Streit um Aufsichtsräte

Bahn und Asfinag entzweien die Koalition

25. Juni 2010, 17:03

Als Reaktion auf die Bestellung der SP-nahen Verfassungsrichterin Claudia Kahr zur Asfinag-Aufsichtsratschefin hat Markus Beyrer von der IV sein Mandat zurückgelegt

Als Reaktion auf die Bestellung der SP-nahen Verfassungsrichterin Claudia Kahr zur Asfinag-Aufsichtsratschefin hat Markus Beyrer von der Industriellenvereinigung sein Asfinag-Mandat zurückgelegt.

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Wien - Noch am Donnerstagabend hat der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Markus Beyrer, sein Aufsichtsratsmandat bei der Asfinag zurückgelegt. Er reagierte damit auf die Bestellung der SP-nahen Verfassungsrichterin Claudia Kahr an die Spitze des Asfinag-Aufsichtsrates. Beyrer wurde erst vor einem Monat in das Kontrollgremium gewählt. An der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag, in der Kahr installiert wurde, nahm Beyrer nicht teil.

Vorläufiger Höhepunkt

Der Auszug der VP-Leute aus den zum SP-Verkehrsministerium gehörenden ÖBB und der Asfinag ist der vorläufige Höhepunkt eines politischen Schlagabtausches zwischen den Koalitionspartnern. Der Hintergrund ist folgender: VP-Verkehrssprecher Ferry Maier drohte bereits vor Monaten, man werde die beiden VP-nahen ÖBB-Aufsichtsräte Franz Rauch (Fruchtsäfte) und Christian Teufl (Raiffeisen) aus dem Kontrollgremium der Bahn abziehen, weil sich die ÖVP weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat der Bahn durchsetzen könne und immer überstimmt werde. Das entspreche nicht den Tatsachen, wird gekontert, weil alle relevanten strategischen und strukturellen Beschlüsse in den vergangenen drei Jahren von allen Kapitalvertretern einstimmig beschlossen wurden.

Begonnen hat der Krach bereits Mitte des Vorjahres: Der Linzer Rechtsanwalt Eduard Saxinger musste auf VP-Wunsch sein Mandat zurücklegen, um dem früheren VP-Verkehrssprecher Helmut Kukacka Platz zu machen. Doch SP-Verkehrsministerin Doris Bures lehnte Kukacka ab, da sie keinen Politiker im Aufsichtsrat wollte, außerdem stünde Kukacka für die schiefgegangene Bahnreform unter Schwarz-Blau 2003. Nach monatelanger Vakanz - die VP beharrte aus taktischen Gründen auf Kukacka - entsandte Bures den früheren Personenverkehrschef der Schweizer Staatsbahn, Paul Blumenthal, statt Saxinger in den ÖBB-Aufsichtsrat.

Bures gegen Junktimierung

Als Ende Mai die Neuwahl des ÖBB-Kontrollgremiums anstand, entschied die ÖVP, ihre beiden verbleibenden ÖBB-Aufsichtsräte Rauch und Teufl abzuziehen. Man würde beide erst wieder entsenden, wenn Beyrer an die Spitze des Asfinag-Aufsichtsrates gewählt werde. Diese Junktimierung wollte Bures aber nicht zusichern.

Die ÖVP setzte am Freitag ihre Kritik an Kahrs Bestellung fort: VP-Verfassungssprecher Wilhelm Molterer forderte Unvereinbarkeitsregeln für Verfassungsrichter. In Zukunft sollten Verfassungsrichter keine Funktionen in Kapitalgesellschaften ausüben dürfen, sagte Molterer im ORF-Mittagsjournal. Die ÖVP arbeite bereits an einem Gesetzesentwurf.

SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim sieht bei Kahr keine Unvereinbarkeit und verwies darauf, dass der frühere Präsident des Verfassungsgerichtshofs und ÖVP-Mann Korinek viele Jahre im Aufsichtsrat der Erste Bank gesessen sei. Niemand habe sich aufgeregt.
 (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.6.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2
Lord of Dawn
00
27.6.2010, 13:59
Traurig...

In Wahrheit geht es nur um Pfründe und um die Versorgung der eigenen Bonzen... na ja, vielleicht erkennen die Wähler endlich, dass wir alle nur vera****t werden - von allen!

ego n
01
27.6.2010, 12:30
wirtschaftlicher ist es mit sicherheit ohne övp!

Antun Zonger
00
26.6.2010, 23:36

Wo liegt das Problem? Da wird einfach der Posten des Herrn Beyrer auch vom Ministerium aus besetzt und Faymann wird Pröll anlächeln und die gute Zusammenarbeit betonen. Das kann er ja.

Max Kahlenberg
03
26.6.2010, 23:11
Die IV...

Ist das nicht die Truppe, deren Boss, Veit-Sorger, zuerst beim Hypo-Deal schwerstens abgecasht und seinen Parteifreund Pröll uns Steuerzahler für die danach entstandene Milliardenpleite hat bezahlen lassen ?

Max Kahlenberg
02
26.6.2010, 23:03
Wieso dieser Artikel in der Rubrik "Wirtschaft" zu lesen ist, entzieht sich meiner Kenntnis !

Im Ressort "Politik" oder aber in der neu zu gründenden und längst überfälligen Rubrik "Politik- und Wirtschaftskriminalität" MUSS so etwas stehen.

buff flyer
00
26.6.2010, 21:55
offenbar ist der zustand des aufsichtsrates so wie der der buden selber

nämlich: hinich.

das kommt halt davon, wenn politiker werkeln. ein "nona"-effekt.

fs19
00
26.6.2010, 19:02
theater...

wann findet dieses kasperltheater um proporz und postenschacher auf kosten des steuerzahlers endlich ein ende?? wann werden stellen in staatsnahen unternehmen endlich mit qualifizierten personen besetzt?? -> fragen, die ich gerne einmal der dorli oder dem sepp stellen würde
da braucht's glaube ich erst einen staatsbankrott, bis sich in Ö möglicherweise evtl. irgendwas bewegt... wenn überhaupt.

left
00
26.6.2010, 18:19

Nachdem Frau Bures Ihre Jobs bisher auch ausschießlich nur aufgrund Ihres Parteibuches bekommen hat, kennt Sie nun mal nichts anderes.

Comedian
02
26.6.2010, 18:01
Das wusste ich nicht!

Die ÖBB gehört also zum SP-Verkehrsministerium? Aber egal! Ich bedaure zutiefst den Auszug der VP-nahen Aufsichtsräte. denn die haben ja zwischen 2000 und 2008 großartige Arbeit geleistet. Wenn man bedenkt, dass ohne deren segensreiches Wirken vielleicht zusätzlich zu den paar 100 Mio, die die Figuren, die sie zu Vorständen bestellt haben, in den Sand gesetzt haben, noch mehr in den Sand gesetzt worden wäre, dann bricht mir echt das Herz ;)

iohui
00
26.6.2010, 20:20

mir auch.
und das segensreiche wirken der övp fortan entbehren zu müssen raubt mir fast den schlaf.

Alfred M. Koppensteiner
05
26.6.2010, 14:13
Nix gibts für nix!

Erschreckender ist, dass in Österreich offenkundig VfGH-RichterInnen parteibuchgesteuert sind und nach diesen Kriterien bestellt werden. Die Richterin darf sich für das lukrative Zubrot gegenüber der sie entsendenden Partei dankbar zeigen. Mit einer unabhängigen Höchstjustiz hat das nichts mehr auf sich.

Rudolpho der I
00
26.6.2010, 13:55
ÖVP,nein danke,da musst schon ein Schw....sein!

das ist fix
00
26.6.2010, 13:32


Diese Koalition kann nichts entzweien, weil diese Regierung nie eins war - zum Schaden Österreichs.

rudi ratlos3
02
26.6.2010, 10:42
övp

die schwarzen sind das fieseste das es in österreich jemals gegeben hat. wo sie das sagen haben, bestimmen sie alles im alleingang. bei der öbb, die sie seit schwarz blau total umgefärbt haben, und total vermurkst haben, kommen jetzt ein paar rote und schon treten sie zurück. richtig gschert.
jetzt gscheit reden und den roten die schuld geben ist wohl nur ablenkung wie immer bei den schwarzen

das ist fix
00
26.6.2010, 10:13


SP-VP Proporz eben...

X Y
12
26.6.2010, 10:02
Na die Lösung kann ja wohl nur sein, dass

die Politik eben nicht mehr über Personal entscheiden darf. Das sollte von Lehrern über Flughäfen bis zu ÖBB und Asfinag gelten. Der Trick besteht dann darin, Personalbestellungsgremien zu ernennen, die aus nationalen und internationalen (bei Lehrern eher nicht) Experten bestehen, die absolut parteiunabhängig sind. Das heisst dann natürlich auch, dass IV- oder Kammerbosse dort eben nicht vertreten sein dürfen.
Ob das in Österreich überhaupt möglich ist? Na möglich vielleicht schon, halt aber undenkbar.
Das politische Postenbestellen ist wohl immer schon in jeder Regierungsform aufgetreten. In einer Diktatur/Pseudodemokratie erwartet man es sich sowieso, aber für entwickelte Demokratien ist es mM nach weltweit ein riesiges Problem.

iohui
11
26.6.2010, 03:23
die vp entsendet aufsichtsräte und pfeift sie wieder zurück.

das reinste puppentheater.

gehören die öbb und asfinag der övp?

. g.bac
00
26.6.2010, 09:23
nein, ganz offensichtlich der spö ;-)

iohui
00
26.6.2010, 20:24

na dann hinfort mit den verirrten schwarzen, auf nimmerwiedersehn.

W. Müller
 
01
25.6.2010, 20:15
Entzweien ?


Die waren NIE beisammen.

Man könnt' auch sagen nie beieinander. Auf's Oberstübchen bezogen.

Dilbert
04
25.6.2010, 19:55

Bravo Bures!

Nashwin_Fuller
 
21
25.6.2010, 22:49
Bei Schwarz-blau hieß es noch böse Umfärbung.


Jetzt heißt es "Bravo Bures".

So ändert sich die Perspektive, gell.

Vielleicht schaffen Sie es auch irgendwann, das grundlegende dahinterliegende Problem zu erkennen.

Dilbert
00
26.6.2010, 20:01

Und welche Farbe hat der Herr Blumenthal?

Rauscher, der Hundefreund
02
25.6.2010, 23:49
Sie haben aber auch nur eine Perspektive,

...nämlich die der schwarzblauen Lullis. nennen Sie uns doch bitte einen Grund , warum der Politdauertrinker Kukacka fachlich besser qualifiziert wäre, als der Herr aus der Schweiz, der nachweislich weiß, um was es geht, wenn von der Bahn gesprochen wird.

also dann ...
02
25.6.2010, 19:16
ä h m ... beyrer hat sein mandat zurückgeglegt - und keiner hats g e m e r k t .

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