STANDARD-Interview

"Manche bleiben zurück, manche langweilen sich"

Petra Stuiber, 25. Juni 2010, 18:51
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    foto: hopi-media

    Bengt Landfeldt (59) arbeitet für das Internationale Programmbüro für Erziehung und Training in Stockholm, davor leitete er die Schwedische National-Agentur für Schulverbesserung, die 2008 von der konservativen Regierung im Oktober 2008 geschlossen wurde.

Bildungsexperte Landfeldt über Mathematik-Muffel, das schwedische Schulsystem und späte Notengebung

Die Kritik des Bildungsexperten Bengt Landfeldt am schwedischen Schulsystem klingt seltsam vertraut: zu wenige zu schlecht ausgebildete Lehrer, zu große Klassen, Segregation, lernfaule Buben. Petra Stuiber sprach mit ihm.

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Standard: Schweden und Finnland haben sehr ähnliche Schulsysteme, dennoch funktioniert das finnische offenbar besser. Schweden hat einen hohen Anteil an Schülern ohne Abschluss, schwedische Schüler haben Wissenslücken bei Naturwissenschaften. Woran liegt das?

Landfeldt: Es gibt mehrere Gründe. Einer ist, dass finnische Lehrer einen viel höheren Status haben als schwedische. Während es in Finnland große Konkurrenz unter den Studierenden gibt, überhaupt zur Lehramtsausbildung zugelassen zu werden, ist es hier genau umgekehrt. Wir haben nicht genug Studenten, die Lehrer werden wollen. Ein zweiter Grund ist wohl, dass Migration in Finnland ein junges Phänomen ist, während wir hier immer einen relativ hohen Anteil an Migrationsbevölkerung hatten, der uns vor andere Herausforderungen stellte.

Standard: Inwiefern?

Landfeldt: Ein Problem ist die Wohn-Segregation. Migranten leben zumeist in sehr abgeschlossenen Wohngebieten und sehen kaum Schweden - weil Schweden wegziehen, wenn ein Stadtteil zum "Migrantenviertel" wird. Es gibt nicht zu viele Migranten, es gibt zu wenige Schweden in bestimmten Gegenden.

Standard: Warum sind schwedische Schüler Mathematik-Muffel?

Landfeldt (lacht): Weil wir sie nicht so drillen wie die Finnen. Im Ernst: Bei uns legen die Schulbehörden viel Wert auf Diskurs, wir sind sehr interessiert an der Mobilität unserer Schüler, unterstützen Auslandsaufenthalte. Die meisten Schulen, leider nicht alle, ziehen da mit uns an einem Strang. Über schwedische Schüler wird in ganz Europa gesagt, sie wirkten sehr erwachsen, vertreten ihre Meinung und hätten keine Angst vor dem Chef. Dafür sind sie nicht so gut in Mathematik.

Standard: Was macht man da?

Landfeldt: Was man immer macht: Geld in die Hand nehmen. Die Regierung hat bereits einige Projekte gestartet, vor allem in Vorschulen, um das Verständnis für Zahlen bereits in jungen Jahren zu fördern. Ich persönlich meine, man sollte die Sache cooler nehmen, die Resultate der schwedischen Schüler sind nicht so schlecht.

Standard: In Österreich ist Mathematik oft ein Gender-Problem: Mädchen sind besser in Sprachen, Buben besser in den Naturwissenschaften. Wie ist das in Schweden?

Landfeldt: In Schweden sind Mädchen in allem besser. Buben sind weniger an der Schule interessiert - das ist ein Problem, weil sich die Unterschiede zwischen Mädchen und Buben in den letzten Jahren deutlich vergrößert haben. Es gibt zu wenige männliche Lehrer. Die "unabhängigen" Schulen nehmen oft nur Schüler mit guten Noten. Das sind zumeist Mädchen, auch jene mit Migrationshintergrund. Dadurch gibt es "gute" Schulen, die fast nur von Mädchen besucht werden - und "Bubenschulen", die keinen so guten Ruf haben. Das führt zu Segregation.

Standard: Was würden Sie am schwedischen System verbessern?

Landfeldt: Jeder Schüler ist eine eigenständige Persönlichkeit. Also müssen wir uns bemühen, das Schulsystem so individuell wie möglich zu gestalten. Das ist aber schwierig, weil wir große Klassen haben, in denen oft nur ein Lehrer steht. Jeder sollte in seiner eigenen Geschwindigkeit lernen dürfen. Die Realität ist: Wir haben eine durchschnittliche Lerngeschwindigkeit vorgegeben, manche bleiben zurück, und manche langweilen sich. Wir brauchen mehr und besser ausgebildete Lehrer. Und kleinere Gruppen, vor allem in den Vorschulen.

Standard: Schüler werden erst spät benotet - ist das ein Problem?

Landfeldt: Allerdings. Es sollte Noten geben, und es sollte sie früher geben. Das wird durch das neue Gesetz geändert, und das ist gut so. (Stuiber/DER STANDARD Printausgabe, 26.6.2010)

f.j.neffe
 
00
Trommler auf der Galeere

"Wir haben eine durchschnittliche Lerngeschwindigkeit vorgegeben" das bedeutet: Da trommelt jemand den Rhythmus auf der Galere. Welch barbarisches Lern- und Lebensverständnis!
Die neue Ich-kann-Schule nimmt LEHREN + LERNEN wörtlich: Fährten des Lebens verfolgen, Erfahrungen sammeln. Der Lehrer geht voran und bahnt ggf. den - originalen - Weg. Also nicht Unterrichtsvollzug jeden tag auf demselben Trampelpfad, den keiner mehr sehen mag, sondern originale Wege suchen und finden. Wenn wir den Weg gemeinsam gehen, geht es um alles und jeden, da ist nichts langweiklig und da sind alle dabei. Ich grüße freundlich nach Schweden.
Franz Josef Neffe

A. Sieberer
00
29.6.2010, 08:09

In Finnland gibt es Drill?
Das werden die Bildungsbespaßexperten in Österreich aber nicht gerne hören....

Migration macht auch einen Unterschied, sehr interessant.

Und weibliche Lehrer sprechen typisch weibliches Lernverhalten an? Ach so, da muss man erst mal draufkommen....;-)

Schurli Schorsch
 
00
28.6.2010, 17:10

komisch. ausländer stören, buben sind schlechter, keine noten sind schlechter.
haben wir heute gegenteiltag???
aso, nein hier hat nur einmal ein nicht ideologisch verblendeter mensch aus dem ach so hoch gelobten skandinavien gesagt was sache ist. aber hier in österreich wird er ungehört bleiben, passt ja nicht in das hier vorherrschende weltbild unserer bildungspolitiker...

Penelope Ody
00
27.6.2010, 21:23
Na bitte,

da könnten die drei recherchefaulen (oder zur Gesamtschulpropaganda vergatterten) Profil-Schreiberinnen, die die ach-so ungerechte Notengebung in Österreich bejammern, ja auch etwas Neues zu lernen. (beziehe mich auf den jämmerlichen Profil-Leitartikel)

LL MM
00
29.6.2010, 19:39

Dafür gibt es dann wieder einen Preis von Schmied.

Tina Göbel vom profil hat ja auch einen bekommen. Für eine reißerische und sich fernab von jeglicher Qualität befindende Titelgeschichte zu Schulanfang.

Solche Ungeheuerlichkeiten scheinen aber in Österreich kaum jemanden zu stören.

Man stelle sich vor, Grasser hätte ihm genehme Journalisten mit einem Preis belohnt. Der Aufschrei hätte hier jegliches Vuvuzela-Getröte bei der WM locker übertönt.

fuchstritt
03
26.6.2010, 11:56

die finnen haben im vergleich zu schweden od überhaupt zu anderen europäischen ländern sehr wenige einwanderer.wenn dann noch dazu ein seit jahrzehnten erstkalssiges schulsystem inklusive motivierter, intelligenter,ausgebildeter lehrpersonen kommt hat man diesbezüglich einfach weniger probleme. ganz nüchtern betrachtet.

sam duke
70
25.6.2010, 20:01
und der typ

ist der größte langweiler. kurz vor der pense noch eine dummheit von sich geben, das können dies a......geigen.

Meslier
01
25.6.2010, 21:02
Gibts auch Argumente von Ihnen

oder stört Sie nur der sachliche Ton? Lesen Sie öfters die sueddeutsche die ist bekannt für PC - allerdings bei drastischem Leserschwund.

sam duke
31
25.6.2010, 21:35
argumente bei den heutigen bildungsexperten

sind zeitverschwendung. die verstehen nicht einmal ihre eigene sprache. ich bin schon geneigt die sprache der jugend, die fäkalsprache zu verwenden. aber das ist dann doch zu tief.

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