Die Lunge auf dem Chip könnte viele Tierversuche ersetzen

26. Juni 2010, 18:52
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    foto: wyss institute/felice frankel

Mini-Labor führt Absorption von Nanopartikeln vor Augen

Cambridge - Ein Mikrochip mit lebenden menschlichen Zellen könnte die Erforschung der Lungenbläschen revolutionieren. Forscher des Wyss Institutes ab der Harvard University haben im "Science"-Magazin ihre Nachahmung einer atmenden Lunge im Miniformat präsentiert, die Labortests zu Umweltgiften, Medikamenten oder Aerosolen erleichtern und billiger machen wird. "Unsere Lunge-auf-dem-Chip zeigt etwa, wie wir Nanopartikel der Luft aufnehmen und wie Krankheitserreger Entzündungen auslösen. Viele Tierversuche können somit erspart bleiben", berichtet Forschungsleiter Donald Ingber.

Bei jedem Atemzug füllen sich in unserer Lunge die mikroskopisch kleinen Lungenbläschen mit Luft und sorgen dafür, dass Sauerstoff über mehrere Membranen an das Blut übermittelt wird. Gleichzeitig erkennen sie jedoch auch Eindringlinge wie Bakterien oder Gifte und aktivieren die Immunabwehr. Diese Funktionen stellten die Forscher nun in Chipversion nach. Zwei Schichten von lebendigem Gewebe - menschliche Epithel- und Endothelzellen - wurden dabei auf eine Silizium-Membran platziert, während ein Kulturmedium die Blutbahn nachahmt.

Funktionsweise

Der Chip ist dank eines neuartigen Gummimaterials biegsam und wird im Betrieb entsprechend der Atembewegung zyklisch mechanisch gedehnt. Ein Luftkanal führt an die Wand der Lungenbläschen und wird so beeinflusst, wie man dies für den Test braucht. So leiteten die Forscher neben weißen Blutkörperchen über den Blutkanal zum Beispiel lebende Escherichia coli-Bakterien über den Luftkanal ein, die von den Lungenzellen rasch entdeckt werden konnten. In Folge wurden über die poröse Membran Blutzellen aktiviert, die eine Immunreaktion hervorriefen und die weißen Blutkörperchen in die Luftkammer schleusten. Diese zerstörten das Bakterium.

Auswirkung von Nanopartikel

Deutlich wurden die Vorteile des Chips bei einem anderen Versuch, bei dem man verschiedene Nanopartikel aus kommerziellen Produkten, aber auch der Luft und dem Wasser einschleuste. Mehrere Arten davon drangen in die Lungenzellen ein und lösten dort eine Überproduktion von freien Radikalen sowie eine Entzündungsreaktion aus. Viele Partikel schafften es, bis in den Blutkanal vorzudringen - wobei die mechanische Bewegung des Chips diese Absorption zusätzlich verbesserte. "Wir haben gelernt, dass die Atembewegung die Absorption der Nanopartikel erhöht und somit ein wichtiger Faktor für die Toxizität dieser Partikel ist", so die Forscher. Das Ergebnis wurde in weiterer Folge von Benjamin Matthews bei Versuchen an Mäusen bestätigt.

Hintergrund

Mini-Labors im Chipformat erhalten in der Forschung immer größere Bedeutung. Das Konzept des "Lab-on-a-Chip" nutzt die Mikrofluidik bereits für die schnellere Untersuchung von chemischen Reaktionen. Doch auch im Bereich der menschlichen Organe ist der Lungenchip nicht der erste seiner Kategorie. Ein Herz in Chipversion gibt es bereits, und derzeit arbeitet man auch eifrig an Chips für Darm, Knochenmark und sogar Krebszellen. (pte/red)

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13 Postings
fuerTiere
00
Forschung ohne Tierversuche !!!

Allein in der Bundesrepublik Deutschland sterben jährlich noch immer mehrere Millionen Tiere im Namen der Wissenschaft. Dass man von den aus Tierversuchen gewonnenen Ergebnissen nicht auf die Wirkung beim Menschen schließen kann, ist inzwischen bekannt.

unknownID01
00
27.6.2010, 14:01
Eine sehr schöne Arbeit

Ich habe mir gerade den Artikel durchgelesen; eine wirklich interessante Arbeit.
Kleiner Fehler im obigen Artikel: Das Material ist nicht Gummi, sondern Polydimethylsiloxan (PDMS), ein Silikon; es ist außerdem seit weit über 5 Jahren bei mikrofluidischen Systemen und auch für Intraokularlinsen im Einsatz, somit nicht neu.

Wirklich interessant ist der Hinweis, daß PDMS chemisch geätzt werden kann. Da werden etliche Forschungsgruppen anfangen damit zu experimentieren.

Der Arbeit is sicher viel Schweiß vorangegangen, bis die Zellen überhaupt angewachsen und stabil gewesen sind, alleine das wird schon viele Monate an Versuchen verschlungen haben.

BürgerAnwalt
24
26.6.2010, 19:07
Wir erleben einen wissenschaftlichen Umbruch sondergleichen!

All diese Dinge wird es in wenigen Jahren Online geben und wie das Lernen im Online - Schulwesen wird auch die Gesundheit mit der Online - Gesundheitserkennung, wesentlich verbessert.

Dagegen wehren sich wie seinerzeit die Leinenweber gegen den Hollerith-Webstuhl, Lehrer und Profiteure des alten Systems.

h 90
01
26.6.2010, 21:21

Die Japaner kopieren nur und werden sich bei Kameras nie durchsetzen.
Computer sind nur Spielerei und nicht relevant fuer Forschung
etc etc etc. Man muss aber sagen, das auch viele Alte den Sinn erkannt haben....

Pi der Grieche
00
27.6.2010, 08:45

Die Alten, die das gesagt haben, waren damals die Jungen.

twertwert
35
26.6.2010, 19:49

Ohne jetzt verstanden zu haben, wovon Sie reden, unterstelle ich Ihnen paranoid-schwachsinniges Posten.

Joe Bazooka
 
00
27.6.2010, 09:19

Ach, schließen Sie doch nicht von sich auf Andere: manchen Menschen (darunter auch aktive Wissenschaftler) entringen innovative Methoden eben kindliche Begeisterung, weil sie die neuen Möglichkeiten an der bisherigen Undenkbarkeit derselben messen!

twertwert
00
27.6.2010, 11:57

Insgesamt jetzt, oder?

Joe Bazooka
 
00
27.6.2010, 15:43

Troll, oder?

twertwert
00
27.6.2010, 15:50

Ach Sie meinten das ernst?

Ich bin ein Freund der Begeisterung, habe BürgerAnwalts Posting jedoch nicht verstanden, es klang jedoch ein wenig paranoid.
Vor allem letzter Satz.

Ich wollte nicht trollen, ich wollte ernsthaft lustig sein.

Joe Bazooka
 
00
27.6.2010, 20:24

Sie sind ernsthaft lustig ;)

Immerhin halten Sie es aber für möglich, dass jemand auch meinen könnte, was er sagt...

Der Horizont
00
27.6.2010, 17:03
Der Text meint, daß veraltetet Technologien gerne von nicht Lernwilligen verhindert werden.

Leinenweber zitterten damals wie Heute Lehrer um den sinnlos gewordenen Job und versuchen das Rad der Zeit anzuhalten.

Sollte das nicht verstanden werden, bemühen Sie sich nicht weiter, denn der Text ist zu hoch für Sie.

twertwert
00
27.6.2010, 23:30

Ich hab's verstanden und kann nun mit gutem Gewissen behaupten, dass es ja doch paranoid war, nur leider nicht schwachsinnig.

Schade, eigentlich. Trotzdem Danke für den guten Zuspruch!

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