ÖVAG will nicht solo bleiben

25. Juni 2010, 17:08
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Die Volksbanken-Gruppe wird Kosten sparen und weiter Partner suchen

Wien - Bei Aufsichtsbehörde, Notenbank und Partizipationsgeber Bund hält sich die Begeisterung über den Beschluss der ÖVAG-Eigentümer, vorerst ohne Partner weiterzumachen und die Investkredit in die ÖVAG zu fusionieren, sehr in Grenzen. Diese Lösung sei weder "vorweg kommuniziert worden noch wohldurchdacht, sondern eher aus der Eile und Not heraus geboren worden" , heißt es. Und: "Dass es bei dieser Lösung bleiben wird, ist noch lange nicht gesagt."

Hintergrund: Einem Alleingang der Volksbanken wird wenig Erfolg vorausgesagt, Notenbank und FMA hatten auf eine Partnerlösung gepocht. Der Bund wird sich als nächstes die Details der geplanten Fusion erklären lassen. Sollte der Bund zum Schluss gelangen, die ÖVAG ergreife mit all dem "bewusst und aktiv risikoerhöhende Maßnahmen" , würde der Bank gemäß Grundsatzvereinbarungen für die PS-Kapitalaufnahme eine Pönale drohen, die um die zehn Mio. Euro betragen könnte.

Offen für Gespräche mit Käufern

Dass die Fusion mit der Bawag geplatzt ist, liegt, wie berichtet, am Unwillen im dezentral organisierten Genossenschaftssektor unter ÖVAG-Präsident Hans Hofinger, Durchgriff auf die "kleinen" Volksbanken zu gewähren. Auf diesen hatte Bawag-Eigner Cerberus bestanden. Für die Bawag hätte der ÖVAG-Deal möglicherweise Erleichterungen für ihren von der EU vorgegebenen Restrukturierungsplan bedeutet; die (im Gegenzug für die Staatsbeihilfen verlangten) kompensatorischen Maßnahmen wären milder ausgefallen, weil die ÖVAG-Bawag-Fusion von der Kommission als Strukturbereinigung im Bankenmarkt begrüßt worden wäre, so jedenfalls die begründete Hoffnung.

Die gescheiterte Suche nach einem Käufer ist für ÖVAG-Vorstandschef Gerald Wenzel aber nur fürs erste abgehakt. Man sei für Gespräche offen, "wann immer das ist". Zuerst seien Hausaufgaben zu erledigen. Mit der beschlossenen Fusion der Investkredit will die ÖVAG ab 2011 mehr Kosten einsparen, Synergien von jährlich 20 Mio. Euro werden erwartet. Das bedeutet ab 2011 jährliche Einsparungen von insgesamt mindestens 80 Mio. Euro.

Weiterer Stellenabbau

Dem geltenden Sparpaket zufolge hatte der Konzern das Ziel, von 2008 weg pro Jahr 60 Millionen Euro an Kosten zu sparen. Auch weitere Mitarbeiter werden abgebaut. Eine Anzahl wurde aber nicht genannt. Mit dem bisherigen Konzern-Jobabbauprogramm (900 Jobs weniger bis Ende 2010) sei man zu 75 Prozent durch, hieß es am Freitag. (gra, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.6.2010)

 

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