Fall Brennan vorerst folgenlos

25. Juni 2010, 17:20
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Polizei sieht kein Problem bei Einsätzen auf der Straße

Wien - Bedingter Vorsatz statt Fahrlässigkeit: Dass die Richterin am Bezirksgericht Josefstadt am Donnerstag den Fall Michael Brennan an das Landesgericht abtrat, da sie der Darstellung des Polizisten offenbar nicht glaubte, ist eine Überraschung. Bei der Polizei will man aber abwarten, ob man über eine Änderung der Einsatztaktik nachdenken soll.

Zur Vorgeschichte: Im Februar 2009 wurde der Sportlehrer Brennan in einer Wiener U-Bahn-Station mit einem Drogendealer verwechselt und von einem 36-jährigen Beamten zu Boden geworfen und dabei schwer verletzt.

Er habe sich als Polizist zu erkennen gegeben, und Brennan habe Anzeichen für eine Flucht geliefert, rechtfertigte sich der Kriminalist von der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS). Das Opfer schilderte den Vorfall komplett anders: Er sei telefonierend aus der U-Bahn ausgestiegen und plötzlich ohne Vorwarnung und ohne den Angreifer zu sehen zu Boden gerissen und verprügelt worden.

Dass in einer Eins-gegen-eins-Situation die Anwendung von Körperkraft eher vorkommen kann und beispielsweise Dreierteams eine effizientere Methode wären, um eine Flucht zu verhindern, sieht man bei der Polizei vorerst nicht. „Es ist derzeit nicht so wie im Fall Cheibani Wague, wo die Ausbildung einfach vom Prinzip her schlecht war. Wir warten zunächst, ob es überhaupt eine Verurteilung gibt, und analysieren dann", sagt Manfred Reinthaler von der Pressestelle.

Die EGS besteht seit knapp sieben Jahren und hat fast 8000 Menschen im Suchtgift-Zusammenhang festgenommen und fast eine Tonne Drogen beschlagnahmt. 88 Beamte arbeiten derzeit dort. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27. Juni 2010)

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