Schmied will alle Schulreformen gleichzeitig durchbringen

25. Juni 2010, 16:06
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Lehrerdienstrecht, neue Lehrerausbildung und Schulverwaltung sollen im Herbst auf Schiene gebracht werden

Wien - Österreichs Schulverwaltung liegt im Argen. Darin waren sich am Freitag die Experten bei der SPÖ-Klubenquete mit dem Titel "Auf dem Weg zur selbstständigen Schule" einig. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) rief deshalb dazu auf, bei den angekündigten Reformen nicht länger zuzuwarten. "Wir brauchen absoluten Mut zur Gleichzeitigkeit", so die Ministerin, die nun das neue Lehrerdienstrecht, die neue Lehrerausbildung und die neue Schulverwaltung im Herbst auf Schiene bringen will.

Der Lehrer und Autor Nikolaus Glattauer sah für eine wirkliche Erneuerung der Schule unterdessen nur noch eine Chance: "Festplatte löschen und neu starten". Tatsächlich fiel die Analyse des derzeitigen Systems durch Rechnungshofpräsident Josef Moser und den Bildungsexperten Bernard Hugonnier von der OECD bei der Enquete äußerst kritisch aus. So schnitt laut Hugonnier Österreich bei einer Studie zur Schulverwaltung aus 2007 bei allen geprüften Kriterien - darunter etwa freie Schulwahl und Effizienz - schlechter ab als der OECD-Schnitt.

Moser kritisiert Finanzierung der Lehrer

Moser kritisierte, dass der Bund die Lehrer zahlt und die Länder über deren Einsatz entscheiden. Dies habe etwa zur Folge, dass jedes Jahr rund 30 Mio. Euro für Lehrer ausgegeben würden, die laut Stellenplan gar nicht vorgesehen seien. Die Unterteilung in Bundes- und Landeslehrer habe wiederum - neben der unterschiedlichen Ausbildung, Dienst- und Fortbildungsverpflichtung - zur Folge, dass Bundeslehrer im Schnitt mit 60,1 Jahren in Pension gehen, Landeslehrer aber schon mit 56,8 Jahren. Die Erledigung von administrativen Aufgaben durch Lehrer, sprich Akademiker, erzeuge weitere Mehrkosten von 6,9 Mio. Euro jährlich.

Als einen wesentlichen Faktor für bessere Leistungen der Schüler nannte Schmied die Steigerung der Schulautonomie: Erst wenn ein Direktor seine Lehrer selbst aussuchen könne, werde er auch für sein Team Verantwortung übernehmen. Die Ministerin zeigte sich optimistisch, dass dieser Punkt rasch umgesetzt werden könne, immerhin herrsche hier Einigkeit unter allen fünf Parlamentsparteien.

Schmied: "Ganz klar Position beziehen"

SP-Bildungssprecher Elmar Mayer hegte überhaupt aufgrund der "Debatten in den letzten Wochen" beim Koalitionspartner ÖVP die Hoffnung, dass dieser nun empfänglicher für die geplanten Reformen sein könnte. Klubobmann Josef Cap gab sich unterdessen kämpferisch: Es müsse der SPÖ "gelingen, in die konservativen Mauern die eine oder andere Bresche zu schlagen."

In der Frage der Kompetenzaufteilung kündigte Schmied Härte an und erteilte der "Kleinstaaterei", die die Ländern anstreben würden, eine klare Absage: Eine Organisation, die keine klare Leitung habe und in der die Verantwortung nicht eindeutig vergeben sei, "führt zu Verwahrlosung". Ausgaben- und Aufgabenverantwortung sowie Gesetzesvollziehung müssten endlich in einer Hand liegen, in dieser Frage müsse die SPÖ bei den kommenden Verhandlungen mit dem Regierungspartner und dem künftigen Vorsitzenden der Landeshauptleutekonferenz, Niederösterreichs Erwin Pröll (V), "ganz klar Position beziehen". (APA)

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