmückt mit auch nicht gerade leicht verdaulichen Mycelausläufern. Oder meinetwegen aus vegetarischen Gründen lieben, wobei da schon das eine oder andere Vieh im Spiel war.

Aber: Wojtas Rahm-Eierschwammerl Freitagmittag im Minoritenstüberl waren, unabhängig von den folgenden Schlafanfällen, schlicht: aber hallo! Der Knödel anständig. Der Preis mit 12 Euro (so angeschrieben, mit Soda Zitron nicht teurer) nicht unbedingt kantinig. Aber in dem Fall jeden Cent wert.

PS: Nein, Chocoholic, ich habe nicht nach einer Mehrwertsteuerrechnung gefragt.

PPS: Bis bald. (fid)

 

 

Die Vorgeschichte - work in progress: Mein erster Twitter-Account hieß Schmeck's. Dreistellige Followergemeinde, immerhin. Haben vermutlich zu 99,3 Prozent aus meinem Namen geschlossen, es geht um Medien. Ein Irrtum, wobei ich nie in Echtzeit über Essen schreiben wollte. Das kann ich niemandem zumuten, höchstens live on tape, in der mir bekannten Fernsehsprache, also aufgezeichnet, aber im Wesentlichen ungeschnitten. Wie zum Beispiel experimentelle Gewaltakte in der Schmecks-Rubrik Italienische Speise, Übersichten dieses Wahnsinns zum Beispiel hier. Also kein Tweet, vorläufig. Trotzdem würde ich verfressener Universaldilettant ganz gerne kleine Zwischengerichte servieren, kurze Tipps und Erlebnisse. Und ebenso, gleichberechtigt, solche von Usern: War gerade da und fand das so. Ich arbeite an der Umsetzung - siehe den von mir sträflich unterbetreuten Forum-Anlauf Da Schmeckt's. Und weil ich noch nicht die passende Form gefunden habe, experimentiere ich einfach hier weiter - siehe oben. (fid)

 

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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