Ruinen, Heiden, Exorzismus

25. Juni 2010, 16:52
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Subtiler Witz und Sinn für Spannung und Gruseliges kennzeichnen die erfolgreiche Serie des Briten Phil Rickman um die anglikanische Pfarrerin Merrily Watkins

Die Balance zwischen Krimi und Mystery-Roman ist perfekt, und der Plot hat es auch in sich. Ein junges Paar hat sich in Herefordshire einen alten Bauernhof gekauft. Auf dem Grundstück steht auch die Ruine einer Kirche. Nun gehören die beiden zu der in England nicht unbeträchtlichen Zahl der "neuen Heiden" , und es ist aus ihrer Sicht nur logisch, dass der einstige heidnische Kultplatz, der von den Christen usurpiert wurde, wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden soll.

Also will man ein entsprechendes Ritual veranstalten. Das ruft einen fundamentalistischen Prediger auf den Plan. Er hetzt die Dorfbewohner auf: Die "Hexen" würden obszöne Gelage feiern, der Satan sei mitten unter ihnen. Der pragmatischen Pfarrerin ist das Treiben der einen wie der anderen suspekt. Und dann entdeckt sie, dass der fromme Kollege eine besondere Vorliebe für Exorzismen an weiblichen Gläubigen hat. Nicht genug damit, bekommt sie es noch mit dem Landarzt zu tun, der sich liebevoll um die Älteren kümmert und gleich auch einen tollen Anwalt bei der Hand hat, falls jemand ein Testament machen möchte. Eine geisterreiche Synthese mit Charme und Ironie. (Ingeborg Sperl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 26./27.06.2010)

Link:
www.krimiblog.at

Phil Rickman, "Die fünfte Kirche" . Deutsch: Nicole Seifert. € 10,30 / 557 Seiten. rororo, Reinbek 2010

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