Die Straßen von Koprivnica haben Schlaglöcher, groß wie Melonen, die
Häuser sind grau und heruntergekommen, in der Luft liegt ein Schleier
von Melancholie. Von der einstigen Pracht der 30.000-Einwohner-Stadt im
Norden Kroatiens, keine zehn Kilometer von der ungarischen Grenze
entfernt, ist bis auf den herausgeputzten Hauptplatz mit seinen hübschen
Blumenbeeten und Straßencafés wenig geblieben. Die Staatskasse macht um
diesen Teil des Landes einen großen Bogen. Lieber investiert man in
Gegenden, aus denen man sich große Gewinne aus der Tourismusbranche
zurückerhofft: in die Küstenregion und in die Inseln.
"Oprostite! Wo finde ich die Gimnazija Fran Galović?" Den
futuristischen Schulbau kennt hier jeder. "Gradaus und vorne links" ,
sagt ein Mann am Straßenrand, "ist nicht zu verfehlen, schaut aus wie
ein Ufo." Das zeitgenössische Gymnasium des Zagreber Jungbüros Studio
Up, fertiggestellt 2007, geisterte durch sämtliche internationale
Gazetten und bescherte seinen Planern auf diese Weise Lob und
Anerkennung. Für Studio Up war das die Abschussrampe in den
architektonischen Olymp.