Marlene Streeruwitz ist 60

25. Juni 2010, 19:10
8 Postings

Als Dramatikerin hervorgetreten, danach erfolgreiche Prosa-Autorin - Wichtige Stimme der Zivilgesellschaft

Wien - Marlene Streeruwitz ist eine der prägnantesten Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur und pointierte Kommentatorin des politischen und gesellschaftlichen Geschehens. Anfang der 90er Jahre zunächst als Dramatikerin hervorgetreten, war sie später auch mit Prosa-Veröffentlichungen erfolgreich. Am 28. Juni feierte die Autorin und Regisseurin, die auch Hörspiele gestaltet und als Lehrende wie als Rednerin gefragt ist, ihren 60. Geburtstag.

Marlene Streeruwitz wurde 1950 in Baden bei Wien geboren, studierte Slawistik und Kunstgeschichte, arbeitete als Journalistin bei einer Öko-Zeitschrift ("Natur ums Dorf") und für Aktionen der Landschaftswiederherstellung. Ab 1986 trat sie mit literarischen Veröffentlichungen und als Verfasserin von Hörspielen in Erscheinung.

Vielfältiges Schaffen mit politischem Anspruch

Die Uraufführungen von "Sloane Square." und "Waikiki-Beach." am Kölner Schauspielhaus brachten ihr 1992 den Titel "Nachwuchsautorin des Jahres" der Zeitschrift "Theater heute" ein. Ihre Stücke sind ein souveränes, freies Spiel mit Zitaten, Figuren und Situationen quer durch Welt- und Literaturgeschichte. "New York. New York.", "Elysian Park.", "Ocean Drive.", "Bagnacavallo." und andere Stücke sind gleichzeitig aber auch eine Herausforderung für herkömmliches Theaterverständnis und traditionelle Bühnenregie. In den 90er Jahren betätigte sich Streeuwitz am Schauspielhaus Wien (u.a. bei "Die Donau" von Maria Irene Fornes) und am Schauspiel Köln auch selbst als Regisseurin, später vor allem als Hörspielregisseurin. In "Hotel" von Jessica Hausner hatte Streeruwitz auch einen Filmauftritt als strenge Hoteldirektorin.

1996 erschien ihr erster Roman "Verführungen.", der ihr den Mara-Cassens-Preis einbrachte. In der für sie typischen, schmucklosen, stakkatoartigen Sprache erzählt sie darin die Geschichte einer allein erziehenden 30-jährigen Frau, die sich mit wechselndem Erfolg durch den Alltag kämpft. Im Jahr darauf folgte "Lisa's Liebe", ein dreibändiger "literarischer Groschenroman" über eine Frau auf der Suche nach der großen Liebe. Streeruwitz widmete sich in der Folge zunehmend dem Prosa-Schreiben - u.a. erschienen der Roman "Nachwelt." (1999), die Erzählung "Majakowskiring." (2000) und die Romane "Partygirl." (2002), "Jessica, 30." (2004) und "Entfernung." (2006). In "Kreuzungen." (2008) lieferte sie eine sarkastische Spiegelung von übersteigertem Macht- und Männlichkeitswahn, bei der das neurotische Innenleben eines superreichen Geschäftsmannes nach außen gestülpt wird.

Feminstische Stimme der Zivilgesellschaft

Marlene Streeruwitz hielt Poetik-Vorlesungen in Frankfurt und Tübingen und unterrichtete an der Wiener Schule für Dichtung. In Essays, Kommentaren und Reden meldet sich immer wieder zu aktuellen Themen zu Wort, war eine der prominentesten Gegnerinnen der schwarz-blauen Regierung und gilt als wichtige, feministische Stimme der Zivilgesellschaft. Sie war etwa Eröffnungsrednerin der "Diagonale" 2004 oder zuletzt vor wenigen Wochen bei einer Tagung im Rahmen der "kultura" an der Kunstuniversität Graz. Im Vorjahr sorgte ihre Kritik an den Salzburger Festspielen ("eine elitäre, reaktionäre Einrichtung") für Aufsehen.

Sie wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Peter-Rosegger-Literaturpreis (2008) und dem Droste-Literaturpreis der Stadt Meersburg (2009). "Mit energischer Beharrlichkeit vor allem die Interessen der Frauen verfechtend, entwirft sie mit großer analytischer Kompetenz und mit souveräner Sprechkraft Figuren- und Handlungsmodelle des zeitgenössischen Lebens", hieß es damals zur Begründung. Ihre Reden und Vorlesungen können u.a. in dem Sammelband "Gegen die tägliche Beleidigung." (2004) oder auf ihrer Homepage nachgelesen werden. Dort heißt es auch: "Lebt in Wien, Berlin, London und New York." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Marlene Streeruwitz, feministische Autorin und politische Aktivistin, ist 60 Jahre alt.

Share if you care.