Verfassungsrichter im Staatskonzern - is' was?

25. Juni 2010 19:13

Nicht nur Wien ist anders, sondern ganz Österreich - im Sinne von: "Wo gibt's das sonst noch?"

Das öffentliche Leben Österreichs zeigt immer wieder Facetten, die auch langjährige Beobachter überraschen können. Nichtnur Wien ist anders, sondern ganz Österreich - im Sinne von: "Wo gibt's das sonst noch?"

Bisher lebte man etwa in dem Glauben, Mitglieder des Verfassungsgerichtshofes seien mit ihrer verantwortungsvollen, manchmal richtungweisenden und gestaltenden Tätigkeit ausgelastet, im Übrigen auch angemessen bezahlt. Nebenjobs im Wirtschaftsbereich seien eher unvereinbar.

Nun nominiert Verkehrsministerin Doris Bures die Verfassungsrichterin Claudia Kahr in den Aufsichtsrat der Asfinag, beziehungsweise soll Frau Kahr gleich den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Die Asfinag ist der staatliche Autobahnriese, der das Autobahnnetz plant, baut, instandhält und dafür Maut einhebt. Die Gesellschaft dient auch als bequemes Misttrücherl für staatliche Schulden, denn die enormen Kosten für den Straßenbau werden dorthin ausgelagert. Die Asfinag wird heuer 12,3 Milliarden Euro Schulden haben. 2008 waren es noch 9,9 Milliarden.

Selbstverständlich ist die Gesellschaft, die übrigens Österreichs schönste Gegenden mit geschmackvollen Lärmschutzwänden verziert - selbst dort, wo es keine Anrainer gibt -, natürlich auch ein Spielfeld für parteipolitische Postenbesetzungen.

Unter Schwarz-Blau und den legendären blau-orangen Infrastrukturministern Schmid, Forstinger und Gorbach wimmelte es dort von hochqualifizierten Günstlingen. Mathias Reichhold, heute Schafzüchter in Kärnten, war Vorstand und musste - wie etliche andere - dann von Rot-Schwarz mit einem schönen Rucksack verabschiedet werden.

In dieser durch und durch verpolitisierten, mit x potenziellen Unvereinbarkeitsfällen belasteten Staatsgesellschaft ältester Art soll nun eine Verfassungsrichterin Aufsichtsratspräsidentin werden. Warum? "Weil sie eine Verkehrsexpertin ist", sagt Ministerin Bures. Stimmt, Claudia Kahr saß in einer Abteilung des Infrastrukturministeriums, ehe sie zur Verfassungsexpertin wurde.

Das ist schön, aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vollkommen unvereinbar. Nicht mit dem Buchstaben des Gesetzes, da ist man in Österreich nicht so streng, aber inhaltlich, moralisch, nach den Gesetzen des gesunden Menschenverstandes.

Nun ist es eine Tatsache, dass auch der frühere Vorsitzende des Verfassungsgerichtshofes, Karl Korinek, während seiner aktiven Zeit auch in einem Aufsichtsrat saß, nämlich dem der Erste Bank. Auch das war unvereinbar - obwohl die Erste Bank auch eine private Institution ist und die Gefahr eines Interessenkonflikts für einen Verfassungsrichter hier geringer ist, als bei einem riesigen staatlichen Baukonzern, bei dem sich immer wieder die Möglichkeit rechtlicher Probleme ergibt.

Kurzum, Verfassungsrichter haben keine Nebengschafteln zu haben, außer vielleicht den Ehrenvorsitz im Verein zur Erhaltung des Schuhplattelns oder ähnliches. Die Opposition verurteilt denn auch einhellig die Bestellung von Frau Kahr; ebenso die ÖVP, wenngleich möglicherweise aus anderen Motiven. Im Grunde sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass hier die Sphären nicht vermischt werden - aber offenbar nicht in Österreich. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.6.2010)

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Wolfgang Lederbauer1
28.06.2010 16:59
Asfinag: Österreichs schönste Gegenden mit geschmackvollen Lärmschutzwänden verziert.

Teil 5:

Es stellt sich die Frage, was nun zu tun ist, um wenigstens in Zukunft wirksame und ästhetische befriedigende Lärmschutzanlagen zu planen und zu errichten.

Das Projekt Regionenring um Wien, Teil Querung der Lobau und der Donau bietet mehrere faszinierende Möglichkeiten.

http://so-for-humanity.com2000.at

Wolfgang Lederbauer1
28.06.2010 16:58
Asfinag: Österreichs schönste Gegenden mit geschmackvollen Lärmschutzwänden verziert.

Grundsatzfragen zur Tätigkeit des Rechnungshofs:

1. Hat der Rechnungshof die Warnungen von Dr. L, der als Mitglied des Rechnungshofs schon 1994 auf die Gefahr der Verschleuderung öffentlicher Mittel beim Bau konventioneller Lärmschutzwände und auf gravierende Probleme bei Innovationen auf diesemGebiet hingewiesen hatte, rechtzeitig berücksichtigt? 2. Warum hat der Rechnungshof den Lärmschutz in Österreich erst so spät geprüft. 3. Gibt der Prüfbericht des Rechnungshofs die wahre Dimension und die Fehlentwicklungen zur Gänze wieder?



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http://so-for-humanity.com2000.at SFH-1037



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Wolfgang Lederbauer1
28.06.2010 16:57
Asfinag: Österreichs schönste Gegenden mit geschmackvollen Lärmschutzwänden verziert.

Teil 3:

Der Rechnungshof prüfte die Leistungen der ASFINAG, ging aber bedauerlicherweise nicht auf die ungeheuerlichen Fehlleistungen bei der Errichtung von Lärmschutzanlagen ein.

SFH-1037 Prüfbericht des Rechnungshofs: Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und der Gesundheit im Straßenbau in Österreich mit Anmerkungen von Dr. Lederbauer.
In diesem Zusammenhang stellen sich mehrere Grundsatzfragen.

http://so-for-humanity.com2000.at

Wolfgang Lederbauer1
28.06.2010 16:45
Asfinag: Österreichs schönste Gegenden mit geschmackvollen Lärmschutzwänden verziert.

Teil 2:


Dr. L. hat im Rahmen seiner gesetzeskonform gemeldeten und ausgeübten Nebenbeschäftigung das Projekt einer " Begrünten Lärmschutzwand - ECOWALL " weiterentwickelt.

Das Team von Dr. L. erhielt für das Projekt ECOWALL 1994 einen Preis des Staates Kalifornien.

Der damalige Präsident des Rechnungshofs Dr. Fiedler suspendierte Dr. L. nach Medienberichten Ende August 1994 wegen des Verdachts auf Dienstpflichtverletzungen vorläufig.

Nach jahrelangen Verfahren wurde Dr.L. im Juli 2000 vom Rechnungshof entlassen.

Mit seiner Beschwerde beim UN Menschenrechtsausschuss hatte Dr. L. Erfolg.

Jetzt wird der VfGH über eine Staatshaftungsklage zu entscheiden haben.
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http://so-for-humanity.com2000.at



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Wolfgang Lederbauer1
28.06.2010 16:42
Asfinag: Österreichs schönste Gegenden mit geschmackvollen Lärmschutzwänden verziert.

Teil 1:

Hier tut sich ein Spannungsfeld auf, das in verschiedenen Richtungen öffentlich intensiv diskutiert werden sollte.

Das Thema " Lärmschutzwände " ist aus mehreren Gründen an Absurdität nicht mehr zu überbieten. Anhand eines Falls, der schon den UN Menschenrechtsausschuss beschäftigte, soll dies näher beschrieben werden.

Dr. L. hat in seiner aktiven Zeit im Rechnungshof ca ab 1990 mehrmals auf die offensichtlichen funktionellen und ästhetischen Probleme bei den damals errichteten Lärmschutzwänden hingewiesen. Reaktion im Rechnungshof: Keine.
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http://so-for-humanity.com2000.at


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alois enzenhofer
28.06.2010 11:30
Alaska Saedelaere
27.06.2010 13:22
Viel bedenklicher als eine Verfassungsrichterin ist ein Vertreter der Industriellenvereinigung im Aufsichtsrat der Asfinag

Dann wird der überregionale Straßenverkehr endgültig zum Wunschkonzert der Wirtschaft.

koko
28.06.2010 10:21
???

Sorry, aber sehen Sie da wirklich keinen Unterschied?

Systemanalytiker
27.06.2010 12:08
Warum werden Höchstrichter gekauft?

Warum kauft sich ein Unternehmen am Markt einen Höchstrichter?

Ein Unternehmen kauft sich einen Höchstrichter - er tätigt eine Investition - in der Erwartungshaltung einer gefälligen Judikatur.

In der Vergangenheit hatten Höchstrichter hohe moralische Maßstäbe. Sie vermieden Ämterkumulierungen.

Damit ist es heute vorbei. Höchstrichter sind am Markt beliebig zu kaufen.

Wir brauchen eine Diskussion über die Rechtsmoral der österreichischen Höchstrichter.



Mario Gonzales
27.06.2010 09:19
eigentlich nachvollziehbar

was passiert.

Frau Kahr war im Gespräch als Justizministerin. Da sie dieses Amt nicht bekommen hat "hat man ihr zur Entschädigung einen anderen Job gegeben".

Damit ist sie ebenso ein Einzelfall wie alle anderen parteipolitischen Besetzungen im Land.

Philipp Gudenus
 
27.06.2010 08:53
Verfassungsrichter hat Abstand zu nehmen,

wird nicht gesehen, wie er ein Bordell betritt, mit einem Strassenmächen handelseinig wird. Zur NS-Zeit ward kein jüdisches Geschäft betreten. Zur Sowjet-Zeit man wurde nicht dabei gesehen, dass dergleuchen eine Kirche betritt. Man betrat aich kein Pissoir/ Vespasianum.

Seine Majestät der Kaiser und König Allerhöchst, der entsprechende Richter, vermied peinlichst dieses oder jenes

Grisu der kleine Drache1981
27.06.2010 08:45
www.vfgh.at

Vielleicht mal darauf klicken, da findet sich ein Überblick über die Organisation des VfGH.

Die Mitglieder sind ja grundsätzlich keine hauptberuflichen. Bei der Voraussetzung, dass man 10 Jahre einen juristischen Beruf ausgeübt haben muss, ließe sich sonst auch schwerer erfüllen (man kriegt weniger gute Leute müssten die ihren Job an den Nagel hängen).

Man muss sich halt entscheiden als Staat - will man Berufsrichter auch im Verfassungsgericht oder soll dieses eher ein Querschnitt durch die Gesellschaft sein und so mehr Meinungsvielfalt und Wertediskussion fördern. Wenn man sich die Entscheidungen des VfGH anschaut, dann scheint das System so wie es ist schon zu funktionieren.

mfg

wiesengarten
27.06.2010 17:35
7.000€ für eine Teilzeittätigkeit sind nicht genug?

Aber in diesem verlotterten Land ist anscheinend überhaupt kein Anstand mehr vorhanden, bis in die höchsten Organe hinein.

lessismore
27.06.2010 21:02

Für dieses Geld hebt Frau Rumpold nicht einmal das Telefon ab.

Mc Gregger
27.06.2010 07:26
Rotation

Bekommt man Einblick in die personelle Struktur der Republik, das dauert, gewinnt man den Eindruck, dass ein bestimmte Kaste durch alle Ämter und leitende Positionen des Landes rotiert.Davon sind alle Bereiche der Gesellschaft betroffen: Politik, Justiz, Verwaltung, Wirtschaft, ja Herr Rauscher, sogar der Journalismus. Eine einfach strukturierte Person wie Ministerin Bures findet freilich nichts dabei. Vor wenigen Tagen wurde Gusi Chef des STRABAG Aufsichtsrates. Peinlich sein Interview, als er meinte, er habe Ahnung von der Bauwirtschaft.Haselsteiner wird ihn wohl als Pfortenöffner verwenden, ebenso wie Stronach den Vranz. Was erwartet sich die ASFINAG von dieser Tante? Das ist die Frage!! Oder will sie nur versorgt werden?

colloquium
27.06.2010 02:28
gordischer knoten der korruption alias österreich

auflösen und neugünden!

(°)(°)
26.06.2010 21:40
Kosten für den Straßenbau

werden ausgelagert in die Asfinag, der Staat und sein Budget hat nix damit zu tun - juhu...

Was macht unser Staat mit dieser immensen Kohle die alle die einen Job haben erarbeiten müssen, jeder mit der Hälfte seiner Arbeitskraft?

Die Strassen zahlt er nicht, Zahnersatz zahlt er nicht, ...

Haben wir ein paar battle groups mit Flugzeugträgern, Zerstörern und U-Booten im persischen Golf, von denen wir nix wissen?

Oder wird dieses Geld von über 300.000 Provisionsberechtigten ala Maischi eingesackt?

Ava Tar
26.06.2010 21:31
Ist nicht gut

Wenn die Verfassungsrichter auch Nebeng'schafteln haben, so wie die Abgeordneten und Europa-Abgeordneten ... fehlt nur noch, daß die Rechnungshof-Direktoren in irgendwelchen Gremien ein Zusatzgerscht'l verdienen können, solang die Regierung will ... nicht gut

Was wurde aus der Idee, "mit ganzer Kraft dem Volk/dem Staat zu dienen und das Amt zu erfüllen" ?

Wenn ein Angestellter seinem Chef sagt, er geht jetzt noch nebenbei Versicherungen abschließen oder liefert vor der Arbeit Brötchen aus, dann wird der Arbeitgeber wohl etwas dagegen haben (müder Mitarbeiter, nicht voll bei der Sache für die Firma)

Warum gilt das nicht für staatl. und polit. Funktionen auch ?

lessismore
26.06.2010 23:37

Auch Ihnen möchte ich empfehlen, sich einmal mit der Organisation des Verfassungsgerichtshofs auseinanderzusetzen; am besten bevor Sie sich dazu öffentlich äußern.

uinsel
27.06.2010 09:14

wollen sie damit sagen, die haben dort eh nix zu tun und deshalb geht das ohne weiteres?

lessismore
27.06.2010 12:13

Wikipedia: "Anders als die Mitglieder des Verwaltungsgerichtshofes sind die Mitglieder und Ersatzmitglieder des Verfassungsgerichtshofes keine Berufsrichter, sondern üben ihre Funktion als "Nebenamt" aus, sind dabei aber an keine Weisungen gebunden. "

teuerzahler
01.07.2010 07:44
drum dauern die 'erkenntnisse' so lang und

schieben sie einen berg von fällen vor sich her.

sollten weniger ihre privaten geschäfte treiben und mehr im vfgh hackeln!

aber das ist den leuten, die sich 'nix zuschulden' kommen lassen, eh egal. die glauben, dass eh alles bestens und ok. ist und sie im übrigen nicht betroffen sind.

Weltfremd ?
26.06.2010 17:36
Die unabhängige Justiz, das ich nicht lache

dieser Filz aus Freunderl-, Parteibuchwirtschaft, Korruption sollte, wie sagte doch jemand, trockengelegt werden.
Fehler kann keder machen, doch ist es auch erforderlich sich immer wieder selbst zu hinterfragen und Fehler zu korrigieren. Der verfassungsgerichtshof scheint mir angesichts so mancher Entscheidungen auch immer fragwürdiger und selbst die Basis unserer der Demokratie, die Verfassung selbst ist schon längst ein Spielball der Politik, da sie nach Gutdünken ausgehölt oder geändert werden kann.

olive.info
26.06.2010 19:17
bequemes Misttrücherl?

Die verniedlichte Form von Truhe (wohl ein adäquater Ausdruck für die Finanzen der ASFINAG) soll doch noch immer "-trüherl" ergeben, wenn auch die Dimension für den Verfasser unbegreiflich ist!

Ö-Vobie
26.06.2010 17:26
Richtig, das ist vollkommen unvereinbar!

Die Verfassung darf nicht auch noch neoliberalisiert werden!

Oder bekommen die den Hals gar nicht mehr voll genug, während sie dem kleinen Fußabtretervolk mit ihrem Geiz das Leben zur Hölle machen?
Siehe Hatz IV, das Kindern keine Schuhe mehr gönnte. In Deutschland hatten die Verfassungsrichter zumindest ein wenig Einsehen und soziales Bewusstsein.

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