Einserkastl RAU

Nichtstuer-Staat

Hans Rauscher, 25. Juni 2010 19:25

Änderungen im System werden als selbstmörderisch empfunden

Unser Staat ist, wie zuletzt an dieser Stelle herausgearbeitet wurde, zugleich ein "Angstbeißer" (gegenüber harmlosen Flüchtlingen) und ein (bewusster?) "gutmütiger Depp" , wenn es um eine effiziente strafrechtliche Verfolgung der Hai-der/Grasser/Meischberger/etc.-Blase geht, die sich in den goldenen Jahren von Schwarz-Blau breitgemacht hat.

Wir haben aber auch einen Nichtstuer-Staat, der nicht imstande ist, die dringendsten Reformen für die Zukunft umzusetzen oder auch nur angemessen zu diskutieren. Das liegt natürlich in erster Linie an unserer derzeitigen Nichtstuer-Regierung, die einerseits sehr unterschiedliche gesellschaftspolitische Ansätze hat - von der gemeinsamen Obsorge für Scheidungskinder bis zur Vermögenssteuer -, andererseits aber auch nicht gewillt ist, vor den Landtagswahlen etwas Substanzielles zu beschließen.

Doch die Ursachen für den Nichtstuer-Staat liegen tiefer. Das System gefällt sich selbst so prächtig und lebt so gut, dass es Änderungen als selbstmörderisch empfindet und daher verhindert. Jeder weiß, dass der öffentliche Dienst, das Gesundheitswesen und die ganze Länderstruktur zu groß und zu teuer sind. Aber in und von diesen Strukturen leben zu viele, die Veränderungen fürchten müssten. Die Stabilität der österreichischen Strukturen war einmal ein Wettbewerbsvorteil. Jetzt ist sie ein Krankheitssymptom. (Rauscher/DER STANDARD, 26.6.2010)

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Posting 1 bis 25 von 48
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Major Nelson
 
27.06.2010 16:36
Ad letzter Satz:

Kein Krankheitssysmptom. Ein Krebsgeschwür.

fasle: gleich doppelt falsch
 
27.06.2010 14:30

einmal an der Macht, merkt jeder Politiker recht bald, dass es der Status Quo ist, der ihnen die Macht verleiht, und jede Änderung dieses Status sie den Job kosten kann

und so wird aus oppositioneller Kampfrhetorik recht bald eine systemerhaltende Beschwichtigungs- und Relativierungsrhetorik

die Ineffizienz (der Bürokratie) ist jene Eigenschaft des Systems, die eine Akkumulation der Macht erst ermöglicht, nur eine ineffiziente Verwaltung benachteiligt ausreichend viele Systemteilnehmer

zum Thema "gutmütiger Depp" soll aber gesagt sein: So deppert sind die nicht. Denn wer deckt schon einen Skandal auf, in dem er selbst bis zum Hals drinnen steckt? Es ist halt nicht nur KHG, der uns beklaut ...

Nik M
27.06.2010 13:07
Mehrheitswahlrecht

Die staerkste Partei soll zeigen koennen, was sie kann, und abgewaehlt werden koennen, wenn sie nichts leistet.

Das wuerd auch den NR Wahlen etwas mehr Sinn geben.

Treibhauseffekt
27.06.2010 07:33
Zuckerbrot & Peitsche?

Herr Rauscher obliegt dem allgemein üblichen Irrtum, die Heere an Beamten, Vertragsbediensteten und Angestellten der geschützen Werkstätten im Smog des öffentlichen Sektors für ihr Schicksal der ängstlichen Unbeweglichkeit verantwortlich zu machen.

Woran es diesen "Arbeit-"nehmerkreisen mangelt, ist nichts anderes als Motivation - weder positive noch negative. Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihr Arbeitsleben in einem Zustand der Cryostasis verbringen. Ihre Taten würden weder Lob in Form von nennenswerten variablen Gehaltsanteilen noch Tadel - karrieremäßiger Abstieg oder Arbeitsverlust - nach sich ziehen!

Jahrelang in dieses Umfeld der Nicht-Veränderung eingebettet, wird Ihnen jeder Gedanke an Veränderung zur Unerträglichkeit.

Jene Grüne Straßenkatze
27.06.2010 10:59
...

Ergänzt wird das dadurch, dass keine Motivation besteht, in der freien Wirtschaft zu arbeiten, da diese außer Streß nichts zu bieten hat.

Wer sich Stellenanzeigen durchliest, wird hauptsächlich auf Angebote nach (überspitzt) folgendem Muster stoßen: "Haben Sie Lust, in unserem jungen, dynamischen Team 60 Stunden pro Woche für 500€ pro Monat zu arbeiten? Anforderungen: max. 21, 10jährige Berufserfahrung, drei Studienabschlüsse, Verfügbarkeit Tag und Nacht."

Dieser Alternative zieht wohl so gut wie jeder einen langweiligen Sackgassenjob als Beamter vor.

Treibhauseffekt
27.06.2010 15:39
... ...

Ich fürchte, ich gehöre zu jener für den ordentlichen Staats- und staatsnahen Diener undenkbaren Gruppe von Dummköpfen, die aus dem geschützten Hafen auf das offene, wilde Meer hinausgesteuert sind. Mit allen von Ihnen beschriebenen Gefahren klar umrissen vor Auge!

Die Aussicht, meine Arbeit - die für mich ein wichtiges Merkmal zur Selbstbestimmung ist - auf diesem Friedhof der Werktätigen bis zur wohlverdienten Frühpension fortzusetzen, war für mich einfach unerträglich.

Die Aussicht, 38,5 Stunden pro Woche für weitere x Wochen und y Jahre in einem Klima der Scheu vor Veränderungen, des krampfhaften Festhaltens an Hierarchien/Zuständigkeiten und Duckmäusertums sind weniger verlockend als man gemeinhin annimmt.

Jene Grüne Straßenkatze
28.06.2010 18:34
...

Natürlich, verlockend ist diese Aussicht keineswegs - auch mich schreckt sie ab. Aber leider sind die meisten Jobs in der Wirtschaft nicht weniger trostlos, dazu aber noch streßig und unterbezahlt.

Und selbst die Selbstständigkeit ist ja ein zweifelhaftes Vergnügen, da der österreichische Staat kleinen und mittleren Unternehmen das Leben sehr, sehr schwer macht.

lieschen müller
26.06.2010 22:58
Beamtenstaat

Österreich ist noch immer der Beamtenstaat so wie in die Monarchie eingeführt hat. Das Staatsgebiet ist nur mehr ein Zehntel so groß aber das Beamtenheer ist nicht in gleichem Ausmaß geschrumpft.Über 50% der Parlamentsabgeordneten sind karenzierte Beamte. Und niemand sägt gerne den Ast ab auf dem er sitzt.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
26.06.2010 18:36
Es gibt hier und da Mentalitäten

die sind am Aufstieg des Gemeinwesens interessiert. Nicht selten werden in diesen Zusammenhängen Skandinavier und neuestens auch Balten genannt, speziell die Estländer.

Nicht daß dort alles Utopia und damit ideal wäre, aber man arbeitet dort doch professioneller und weniger egoistisch am Aufstieg des Ganzen, indem man macht was zu machen ist und sich auf logische Schritte konzentriert.

Österreich ist in allen Belangen mehrfach von denen überholt (Bildung, etc)

Österreich ist für vollkommene Renitenz, Plattheit und einem grioßkotzigen Amateurtum bekannt, gepaart mit einer beinahe legalisierten Korruption.

Aufstiege sind hier nur als parteiinterne gedacht.

Am Aufstieg der Republik ist exakt *niemand* interessiert.

Major Nelson
 
27.06.2010 16:46
... nur ein paar machtlose Bürger.

also dann ...
26.06.2010 16:01
die macht ... der politik ist ja nicht dazu da, politik FÜR menschen zu machen,

sondern dient alleine dem eigenen
...den seiner günstlinge/freunderln/ja-sager + a...kreicher...
machterhalt und der absicherung dieser !

politik als "gestaltung der gesellschaft"...
hat grobe veränderung mit sich, die nur einem
k r e i s k y ( ! ), bisher gelang.
danach war nur mehr "hofberichterstattung" + hoferhaltung angesagt.

beispiele hierfür gibts zuhauff, wie die bildungspoltik gehrer z.b., die ja darauf ausgerichtet war (und derzeit in vielen staaten) uns noch ist,
das volk...einfach nur d u m m zu halten !
ein aufgeklärtes volk
- insbesonder betrf. des korrupten geldsystems z.b. -
würde die clique der polit-nieten... sofort aus deren
postionen entfernen - und anklagen.
genau dies...gilt es ja zu verhindern.

pauljoe
 
27.06.2010 00:59
kommt darauf an,

wie man politik versteht !!

allerdings bestätigten die meisten beispiele bisher leider - fast ausschließlich, und vor allem proportional zu steigendem einfluß - ihre ausführungen..

also dann ...
27.06.2010 09:56
ja ... leider !

Eleazar
26.06.2010 14:10

Krankheitssymptom <- gutes Stichwort ;-)

wenn wir wissen was Gesund ist, hätten wir eine vernünftige Richtung ;-)

Aber weg vom Müll/Ballast ist schon einmal gut

"Es gibt keine Alternative"
 
26.06.2010 10:47
Elegante Lösung: Staatsbankrott

Sushi-Fraß Fresser
26.06.2010 10:31
Öffentliche Dienst zu groß?

Das Problem ist allerdings, dass der mündige Bürger immer mehr öffentliche Leistungen und Regulierungen einfordert, dass immer mehr Aufgaben an die öffentliche Hand delegiert werden, Privatisierungen (etwa in der Verkehrsüberwachung) verpönt sind, und dass immer mehr und v.a. zusehends kompliziertere Sozial- und Wohlfahrtsleistungen (Kindergeld!) geschaffen werden. Ein leuchtendes Beispiel hierfür ist der neue Kinderfreibetrag, den Familienpolitiker und Familienlobbyisten so wünschten, und der ein Bürokratiemonster sondergleichen schuf. Oder wer kann wachen Sinnes zugleich die Einführung einer administrativ höchst aufwendigen Vermögenssteuer und Bürokratieabbau fordern? Das eine schließt zwangsläufig das andere aus.

Räudiger Straßenköter
26.06.2010 09:47

Aber was sind die dringenden Reformen für die Zukunft? Den Arbeitslosen und Niedriglohnsektor mehr unterstützen, unwirtschaftliche Öko-Energie, die Gesamtschule, noch hirnlosere Einwanderungspolitik als bisher, dem ORF das Geld nachwerfen, Pendlersubvention, Frühpensionierungsrekorde, usw. Nichts arbeiten, schwach, arm, blöd sein und sich ständig bedauern wird vom Staat unterstützt.

Toni Meister
27.06.2010 17:40
Diese Reform fehlt sicher

Was spricht dagegen den Finanzmarkt zu regulieren?. Vielleicht dass kommende Finanzblasen weiterhin die Staaten mittels Krediten, die sie bei den Banken aufnehmen müssen, finanzieren dürfen ?. Und dann mittels Sparprogrammen von den Steuerzahlern abgestottert werden?.

teuerzahler
26.06.2010 06:57
ich möcht noch erleben, wie dieser

lumpen- und sumperstaat zsammbricht wie ein sch...häusl!

buff flyer
26.06.2010 17:11
das ist ziemlich wahrscheinlich dass es so kommt

ob es besonders erstrebenswert ist, steht allerdings auf einem andern blatt.

pauljoe
 
27.06.2010 01:04
ja, absolut- falls

danach etwas 'besseres' kommt - und die anführungszeichen bedeuten, dass die meinungen darüber vermutlich größtenteils auseinandergehen werden - und es den preis wert wäre - ex aequo mit meinungen - dann absolut, finde ich !!

gastrosoph
26.06.2010 06:09
Jegliche Veränderung

ist ein Traumata für die meisten Menschen, da es sie aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Das menschliche Hirn braucht die Balance, denn ein Zweibeiner ist unsicherer unterwegs als ein Vierbeiner und der Aufrechte Gang ist nicht angeboren, sondern muss erlernt werden - auch im Sinne von Ernst Bloch.

pauljoe
 
27.06.2010 01:07

die frage lautet also nach dem notwendigen maß an unbequemlichkeiten, um veränderungen zu erwirken.

lobby | VERNICHTER
26.06.2010 04:55


um zu überleben, ja sogar vielleicht an vorderer front mitmischen zu können sind strukturanpassungen überlebensnotwendig

Erwin Wolfram
26.06.2010 00:01

ich find es auch gefaehrlich weil nichts tun irgendwie nach dem bau einer atombombe klingt und das find ich nicht gut das Nichts zu tun.

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