Die Vuvuzela-Blase

25. Juni 2010, 18:53
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Millionen leichtgläubiger Menschen tauschten sie gegen Grundstücke an Seeufern und Eigentumsvillen in Stadtzentren

Na bravo, jetzt haben wir auch noch eine Welt-Vuvuzela-Krise. Und die kam so: Irgend so ein unverbesserlicher Spekulant, ein ausgewiesener Naturdepp, hat vor der WM sein ganzes Vermögen in nordkoreanische, italienische und französische Vuvuzelas gesteckt. Allerdings hatte er gar kein Vermögen, er hat nur so getan, als ob er eines hätte.

Die Banken wussten das natürlich, sie haben das undurchsichtige Spiel brav mitgemacht, gaben ihm und sich gegenseitig Vuvuzela-Kredite. Eine Zeitlang ist das ja gutgegangen. Die Aktienkurse der nordkoreanischen, italienischen und französischen Vuvuzelas stiegen ins Jenseitige. Millionen leichtgläubiger Menschen tauschten sie gegen Grundstücke an Seeufern und Eigentumsvillen in Stadtzentren ein, die Börsen schlossen mit Rekordgewinnen. Da hat sich der eine und auch der andere Pülcher tatsächlich gesundgestoßen.

Und jetzt stellen sie sich alle blöd. Der Markt ist nämlich total eingebrochen, die Vuvuzela-Blase geplatzt. Der Naturdepp behauptet nun, er habe ja nicht wissen können, dass kein einziger nordkoreanischer Schlachtenbummler nach Südafrika kommt. Er hätte nur den großen Führer fragen müssen. Das Scheitern von Vizeweltmeister Frankreich und Weltmeister Italien in der Gruppenphase sei auch nicht zu erwarten gewesen.

Es war zu erwarten. Frankreich hat in der Qualifikation gegen Österreich 1:3 verloren. Und der Italiener Gennaro Gattuso trägt einen Schwimmreifen um die Hüften statt Verantwortung auf dem Spielfeld.

Jedenfalls ist die Welt jetzt übersät mit sinnlosen Vuvuzelas, die Nachfrage lacht das Angebot aus. Sinnvolle Vuvuzelas, wie argentinische, werden mit ins Verderben gerissen. Man bekommt sie nur, wenn man drei nordkoreanische, vier französische und fünf italienische dazunimmt. Da pfeift man auf die eine argentinische. Und hofft auf Staatshilfe. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 26.6. 2010)

 

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