"Maple Leaf"

Das Gold des Bankrotteurs unterm Hammer

25. Juni 2010 18:12
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    Foto: apa/techt

    Drei Männer schleppen die hundert Kilo Gold in den Dorotheum-Tresor. Die Münze geht bald zum neuen Eigentümer in Spanien.

Die weltgrößte Münze bekam am Freitag im Wiener Dorotheum für 3,27 Millionen Euro einen neuen Besitzer

Die weltgrößte Münze bekam am Freitagnachmittag im Wiener Dorotheum einen neuen Besitzer. Der Vorbesitzer, Wolfgang Auer-Welsbach, musste die Auktion von der Justizanstalt Klagenfurt aus beobachten.

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Wien - Nach fünf Minuten war die Auktion auch schon wieder zu Ende. Dorotheum-Auktionator Christian Kaufmann schlug mit der Hand auf die Auktionsklingel: "3.270.000 Euro zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten." Ein bisschen enttäuscht sagte danach der Münzexperte des Dorotheum, Michael Becker: "Auf mehr als den Rufpreis hatten wir doch gehofft."

Die größte Goldmünze der Welt, ein Trumm von hundert Kilo, wurde von Oro Direct erworben, dem größten spanischen Edelmetall-Handelshaus. Sieben Unternehmen bzw. Personen hatten beim Wiener Dorotheum Interesse an der Versteigerung der Münze angemeldet und vorher die entsprechenden Bankgarantien beigebracht. Doch dann wurde Freitagnachmittag erst gar nicht gesteigert. So ging die Münze "Maple Leaf" mit dem Nennwert von einer Million (kanadische) Dollar zum Ausrufungspreis weg, der zuvor mit Hilfe des Goldpreises in London, 12 Uhr Mittag, errechnet worden war.

Dünne Luft

"Der Goldpreis ist halt sehr hoch derzeit", erklärte Becker. Im Vorfeld der Auktion war unter Münzliebhabern viel darüber spekuliert worden, wie hoch der numismatische Wert einer Goldmünze mit dem Durchmesser von etwa einem halben Meter überhaupt sein kann. Die Luft ist schon recht dünn, wenn es darum geht, jemanden zu finden, der hundert Kilo Gold erwirbt. Und jetzt weiß man auch, dass Sammlerleidenschaft bei dem derzeit hohen Goldpreis enge Grenzen hat.

Das Interesse an der Auktion war jedenfalls hoch. Im vollen Auktionssaal im 2. Stock des Dorotheums saßen viele Kiebitze, ein paar italienische Touristen sowie der kanadische Botschafter und der Handelsdelegierte. Die potenziellen Bieter selbst waren nicht anwesend. Mitarbeiter des Dorotheum hielten mit den Interessenten telefonischen Kontakt; die spanische Oro Direct hatte gleich im Voraus ein schriftliches Angebot gelegt.

Der Vorbesitzer, der Kärntner Wolfgang Auer-Welsbach, verfolgte die Kurz-Auktion wohl von der Klagenfurter U-Haft aus, wo er derzeit einsitzt. Er hat zwar nichts von dem Erlös, aber die mutmaßlich geschädigten Inhaber der AvW-Genussscheine, rund 12.500 Personen. Der Vorwurf an Auer-Welsbach lautet, dass er mit seiner Finanzierungsgesellschaft ein betrügerisches Perpetuum mobile aufgebaut und mit 291 Millionen Euro die größte heimische Pleite des heurigen Jahres hingelegt hat.

Höchstmögliche Reinheit

Zumindest mit dem Kauf der Münze bewies Auer-Welsbach bemerkenswerte Weitsicht. Er kaufte die Münze im Jahr 2008 und dürfte damals rund 1,5 Millionen Euro gezahlt haben - in etwa der damalige Goldpreis. Anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens hatte die Royal Canadian Mint 2007 fünf 100 Kilo schwere Maple Leafs gefertigt, die in Kanada auch als Zahlungsmittel durchgehen. Viel Ehrgeiz legten die Kanadier darin, mit 99,999 Tausendstel Feingold höchstmögliche metallische Reinheit zu erreichen. Mit dem Effekt, dass die Münzen ausgesprochen weich sind. Man könnte sie mit dem Fingernagel verkratzen.

Eine Maple Leaf erwarb die britische Königin Elisabeth II., schließlich prangt ihr Konterfei auf der Münze. Zwei Stück wanderten in den arabischen Raum; eine Münze wurde von einem deutschen Unternehmen erworben. Auer-Welsbachs Exemplar wanderte als ständige Leihgabe an das Kunsthistorische Museum in Wien und konnte im dortigen Münzkabinett besichtigt werden, bis es dann im Dorotheum seine letzte österreichische Station machte.

Immer schon hatte die Herstellung von großen Münzen einen sportlichen Charakter. Die 1-Million-Dollar-Scheiben der kanadischen Münzanstalt schafften es auf Anhieb ins Guinness Buch der Rekorde - und kickten damit eine österreichische Münze aus dem Buch. Im Jahr 2004, anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Philharmoniker-Münze, hatte die Münze Österreich 15 Stück Philharmoniker aufgelegt, die jeweils ein Gewicht von 31,1 Kilogramm (das entspricht 1000 Unzen Gold) auf die Waage brachten. Auch dafür fanden sich Liebhaber der Numismatik mit genügend Kleingeld.

Gleich nach Auktionsende wurde das Riesenstück Edelmetall aus der Schauvitrine im Dorotheum genommen, in eine Box gepackt und im hauseigenen Tresor verstaut. Die Box wird bald den Weg nach Valencia antreten, wo die Zentrale von Oro Direct ist. Die Münze wird die numismatische Sammlung der Firma aufpeppen, sagt Oro-Direct-Sprecherin Marta Domindi. Warum sie gekauft haben? "Wir glauben an weitere Wertsteigerungen bei Gold." (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.6.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 43
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Großer Böser
 
27.06.2010 20:16
Hoffentlich schmelzen sie dieses hässliche Ding ein.

debian1
26.06.2010 18:15

Sehr schön! Jetzt noch alle Villen und Autos versteigern, damit die mutmaßlich Betrogenen (ich schätze mal es gilt die Unschuldsvermutung) einen Teil ihrer Kohle wieder kriegen!

Inländer Feind
26.06.2010 14:56
Pervertierter 1. Welt-Schnickschnack

Wie viele Hungernden könnte man damit helfen oder ein Krankenhaus, Schulen o.Ä. in Afrika bauen?

anonym4
27.06.2010 10:56
Gold

von Gold werden die auch nicht satt.

Toni Blaher
 
26.06.2010 23:22

Na dann überweisen Sie mal ihre Kohle dort hin.

johnnycash
 
26.06.2010 18:19

Und wieviele Hungernde in Afrika könnten Sie ernähren, wenn Sie ihren Internet-Anschluss kündigten und das Geld spendeten?

THE MGT.
27.06.2010 06:52
Internetanschluss irgendeines x-beliebigen Anbieters mit Durchschnittspreis: 20 € im Monat. Protzer-Münze: 3.270.000 €

Schon klar, dass diese "Münze" auch eine Art ist sein Geld anzulegen - deshalb hat ja auch niemand mehr als den Goldwert bezahlt.

Auf der Symbolebene hat der Benutzer mit dem, sorry, eher dämlichen Namen "Inländer Feind" aber schon recht. Das Ding ist ein typischer Gegenstand, mit dem z.B. Typen wie Auer-Welsbach ihren - es gilt die Unschuldsvermutung - mutmaßlich ergaunerten Reichtum zur Schau stellen. Es ist ein Schaustück für die ungleiche Verteilung des Wohlstands auf der Welt u. ist eben fassbarer als die Milliardenvermögen anderer (Gauner), die man wg. der Mauern um ihre Villen u. mangels Zugangs zu ihren Yacht- u. Privatflughäfen nicht sieht.

(°)(°)
26.06.2010 16:07
Nene!

Besser bei uns die Pensionen erhöhen!

Und die Grundsicherung einführen!

Und akademische Grade ohne Prüfungen für alle!

Und Freibier!

Warentester
27.06.2010 01:46

"Und akademische Grade ohne Prüfungen für alle!"

Ja, weil bisher gab's die leider nur für Politiker und einige politiknahe Beamte und politiknahe Wirtschaftsbonzen...

Ody Fry
26.06.2010 14:36

hmm,.... ich hätt 200 Milliarden dafür geboten. In einem handlichen Schein aus 1910

Raphael Hythlodeus
26.06.2010 11:38
ok, zum pfitschigogerln ist sie etwas zu groß...

Cuchullain
27.06.2010 11:43
deshalb auch ...

... das geringe Gebot.

Much
26.06.2010 17:13

:D

Dirty_Harry
26.06.2010 09:30

D.h. es wurden 100 kg Gold zum gegenwärtigen Marktpreis verkauft - sonst nichts.
Das zeigt die Vernunft des "Marktes", numismatisch hat diese "Münze" wenig Bedeutung.

skyrock
26.06.2010 10:45
Angebot und Nachfrage

beide äüßerst klein

Doc Steel
26.06.2010 08:12
zum glück

ist dieses ding sauschwer, sonst wär das sicher schon wo abgekommen...

Mr. Bubbles
25.06.2010 23:29

gibts einen automaten, dass das ding akzeptiert? und wenn ja - was bekommt man dafür?

Orjares
26.06.2010 11:06

6.4 Millionen Spiele an Novomatic-Automaten.

Mirabeau
26.06.2010 03:38

908.333 Schachtel Memphis Classic.

Martin Rosenkranz, airpower.at
26.06.2010 00:19
Wechselgeld

24,5t 1-Euro-Münzen....

hcl
26.06.2010 12:39

Reicht das um einen Geldspeicher zu füllen? Wenn nicht, würde ich mir das in 1 Cent Münzen auszahlen lassen.

Searles
 
26.06.2010 13:37

Also ich hab mal einen dieser Billa-Aepfel-Kuebel zu 2/3 gefuellt, das waren 21 kg Geld. Fuer eine gut gefuellte Badewanne (also 20 Eimer) sollten somit eigentlich ca. 400 kg ausreichen.

©
26.06.2010 14:29

Mir gehts genauso. Die 500er transportier ich am liebsten in den Billa-Apfel-Kuebeln weil sichs dort grad noch ausgeht.

hcl
26.06.2010 13:44

Naja, das heißt etwa 1/3 Liter für 1 kg Geld. Macht bei 24,5 Tonnen etwa 8 m^3. Ist also ein Würfel von 2 m Kantenlänge. Zu wenig für einen Geldspeicher. Für eine Luxusbadewanne reicht's aber.

Wechselländer
26.06.2010 19:51

Luxusbadewanne? Wer braucht das schon! Ich will einen Geldspeicher mit den Maßen 33x33x33 m, um wie ein Seehund hineinzuspringen und mir das Geld auf die (nicht vorhandene) Glatze prasseln zu lassen!

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