Was Personalberater von der Schule erwarten

25. Juni 2010, 17:08
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    foto: ap/michael probst

Von Assessments für Lehrer und Managementkompetenz der Schulleiter bis zur individuellen Förderung und einer echten Ganztagsschule: Auszüge aus einem Gespräch

Auszüge aus dem Gespräch mit Gundi Wentner, Partnerin Deloitte Human Capital

Schule sollte Kindern unabhängig von ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft zunächst diejenigen Grundfähigkeiten vermitteln, die sie in weiterer Folge dazu ermächtigen, einen Beruf zu erlernen, und über Bildung und Arbeit Zugang zu Gesellschaft, Kultur und Politik zu haben. Neben der technischen Wissensvermittlung im Bereich der Pflichtschule sehe ich eine Hauptaufgabe in der Motivation der Kinder zum Lernen sowie darin, ihre Neugier zu wecken und ihr natürliches Interesse zu verstärken. Dabei sollte die Schule insbesondere auf die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen Rücksicht nehmen und Kinder sehr individuell fördern und bestärken. Ich sehe darin auch die größten Defizite, die teilweise system-, teilweise ausbildungsbedingt sind. Es existiert derzeit de facto ein Numerus clausus für den Besuch des Gymnasiums, wodurch die zukünftige Bildungs- und damit aber auch Berufslaufbahn in einem Alter entschieden wird, in dem das gar nicht möglich ist. Gleichzeitig erhalten Schülerinnen und Schüler auch an den höheren Schulen viel zu wenig die Möglichkeit, ihre individuellen Stärken kennenzulernen und damit eine gute Auswahl in Bezug auf Berufsausbildung bzw. Studium zu treffen.

Ein anderes massives Problem ist das fehlende Ganztagsschulangebot. In einer echten Ganztagsschule können Lernen, Freizeit, Sport und künstlerische Betätigung in einem sinnvollen Tagesablauf so gestaltet werden, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, Lernziele zu erreichen, individuell gefördert zu werden und gleichzeitig auch soziale Kompetenzen in der Gruppe zu erwerben - unabhängig davon, ob Eltern am Nachmittag zur Verfügung stehen.

Bildung ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, einen Beruf zu erlernen, der den eigenen Stärken und Interessen entspricht, der ein wirtschaftlich autonomes und inhaltlich befriedigendes Leben ermöglicht. Menschen, die diese Möglichkeit nicht haben, nehmen über kurz oder lang weder wirtschaftlich noch politisch an der Gesellschaft teil.

Es ist ganz klar, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben: Alle Statistiken zeigen, dass niedrig qualifizierte Jobs verlorengehen und auch in Zukunft nicht mehr wiederkommen. Der einzige Erfolgsfaktor für Wohlstand und damit auch sozialen Frieden ist ein möglichst hohes Bildungsniveau in Österreich. Aus meiner Sicht gehört das gesamte Schulsystem reformiert, und zwar im Sinne einer verpflichtenden Ganztagsschule und einer gemeinsamen Schule aller Sechs- bis 14-Jährigen. Das bedarf einer Investition, weil dafür mehr Personal und andere bauliche Voraussetzungen in den Schulen notwendig sind, und es braucht auch Flexibilität seitens der Lehrerinnen und Lehrer, mehr ihrer Arbeitszeit unmittelbar mit den Kindern zu verbringen."

Auszüge aus dem Gespräch mit Alexander Kail, Managing Partner Stanton Chase

Lehrerausbildung und -auswahl sowie die Unbeweglichkeit der Standesvertretung halte ich für eines der zentralen Probleme im Schulsystem. Hinzu kommt, dass die Schulleiter zu wenig Spielraum für ihre Managementaufgaben und oft auch zu wenig Managementkompetenz haben - auch für Sanktionen. Lehrer sollten Vorbildwirkung haben, diese ist gelegentlich aber überschaubar. Grundsätzlich soll Schule auf das vorbereiten, was kommt, Freude an der Leistung vermitteln. Es geht um Vorbereitung auf eine komplexe, heterogene und sich ständig wandelnde Welt. Somit veralten Lehrinhalte viel schneller, und was bleibt (bleiben sollte), ist die Fähigkeit, Informationen zu selektieren.

Bereichsübergreifender Unterricht, Teamarbeit und eine Verbindung zur Praxis - das ist der richtige Weg. Oft fehlt - positive Ausnahmen bestätigen die Regel - das Vermitteln wirtschaftlichen Denkens - bloße Notenorientierung ist zu wenig: Orientierung an den Stärken, nicht Kritik an den Schwächen soll im Fokus stehen." (DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.6.2010)

STANDARD-Schwerpunktausgabe: derStandard.at/AndereSchule

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10 Postings
rf1234
00
30.6.2010, 20:56

Volker Pispers über Berater:

http://www.youtube.com/watch?v=tsfq0wKRWAA

Sarang He
00
27.6.2010, 18:38
Ich war mal ein Befürworter von Ganztagsschulen

bis ich die Meinung von Absolventen und Lehrern solcher Institutionen hörte.

sam duke
00
27.6.2010, 18:10
assess

das wort sollen die führungskräfte lieber streichen, das verstehen sie ohnehin nicht.
sollen bei standardisierung und nachhaltigkeit bleiben.

nuppl0r
00
26.6.2010, 15:48
Habt Freude an der Arbeit !

delgado3
00
26.6.2010, 13:42

Ich bin selber bei vielen Personalberatern durchgefallen. Ich finde es schrecklich, dass der Zugang zu einer Arbeitsstelle oft von einem Personalberater bestimmt wird, der/die sein/ihr eigenes Interesse vertritt und nicht die Interesse einer bestimmten Firma zu vertreten.
Wie kann ich wissen was das Beste für eine Firma ist, wenn ich dort nicht arbeite?

MPP Management & Personal Partner GmbH
00
25.6.2010, 20:36
Was Personalberater von der Schule erwarten???

Na ja, was soll's... erwarten dürfen sie ja, aber:

@Fr. Wentner: Kinder braucht man zu nichts motivieren, es reichte schon die Demotivation zu entfernen.

@Kail: Schulleiter (sie meinen die Direktoren?) haben ausreichend Spielraum für ihre "Managementaufgaben", sie nutzen sie nur zu wenig, weil sie dazu nicht fähig sind... sind ja doch großteils rot-schwarze Bezirksbesetzungen.

@beide: bitte beraten sie weiter, aber lassen sie ihre Finger vom Schulsystem!

Ich gebs zu
00
29.6.2010, 05:58
Deloitte ist da gar nicht so unbeteiligt,

wie mancher glauben würde. Da diese Firma in dem Bundesland, das ich am besten kenne, das Monopol auf Direktoren-Hearings hat, sind die Berater Teil des Problems.

Letztlich besteht ihre Aufgabe darin, die Auswahl des politisch gewünschten Kandidaten mit scheinobjektivem "Assessment" zu verbrämen.

Selbst erlebt: Da werden völlig Unfähige zur ersten Wahl stilisiert und kompetente Kandidaten demontiert, was das Zeug hält.

Truhe
 
01
25.6.2010, 20:17

Wenn ich "Managementqualitäten" schon hör kommt mir das Kalte. Das ist heute einfach so das irgendwe irgendwo nen lustigen Kurs macht oder mal was geleitet hat und Fertig Nur so ist es eigentlich erklärbar warum es inzwischen scheißegal ist ob sich jemand mit einer Branche und einem Unternehmen auskennt oder nicht, leiten kann ers auf jeden Fall. Die Inversion von Betriebslind bei gleichbleibendem Terminus. Das ist der Grund warum sich das Management inzwischen durch die Bank mit allem zu beschäftigen scheint ausser mit dem Produkt oder dem Sinn des Unternehmens das sie Managen.

Management Quatscher
12
26.6.2010, 13:13

Die ahnungslose Führungskraft ist seit ein paar Jahren die Idealvorstellung der Berater.

Nur ja keine Ahnung haben von dem was man eigentlich managen soll, weil das ja eh unwichtig ist und von den unterbezahlten Wasserträgern erledigt werden soll. (die mit Begeisterung die Phrasen der Führungskräfte "leben" sollen)

Stattdessen: Soft Skills, Selbstdarstellung, Präsentation, Kommunikation, .....

Die Unfähigen werden uns gut führen. Und sie führen uns gut, wie man an der Bankenkrise sehr gut sehen kann.

Management Quatscher
23
25.6.2010, 19:26

Personalberater ... na ja ... nicht gerade die hellsten Köpfte, wenngleich sie schon schön Phrasen dreschen können

Wissensgesellschaft, Flexiblität, Motivation. ... ja, ja kenn man eh schon, danke, tuts schön weiterberaten.

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