USA

Größte Finanzreform seit den 30er-Jahren

25. Juni 2010, 17:48

Nach 21-stündiger Marathon­sitzung hat sich der US-Kongress auf einen Gesetzesentwurf zur Wall-Street-Reform geeinigt

Nach einer 21-stündigen Marathonsitzung hat sich der US-Kongress auf einen Gesetzesentwurf zur Wall-Street-Reform geeinigt. In allerletzter Minute wurde ein umstrittener Passus, der Banken lukrativer Geschäfte mit Finanzderivaten beraubt hätte, abgeschwächt. Dennoch kommenauf die Banken viele Neuerungen zu, der Markt wird transparenter.

***

Washington - Um 5.39 Uhr am Freitagmorgen trat ein abgekämpfter, aber zufrieden wirkender Christopher Dodd vor die Journalisten in Washington. Nach dem über ein Jahr dauernden Gerangel um die US-Finanzmarktreform konnte der demokratische Senator die Einigung vermelden: Repräsentantenhaus und Senat haben sich nach einem 21-stündigen Verhandlungsmarathon auf einen gemeinsamen Vorschlag zur WallStreet-Reform geeinigt.

Das von US-Präsident Barack Obama initiierte Projekt gilt als größte Finanzreform in den USA seit den 1930er-Jahren. Nachdem nun der 43-köpfige Kongressausschuss die Vorlage erarbeitet hat, müssen Senat und Repräsentantenhaus kommende Woche das Gesetz annehmen. Aber immerhin konnte Obama zum G-20 Gipfel in Toronto mit einer Einigung im Rücken anreisen. Die Eckpunkte des neuen Gesetzes:

  • In den USA wird erstmals eine zentrale Konsumentenschutzbehörde eingerichtet. Die Hauptaufgabe der Behörde, die bei der US-Notenbank Fed angesiedelt wird, ist die Überwachung des Kreditgeschäfts. Die freizügige Vergabe von Hypotheken gilt als eine der Ursachen für die Finanzkrise. Die Konsumentenschützer werden ein eigenes Budget erhalten und mit Hoheitsgewalt ausgestattet, sie können also Strafen gegen Banken verhängen. Der Chef der Behörde wird vom Präsidenten ernannt.
  • Der umstrittenste Punkt der Reform betraf zuletzt die Regulierung derivativer Finanzgeschäfte. Derivate ist ein Oberbegriff für Finanzinstrumente, deren Preis sich aus dem Kurs anderer Finanzprodukte ableitet. US-Geschäftsbanken müssen künftig einen Teil ihres Derivatgeschäftes in Tochterfirmen auslagern. Der Vorschlag der Abspaltung geht auf die US-Senatorin Blanche Lincoln zurück. Die Idee dahinter: Im Ernstfall sollen Kundeneinlagen nicht für riskante Geschäfte der Bank herhalten müssen.

Doch die Lincoln-Klausel wurde aufgeweicht. Derivativgeschäfte, die sich auf Gold, Silber, Währungen und Zinsen beziehen, dürfen bei den Mutterbanken bleiben. Damit ist der größte Teil des 615-BillionenDollar-Marktes ausgenommen. Ein Großteil der Versicherungsgeschäfte, der Credit-Default-Swaps, muss dagegen ausgelagert werden.

Im Notfall Zerteilung

  • Vereinbart wurde aber mehr Transparenz bei Derivaten. Ein Teil der Deals muss künftig über Clearingstellen abgewickelt werden.
  • Eingeschränkt wird die Möglichkeit von Banken, in Hedgefonds und riskante Eigenkapitalgesellschaften zu investieren. Diese Volcker-Regelung (benannt nach Obamas Finanzberater Paul Volcker) wurde aber abgeschwächt. Banken dürfen nicht mehr als drei Prozent ihres Eigenkapitals in riskante Finanzvehikel investieren, zunächst war noch von einer Zwei-Prozent-Begrenzung die Rede. Banken müssen also ihre Hedgefonds nicht auflösen, aber ihre Investments darin zurückschrauben. Beispiel Citigroup: Die Bank hat derzeit fünf Milliarden Dollar in Hedgefonds investiert, künftig dürfen es nur 3,5 Milliarden sein. Hedgefonds müssen sich zudem künftig bei der Börsenaufsicht registrieren lassen.
  • Neugeschaffen wird ein Financial Stability Oversight Council. Die Aufsichtsbehörde soll Risiken im Finanzsektor aufspüren. Das Gremium wird vom Finanzministerium und anderen Behörden beschickt. Der Council kann Banken strengere Kapitalvorschriften auferlegen. Wenn die Finanzmarktstabilität der USA gefährdet erscheint, kann die Behörde große Finanzinstitutionen zerteilen.
  • Festgeschrieben im Gesetz wird, dass Steuerzahler nie wieder für die Bankenrettungen zahlen sollen. Konkret folgen wird daraus wenig: Einen Insolvenzfonds, der sich von einer Bankenabgabe speist, wird es nicht geben. Stattdessen wurde festgelegt, dass Banken künftig mit einer Abgabe belegt werden sollen, nachdem ein Kreditinstitut aufgefangen werden musste.

Die Republikaner haben gegen den Kompromiss gestimmt. Grabenkämpfe gab es bis zuletzt auch bei den Demokraten. So hat etwa eine Gruppe von 50 Abgeordneten aus New York die Aufweichung der Lincoln-Klausel erreicht. (szi, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.6.2010)

Wissen: Die Mini-Finanzabgabe

Zum Schluss der Verhandlungen über die Wall-Street-Reform tat sich eine beträchtliche Lücke auf: Der US-Kongress hatte errechnet, dass die Reform 14 Mrd. Dollar zusätzlich kosten würde. Die Abgeordneten schafften Abhilfe: Banken mit Aktiva über 50 Mrd. Dollar, aber auch große Hedgefonds werden mit einer Steuer belegt. Das soll insgesamt 19 Mrd. Dollar bringen (um auch eventuell anfallende Mehrkosten abzudecken).

Die Abgabe soll je nach eingegangem Risiko höher ausfallen. Mit der von US-Präsident Obama vorgeschlagenen Bankenabgabe hat das nichts zu tun. Obama hatte eine Steuer vorgeschlagen, die insgesamt 90 Mrd. Dollar bringen sollte, um die Steuerzahler für die Kosten der Bankenhilfe zu entschädigen. (red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 129
1 2 3 4
peace & love
00
27.6.2010, 13:23
hanebüchene ...


... symptombekämpfung.

Wachsender Widerstand
00
26.6.2010, 22:49
interessant, ...

wird nicht immer gesagt, dass gold und silber nicht so wichtig sind ? dies und Währungen sowie Zinsen sind im derivatehandel ausgenommen.

meine guete ist das ein schwachsinn, die manipulation laeut weiter und die blase des ungedeckten geldes auch.

wenn diese sache auffliegt, dann wird der name "krise" eine ganz neue bedeutung bekommen.

also dann ...
00
26.6.2010, 19:49
dies ist nicht mal ein reförm-chen...

ad. derivate - worum gehts denn ?

das welt BIP beträgt 57.000 mrd $
der welthandel ca. 17.ooo mrd $
und die derivate (währungs- zinsswaps z.b.)
... 3.500 mrd $ je tag...
d.h.
sie übersteigen die "absicherung"...des ges. welthandels um das 50 fache !
anders gesagt :
der warenwert aller ex/Importe ist um das
5 0 - fache ÜBER-versichert(-spekuliert).

das v.d. bankenlobby immer, immer wieder geführte TOTSCHLAG-ARGUMENT (geschäfte würden abwandern...) ist sehr durchsichtig, denn
- keiner braucht diese "geschäfte"
- genausowenig wie diese a k t e u r e !
der vwl. nutzen = N U L L !

amüsant...ist,
dass d. US-kongress darauf verzichtete (?)
die FED über ihre zinspolitik zu b e f r a g e n !
KORRUPTION
bis zum
abwincken...

Ohne Zinseszins ginge es 95% der Bevölkerung besser
01
26.6.2010, 17:10
Echt keine Ahnung!

Es gab wesentlich wichtigere und größere Reformen in der Finanzwelt seit den 30ern: Bretton Woods, Golddeckung usw. usf. Lernen Sie Geschichte Herr szi.

Odo
01
26.6.2010, 15:24
Die Finanzwerte haben gestern auch an der Wall Street deutlich im Plus geschlossen. So einschneidend wie Präsident Obama immer tönt wird die Reform für diese Firmen also wohl nicht werden.

http://derstandard.at/127733676... inheitlich

Zitat:

Die Banken müssen sich im Zuge der Reform zwar von einem Teil des Derivatehandels trennen, dürfen die lukrativsten Geschäfte aber weiter betreiben. "Die Bestimmungen sind weniger belastend als befürchtet", sagte Händler Michael James von Wedbush Morgan. Dies habe eine Art Erleichterungs-Rally ausgelöst. Bank-of-America-Papiere legten 2,7 Prozent zu, JPMorgan Chase 3,7 Prozent und Goldman-Sachs-Aktien 3,5 Prozent.

Odo
01
26.6.2010, 13:11
"Größte Finanzreform seit den 1930er-Jahren"

Das mag stimmen. Aber es gilt das gleiche wie bei Obamacare. Erst die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Versprechungen von Präsident Obama sich auch erfüllen werden. Daran wird er gemessen werden. Allerdings gibt es außerhalb der Demokraten in den USA wohl kaum jemanden, der ernsthaft glaubt, dass diese Reform eine Krise wie im Herbst 2008 wirklich verhindern kann. Zumal man am Schluss der Verhandlungen im Vermittlungsausschuss beider Kammern des US-Kongresses den Eindruck hatte, es gehe weniger um die Sache als darum, sich jetzt schnell zu einigen, damit Obama endlich mal wieder einen politischen Erfolg für sich verbuchen und sich medienwirksam auf dem G8- und G20-Gipfel als großer Finanzreformer feiern lassen kann.

fauler willi
01
26.6.2010, 13:10
erschreckend

dass da maßnahmen beschlossen worden sind, von denen ich schon annahm, dass es sowas oder ähnliche kontrollmechanismen schon geben müßte. kein wunder dass da alles derartig aus den rudern gelaufen ist. ein schweres versäumnis.

aceFruchtsaft
01
26.6.2010, 12:51

Interessant ist auch, dass 12 der führenden Mitglieder des Ausschusses, die Senats- und House-Version konsolidieren sollten, in den letzten Jahren 57m USD an Wahlkampfzuschüssen von Wall-Street-Firmen bekommen haben.

Das ist nur noch eine Farce einer demokratischen Ordnung, wieso nehmen die nicht gleich offen Bestechungsgelder an? Der Unterschied wäre kosmetischer Natur.

acer65
00
26.6.2010, 18:17

konress ist im grunde ein ausschuss von wallstreet und aipac.

Erwin Wolfram
00
26.6.2010, 12:35

oida de huettn is eingstuerzt jetzt muess mas neich omoin (anmalen), de war eh scho so schiach.

Freie Welt
00
26.6.2010, 12:13
Matte Sache

Trotzdem nahezu ein Wunder, dass es wenigstens zu diesem Reförmchen gereicht hat. Denn auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gilt, dass die Reichsten stets auch die Mächtigsten sind.

mare! si
00
26.6.2010, 10:55

die größte reform seit den 30ern war die gschicht seit september 2008,
zuerst das gold dann das land,
vielleicht brauens das geld für eine arche in zwei jahren^^

Der große Mann
00
26.6.2010, 10:46

Das ist mir aber jetzt schon viel zu Obama kritisch, dieses "Reförmchen" als "größte Finanzreform" zu titulieren!

Entropix
00
26.6.2010, 10:15
echt lustig,

die Fed hat durch ihre Geldpolitik die Hypotheken-Blase erst ermöglicht und kontrolliert jetzt den Hypo-Markt? Wie war das mit dem Bock und dem Gärtner?

das ist fix
01
26.6.2010, 10:07


Warumm es den USA noch gut geht - ab Minute 01:40
http://www.youtube.com/watch?v=E... embedded#!

Blau sind nur die Bsoffenen
11
26.6.2010, 09:58
Endlich wird etwas gemacht

Die Wirtschaftskrise war das Beste für einen Anfang das wir uns wünschen konnten.
Ja ich möchte sogar sagen dass sie einen Krieg ersetzt hat um wieder neu beginnen zu können.
Wunderbar auch unsere Regierung.
Nur ein Fehler Volkshetzer Hans Gustav Stichelberger gehört noch aus Österreich entfernt sowie die ganze Mannschaft zusammen mit den Kärntner die eindeutig vorhaben jetzt für ihr Versagen Wien bezahlen zu lassen und weiter alles ruinieren wollen!

Stoascheissa Korl
00
26.6.2010, 10:12
Kriege, Krisen, Katastrophen!

Jaja, die periodisch notwendige Vernichtung von Kapital, weil Kapital und Arbeit ständig im Ungleichgewicht sind.
Mögliche Gegenmaßnahmen:
Kriege, Krisen, Katastrophen!
Kapitalvernichten halt.

Und was machen wir gegen diesen Kreislauf: wir "sparen" und verlagern sofort wieder das Gleichgewicht in Richtung Kapital. Prost, auf ein Neues!

das ist fix
00
26.6.2010, 09:57
"eine zentrale Konsumentenschutzbehörde"

größte...

Den Superlativ verdient diese "Reform" mit Sicherheit nicht.

Eventuell könnte man das als die "Größte Sand-in-die-Augen-Streu-Aktion" nennen...

wuzi1970
 
00
26.6.2010, 09:46

Ich hoffe dass dieser Gesetzesentwurf bis zum endgültigen Beschluss nicht noch mehr verwässert wird. Es scheinen ein paar gute Ansätze dabei zu sein, und es wäre schade wenn durch die Lobbies der Banken und Investmentgesellschaften die Wirkung wieder abgeschwächt würde.

- weitere Kommentare zu aktuellen Themen auf http://www.wuzi.at -

Dirty_Harry
03
26.6.2010, 09:25

2 Minuten ansehen - ab Minute 34:00

http://www.youtube.com/watch?v=e... embedded#!

uncle phil
00
26.6.2010, 10:14
gutes video

das Ende mal ausgenomen.
"die Leute sollen amerikanische Qualität statt chinesische Produkte kaufen usw" naja
...man könnte ja mal anfangen bei der Defense zu sparen aber dazu brauchts wohl wirklich zuerst ne Hyperinflation

unabhängig davon wie wenig die Menge eingetlich ausmacht, finde ich die Spekulationen um Fort Knox immer recht unterhaltsam. Könnte mir bei den Amis irgendwie gut vorstellen dass dort wirklich nur noch IOU Zettelchen rumliegen.

das ist fix
00
26.6.2010, 09:57


eigentlich sollte man sich das ganze video ansehen

Der große Mann
01
26.6.2010, 09:09

Zeit wurde es dass den vielen kleinen linken Spekulanten, die jede Woche ihren Lottoschein abgeben, das Handwerk gelegt wurde!

RasMario
311
26.6.2010, 07:21
und wer kümmert sich um das eigentliche Problem?

tja eine Kosumentenschutzbehörde die bei der FED angesiedelt ist. Da kann man ja gleich Steaks von Löwen bewachen lassen. Immerhin ist die Fed ja auch "nur" eine private Bank, oder besser ein privates, offiziell abgesegnetes Bankenkartell. Na Prost! Und wieder kümmert sich kein Mensch um das eigentliche Probelm am Finanzsystem: DEM ZINS und der GELDSCHÖPFUNG! Für alle die MEHR wissen wollen:
Ein renomierter VWL Professor, Bernd Senf, spricht über die tatsächlichen Hintergründe einer "Finanzkrise", die eigentlich eine Systemkrise ist!
hier ein link:
http://www.dailymotion.com/video/x75... en-de_news
Zins ist der Krebs des Sozialen Organismus!
Blesses

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