STANDARD-Interview

"Im Ministerium laufen wir gegen Wände"

25. Juni 2010 19:49

Die Sportinitiativen des Ministeriums sind nichts weiter als Lippenbekenntnisse, sagt Wolfgang Oebelsberger vom Tiroler Landesschulrat. Schon jetzt haben viele Schüler Probleme mit dem Hopserlauf oder dem Purzelbaum

Standard: Das Unterrichtsministerium will Bewegung in den Schulen ohne zusätzliche Sportstunden forcieren. Kann das funktionieren?

Oebelsberger: Das sind nicht mehr als Lippenbekenntnisse. Der pädagogische Wert des Sportunterrichts wird nicht erkannt.

Standard:  Achtjährige Kinder haben zwei Schulsportstunden pro Woche. Ist das genug?

Oebelsberger: Natürlich nicht. Alle wichtigen Bewegungen werden in der Volksschule gelernt. Da besteht Handlungsbedarf, aber im Ministerium laufen wir gegen Wände. In Tirol kürzen wir auf Eigeninitiative jede Schulstunde um fünf Minuten, um den Volksschülern pro Tag eine halbe Stunde mehr Bewegungszeit zu geben.

Standard:  Können Schulen schulautonome Stunden nicht auch für Sport verwenden?

Oebelsberger: Die Schulautonomie ist das Hauptproblem. Der Großteil der Schulen setzt lieber auf Fremdsprachen oder Mathe, zulasten von Sportstunden. Und wo kann man, wenn Projekte anstehen, Stunden am leichtesten abzwacken? Natürlich beim Sport.

Standard:  Merken Sie bei den Schülern Bewegungsdefizite?

Oebelsberger: Die Schüler werden ungeschickter. Purzelbaum und Hopserlauf schaffen viele nicht mehr. Da gehören aber auch die Eltern in die Pflicht genommen.

Standard:  Können Sportvereine in Schulen eine Hilfe sein?

Oebelsberger: Das ist ein guter Ansatz, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Gerade die Kinder, die Sport so nötig hätten, werden mangels Talent oft ausgesiebt. (Von David Krutzler, DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, 26. Juni 2010)

Zur Person:

WOLFGANG OEBELSBERGER (55) ist seit 2006 Tiroler Fachinspektor für Bewegungserziehung und Sport. Davor war er 25 Jahre Schulsportlehrer.

f.j.neffe
 
01.07.2010 12:30
Beispiele ziehen.

Das Gymnasion war bei den alten griechen der Ort, wo Nacktsport betrieben wurde; heute kommt man wegen des Gymnasiums nicht mehr an die frische Luft.
Was hilft die Phrase, Eltern müssten in die Pflicht genommen werden? Die zeigt doch schon, dass wir wissen, dass die Eltern das nicht können und dass es ihnen auch keiner vormacht, wie es geht. Als Ich-kann-Schule-Lehrer würde ich den Unterrichtsvollzugsanstalten empfehlen, vom DRUCK- auf das SOG-Prinzip umzustellen. Dazu gehört unter anderem, durch Beispiel mitzureißen und nicht durch Drohgebärden zu verschrecken. GutenErfolg!
Franz Josef Neffe

Marten E. Vanderveen
 
25.06.2010 23:20

Der Schulsport hat mir die Freude an der Bewegung völlig genommen. Jahrelanges Mobbing von Mitschülern (und Lehrern!) muss man erst einmal ertragen. Jede ausgefallene Sportstunde war einen Freudentanz wert.

Auf 0 Stunden zusammenstreichen und etwas Sinnvolles machen ist die Devise, die Mobbingopfer werden es danken.

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