DéJà-VU GESAMTSCHULDEBATTE

40 Jahre Tiefschlaf reichen

Christine Nöstlinger, 25. Juni 2010, 19:00

Christine Nöstlinger über die Gesamtschule: Neinsager unter den Eltern wollen nur beste Chancen für das eigene Kind

Die Debatte um die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen ist für Leute meines Alters ein tristes Déjà-vu. Alles schon gehört in den frühen 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts! Die gleichen bornierten Kontra-Argumente, die gleichen vernünftigen Pro-Argumente - und die bittere Einsicht, dass es den Neinsagern nur um Verteidigung von Eigeninteressen geht, und daher sinnlos ist, sie überzeugen zu wollen.

Die Neinsager unter den Eltern sind schlicht an Chancengleichheit für alle Kinder nicht interessiert. Ihnen geht es um beste Chancen fürs eigene Kind, und die sind umso besser, je weniger Konkurrenz es hat. Und dass unter denen, die in die Hauptschule abwandern, Kinder sind, die das Gymnasium spielend schaffen würden, ist diesen Eltern wohl klar. Außerdem bringt das Abschieben eines Teils der Zehnjährigen in die "Restschule" die Gewähr, dass der behütete Nachwuchs nicht dem täglichen Umgang mit "Prolos" ausgesetzt ist.

Aber Eltern, die Gesamtschulgegner sind, haben nicht die Macht, diese Schulform zu verhindern. Die Macht dazu hat die Lehrergewerkschaft. Die wehrt sich, was einer Gewerkschaft ja zusteht, gegen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Gesamtschule, die nicht Ganztagsschule ist, wäre Unfug, und auch wenn AHS-Lehrer treuherzig beteuern, auf mehr Arbeitsstunden als andere Beamte zu kommen, macht es halt einen Unterschied, ob man bis Mittag oder bis 16 Uhr an seinem Arbeitsplatz zu sein hat. Zudem würde es den Arbeitsalltag erschweren, sich mit "Problemfällen" herumschlagen zu müssen, die man jetzt aussortiert, indem man sie entweder nicht aufnimmt oder in die Hauptschule abkommandiert.

Dass es viele AHS-Lehrer als "Image" -Schaden sehen, mit Hauptschullehrern an einer Schule zu unterrichten, halte ich für üble Nachrede. So kleinkariert können "Erzieher zum Guten, Wahren und Schönen hin" unmöglich sein! Möglich hingegen ist, dass viele engagierte AHS-Lehrer insgeheim für die gemeinsame Schule sind, aber nicht den Mut haben, ihre Meinung lauthals zu äußern, weil das dem Klima im Lehrerzimmer nicht förderlich wäre. Und die Chancen, dass diese Lehrer mehr werden und sich dann weder von der Gewerkschaft noch von Kollegen disziplinieren lassen, stehen so schlecht nicht.

Also behaupte ich zuversichtlich: Das Projekt "gemeinsame Schule" wird diesmal nicht wieder in vierzigjährigen Tiefschlaf versinken, es wird durchgesetzt! Vielleicht sogar noch mit dem Segen von Herrn Neugebauer - als gute Abschlusstat vor der Pensionierung. (Christine Nöstlinger/DER STANDARD Printausgabe, 26.6.2010)

STANDARD-Schwerpunktausgabe: derStandard.at/AndereSchule

Kommentar posten
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Potz von Padnerham
40
27.6.2010, 18:32

Die Nöstlingers und Konsorten geben ihre Gschrappen sowieso in die Privatschule. Denen geht diese Debatte am A vorbei!

Vögelchen
00

Sie haben sicher eine ganz hervorragende Bildung genossen und absolut keine Ahnung warum es in diesem Artikel und bei der Chancengleicheit für alle Kinder geht. Auch hier speilt wieder einmal der Neid eine große Rolle. Dieses posting ist nicht nur unnötig sondern beschämend

Arbeiterführer Kuhaltinger
 
12
27.6.2010, 17:17
Auch wenn es der Nöstlinger nicht passt

mehr Freiheit wagen. Warum alteriert sich Oma Nöstlinger? Schmiedchen Schleicher soll das Schulsystem liberalisieren, den Eltern eine Vielzahl von Wahlmöglichkeiten geben und dann wird sich die Gesamtschule oder die Summerhill Schule oder die irgendwas schon durchsetzen- kraft Qualität. Oder wollen da ein paar utopistisch angehauchte Eliten die Mehrheit zwangsbeglücken? Im übrigen auch nicht besonders politisch gscheit von der Faymann Partie oder wie Otto Bauer sagte: man muss mit den Massen irren!

Vögelchen
00

nur Unsinn - keine Ahnung von einem modernen Bildungskonzept

X Y
14
27.6.2010, 18:16
Die eierlegende Wollmilchsau

ist noch nicht erfunden worden. Ihre "Vielzahl von Wahlmöglichkeiten" fällt da aber wohl darunter. Es gibt ja schon Wahlmöglichkeiten. Nur halt nicht so, wie Sie sich das vorstellen: Die der sozialen Trennung fällt weg - viel Pech auch.
Sie sind genauso einer, den die Fr. Nöstlinger kritisiert - unbelehrbar, weil nur am eigenen Vorteil interessiert, wenn nötig, halt zum Nachteil der Allgemeinheit.
Privatschulen gibt´s ja eh. Wenn Sie die Knete haben, stecken Sie ihre Kinder halt dort rein. Die Aufgabe des Staates ist es aber, die bestmögliche Schulbildung für alle zu ermöglichen. Und das funktioniert aus bekannten Gründen nicht beim alt- und nichtbewährten System.

Vögelchen
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Es tut so gut endlich ein vernünftiges und informiertes posting zu lesen.

KingKong Number 1
 
00
28.6.2010, 07:54
Das Modell neuer Mensch

Wurde zwar seit 100 Jahren gesucht, aber noch nie gefunden, daher - Huch - ist wohl jeder primaer an seiner Brut interessiert! Und warum ich steuerzahler nochmal Schulgeld bezahlen soll, entzieht sich
meiner kenntnis!

(13-1)te fee
01
27.6.2010, 17:03
Bildung ist eine Dienstleistung

Die Eltern wollen namens ihrer Kinder, dass die Dienstleistung Bildung für ihre Kinder möglichst effizient erfolgt.
Im Wege der Steuern haben sie dafür im vorhinein bezahlt.
Natürlich möchten die Bezahler möglichst viel Dienstleistung für ihr Geld, schon allein, weil die Kinder irgendwann ihr Leben bewältigen müssen mit dem Wissen, das sie in der Schule erwerben.

Wie kann man den Eltern vorwerfen, das sich Qualität einfordern?

nina yankow
00

"qualität" hängt nicht davon ab, ob die kids in gesamtschulen gehen oder nicht.

im gesamtschul-finnland ist nicht nur der durchschnitt, sondern auch die leistung der besten besser als bei uns!!

karinb5
 
01
27.6.2010, 17:02
wie die schule heisst..

ist mir gleich.. aber ich teile ihre ansichten voll und ganz und denke, dass es auch a. salcher unterschreiben würde.. was mir noch ein wichtiger ansatz ist: "verhaltensoriginelle schüler brauchen verhaltensoriginelle lehrer".. damit die "auffälligen" nicht gleich in der sonderschule landen.. schule muss die kinder <er-mutigen> und <stärken> - dzt. liegt aber der focus ganz auf fehlersuche und schwächen..
eines der teuersten schulsysteme und derart in-effizient = untrag-bar!!!

Carlo Soziale
11
27.6.2010, 16:19
Die Hauptschule, in der ich nach der zweiten Klasse ausgeschult wurde,

lag zwei Straßen vom nächsten Gynasium entfernt. Wenn wir in entsprechender Stimmung waren, was gelegentlich vorkam, passten wir die Muttersöhnchen am Schulweg ab, verprügelten sie, drohten mit noch mehr Prügel, wenn sie uns das Taschengeld nicht herausgeben. Den Mädchen stellten wir Gewalt anderer Natur in Aussicht.

Um gleichgesinnten Nachfolgern diese außerschulischen Aktivitäten zu erleichtern, bin ich für die Gesamtschule. Am besten ganztags, damit sich die Streber von Typen wie mir nicht so leicht erholen können.

Hubert Ungeist
 
00
27.6.2010, 17:57
War wohl ironische gemeint

könnte aber durchaus so kommen. Allerdings gibts dann bald einen wirklich rechtsruck in der Gesellschaft mit "No Mercy"

nina yankow
01

völliger blödsinn.
im gegensatz zur jetzigen trennung mit 10 jahren ind in gesamtschulen freundschaften auch unter kindern mit sehr unterschiedlichem sozialem background möglich.
jugendliche lernen voneinander, und gelangweilte prolos lernen sinnvolles soziales verhalten viel eher von "besser erzogenen" mitschülern als von einem lehrer, der mit dem erhobenen zeigefinger daherkommt.

Ich gebs zu
54
27.6.2010, 14:52
Ja, Frau Nöstlinger, ich wünsche mir für meine Kinder

auch nichts Anderes, als dass sie mithelfen dürfen, Mehmet, Gregor und Nebojsa zu integrieren, die ihnen immer so lieb das Taschengeld wegnehmen oder Kleber in die Haare schmieren.

Ihre Mama ist leider nicht zu sprechen, wenn es einen solchen Vorfall gab. Sonst auch nicht.

Das öffentliche Gymnasium können wir uns leisten. Eine Privatschule wäre schon ein bisserl schwieriger. Aber wir würden das auch auf uns nehmen.

Da die Lehrer an der HS nichts dürfen außer "du, du" sagen, werden Mehmet, Gregor und Nebojsa weiterhin ihre Mitschüler/innen quälen.

Meinen Kindern kann ich das ersparen -- noch.

P. S.: So lange Ihre Gesinnungsfreunde ihre Kinder ins Lycee oder zu den Ursulinen stecken, pfeife ich auf "Inklusion".

nina yankow
01

ich war jetzt zwei semester lang wöchentlich in vier verschiedenen wiener hauptschulklassen. in KEINER dieser klassen sind die migrantenkinder die gewalttätigen problemfälle (aggressivität gab es nur von seiten vernachlässigter kinder österreichischer alkoholiker)

die konflikte mit jungen migranten kommen fast immer erst später, wenn sie allein wegen der sprache und herkunft nichtmal den HS-abschluss schaffen oder nach einem anstrengenden und sinnlosen jahr im poly monatelang keinen job finden.

Gegenflieger
11
27.6.2010, 15:42

Ja klar , alle Mehmets Nebojsas und Gregors sind nur darauf aus andere Kinder fertig zu machen.

Ihr Sohn würde auch fertig gemacht werden wenn es die nicht gebe.Dann eben von jemand anderen.
Das ist Schule , und ein versagen der Lehrer.

Ich gebs zu
32
27.6.2010, 15:49
Unterstellen Sie mir keine Verallgemeinerungen.

Nur weil Sie etwas nicht verstehen wollen, ist es noch lange nicht falsch.

Einbrüche sind nur das Versagen der Polizei.

Vögelchen
00

Einbrechen tun nur die anderen. Im Pennymarkt (Wien 21) wurde heute eine "Dame"erwischt, die ihr einkaufswagerl so präpariert hatte, dass sie Fleisch unter dem Boden kostenlos nach Hause bringen konnte. Sie war eine Urösterreicherin. Sie haben aber sicher die ganze besondere Information aus der Krone. Schuld sind immer die anderen

Ich gebs zu
32
27.6.2010, 15:17
Die Unterstellung, hier ginge es einer Elite um Erhalt ihrer Vormachtstellung, ist abstrus. Gymnasien werden von Kindern aus allen Bevölkerungsschichten besucht, deren Eltern vermutlich nur eines gemeinsam haben:

Sie möchten, dass ihre Kinder in der Schule lernen können.

Fachschulen, PTS und viele städtische AHS-Unterstufen oder Hauptschulen sind für halbwegs bildungsinteressierte und leistungsfähige Kinder und Jugendliche die Hölle.

Wenn wir ehrlich bleiben, sehen wir auch, dass die NMS mitnichten eine Gesamtschule ist: Bessere Arbeitsbedingungen, ausgesuchte Kinder und schönere Arbeitsräume suggerieren eine "gemeinsame" Schule, deren geplanter Erfolg nichts ist als ein Publicity-Gag.

Letztlich geht es ja um nicht viel mehr als Einsparungspotential. Natürlich kosten Bachelor weniger als Master und sind Stütz- und Begleitlehrer schneller gestrichen als ganze Klassenteilungen.


Vögelchen
00
Unsinn

Die meisten Eltern haben Angst, dass ihr Kind neben einem Kind aus einer niedrigeren sozialen Schicht oder gar einem Migrantenkind sitzen würde. Da nehmen sie lieber viele teure Nachhilfestunden in Kauf. Zu diesen Nachhilfestunden kommt es nur deshalb, weil die Kinder in der AHS überfordert sind. Jedes Kind sollte, daß Recht auf eine Bildung und Erziehung seinen/ihrer Fähigkeiten und Neigungen entsprechend haben. Zurzeit haben wir die schlechteste Form der Gesmatschule aus den 70iger Jahren - unsere AHS - und daneben haben wir eine Restschule, die HS. Dies wissen die Experten schon
seit mehr als 30 Jahren, aber die Ängste der bürgerlichen Schicht sind so groß, daß sie diese Extrakosten in Kauf nehmen.

Ich gebs zu
20
27.6.2010, 15:36
Was das liebevolle Bild vom "Tiefschlaf" betrifft,

muss ich Ihre Ruhe leider stören: Wache Beobachter/innen sahen sehr wohl, wie die IGS der Siebzigerjahre kläglich am Budget scheiterte. Sobald die Vergünstigungen dahin waren, fiel das Engagement der Lehrkräfte auf ein Niveau, das einfach nicht ausreichte, die wachsenden Anforderungen zu kompensieren. Die IGS war alles Andere als ein Erfolgsmodell.

Mit ihrer Wiederbelebung (und der Reaktivierung der Ideologie als schulpolitischer Impulsgeberin) hat BM Schmied zwar die mediale Öffentlichkeit für sich eingenommen, doch letztlich ist nicht erkennbar, worin die angeblichen großen Veränderungen denn eigentlich bestünden -- es sei denn, man sieht Eigenwerbung und das Schaffen von Stabstellen als Kernaufgaben der Bildungsministerin an.

Vögelchen
00

Auch bei ihnen kann man die Angst "Der Gleichmache" erkennen. Die gemeinsame Schule der 10 - 14 jährigen hat nur sehr wenig mit dem Schulversuch 'Gesamtschule der 70iger Jahre" zu tun. Die Entscheidung mit 10 Jahren ist einfach zu früh, erst mit dem 11 Lebensjahr kann man erkennen welche Fähigkeiten/Neigungen jedes einzelne Kind hat. IN einer gemeinsamen Schule soll den Kindern die Zeit und die Möglichkeit geboten werden, vor allem mit der richtigen Förderungen für alle. So haben alle Kinder die Möglichkeit ohne Druck die für sie passende Bildung zu erhalten. Ihr Neigungen können gefördert werden und ihre Schwächen unterstützt werden. Mit 14 Jahren ist es dann viel leichter den weiteren, richtigen Bildungsweg einzuschlagen. Forts.

Ich gebs zu
00
27.6.2010, 20:41
Dass die Sozialdemokraten seit Otto Glöckel keine

neuen Ideen mehr hatten, sollte man ebenfalls nicht außer Acht lassen.

Vögelchen
00
Forts.

Vieles haben wir schon in unserer Umwelt zerstört. Es wird Zeit, daß wir mehr in die Bildung unserer Kinder investieren und nicht im parteipolitischen Hickack jeden Fortschritt zu verhindern.

Vögelchen
00
keine Gleichmache

Es ist nicht jedes Kind für die akademische Laufbahn geschaffen. AHS vermittelt, das Wissen, daß gebraucht wird um ein Uni-Studium anzustreben.
Ein Land wie Österreich kann es sich doch nicht leisten, so viel Potential an wissenshungrigen Kindern zu vernachlässigen. Hier liegt auch die große Chance für unser Land. Jugendliche, die adequate Bildung erhalten haben, können auch eine Chance für ihre Zukunft erkennen und werden kaum zu gelangweilten Jung-Kriminellen werden. Wir sind nach so vielen Jahren endlich gefordert unseren Kindern die Chancen zu bieten, die sie sich verdient haben u.zw. allen Kindern. Sie sind unsere Zukunft, Die Welt haben wir von unseren Kindern geliehen . Vieles haben wir schon in unserer Umwelt zerstört. Forts.

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