Schock für Hartberg: 300 Näherinnen ohne Job

25. Juni 2010, 18:50
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Der Dessousmarkt leidet unter schwacher Konsumlust und Überkapazitäten - Der Wäschekonzern Triumph schließt ein steirisches Werk - Die Gewerkschaft will Förderungen - Neue Arbeitsplätze für die betroffenen Frauen fehlen

Wien - Axel Dreher trat Freitag in der Früh vor die MitarbeiterInnen seiner Hartberger Wäschefertigung. 300 Frauen nähen hier Slips für Marken wie Sloggi zusammen. Ab Oktober ist damit Schluss. Der Konzernchef von Triumph Österreich teilte ihnen mit, dass das Werk im Oktober geschlossen würde. Einzelne erlitten Nervenzusammenbrüche, erzählen GewerkschafterInnen.

Es sei bitter, sagt Dreher. Neben der Steiermark habe Triumph vor kurzem fünf Standorte jahrzehntelanger Partnerbetriebe in Ungarn aufgeben müssen. In Thailand und auf den Philippinen verloren im Vorjahr 3600 Näherinnen ihre Arbeit. "Aber wir leiden weltweit unter Überkapazität, der Absatz zeigt stetig nach unten. Triumph lagere nichts aus der Steiermark nach Asien aus, und es gehe nicht um maximale Gewinne, man müsse wettbewerbsfähig bleiben.

"Tiefschlag für Gemeinde und Frauen"

"Es ist ein Tiefschlag für die Gemeinde und eine Katastrophe für die betroffenen Frauen", sagt Hartbergs Bürgermeister Karl Pack. Es seien unter ihnen viele Junge mit Kindern, die sich erst die Existenz aufbauten. Der Vorstand habe ihm noch vor eineinhalb Jahren zugesichert, die Produktion zu halten. An die Krise als Grund der Schließung will er nicht glauben: Da nutze halt ein Konzern die Gunst der Stunde für Strukturbereinigung.

"Es ist arbeitsmarktpolitisch für die strukturschwache Region ein Hammer", sagt Herbert Paierl, Leiter des AMS Hartberg. Neue Stellen seien rar, mehr als 600 Frauen seien schon im Mai auf der Suche gewesen. Triumph ist in Hartberg nach dem Krankenhaus der größte Arbeitgeber. Die meisten Männer pendeln nach Graz und Wien.

"Geld für Härtefälle"

Triumph sperre zu - ohne jede Vorwarnung und ohne Alternativen anzudenken, klagt Karl Haas, Vizebundeschef der Produktionsgewerkschaft. Er pocht auf Förderungen von Bund und Land, um den Standort doch noch zu retten.

Es sei nicht sinnvoll, eine Produktion mit öffentlichem Geld zu halten, die auf Dauer nicht zu halten sei, sagt Dreher. Triumph verspricht Geld für Härtefälle und einen Sozialplan. Eine Arbeitsstiftung werde überlegt. Der Schweizer Konzern fertigt seit 60 Jahren in Österreich. Gut 1800 Mitarbeiter setzen rund 300 Mio. Euro um. Sie erzielten auch 2009 Gewinne. (Verena Kainrath, Der Standard, Printausgabe 26./27.06.2010)

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