STANDARD-Schulbesuch

Wo Unterrichten "ein einziges Aha-Erlebnis" ist

Andrea Heigl, 25. Juni 2010, 16:55
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    foto: standard/regine hendrich

    Lernen mit Kopftuch: alles andere als ungewöhnlich in der Ottakringer Brüßlgasse.

Eine "internationale Schule" in Wien-Ottakring

Wien - "Farmer" oder "Soccer-Player" möchten sie gern werden, die Schüler der 4B der Hauptschule in der Brüßlgasse in Wien-Ottakring. Mit ihrer Englischlehrerin sprechen sie gerade über Traumjobs. In wenigen Wochen starten viele tatsächlich ins Berufsleben, 40 Viertklässler haben bereits eine Lehrstelle. Viele von ihnen haben eine Ehrenrunde eingelegt, um Deutsch zu lernen: 98 Prozent der Schüler in der Brüßlgasse kommen aus Migrantenfamilien.

"Wir sind eine internationale Schule" , sagt Direktor Karlheinz Fiedler nicht ohne Stolz. Vom Renommee, aber vor allem von der finanziellen Ausstattung von Privatschulen wie der Vienna International School kann Fiedler nur träumen. Es liege, steht im Schulprofil, "an der Findigkeit und dem Improvisationstalent der Fachlehrer, fehlendes Material, Werkzeug etc. zu ersetzen, auszuborgen oder zu erbetteln" .

Nicht nur deswegen sei das erste Jahr in der Brüßlgasse für die Lehrer "ein einziges Aha-Erlebnis" , sagt Fiedler. Obwohl Hauptschullehrer, die von der Pädagogischen Hochschule kommen, noch deutlich mehr pädagogisches Rüstzeug hätten als Uni-Absolventen, bringe der Alltag in der Hauptschule ganz eigene Herausforderungen mit sich. "Die Schulbücher sind für einen Teil unserer Schüler unverständlich. Man kann nichts voraussetzen - das Spektrum unter unseren Schülern reicht von großen Defiziten bis zur AHS-Reife." Die Kollegen seien individuell gefordert, denn das System "schließt Kinder mit Migrationshintergrund förmlich aus" .

Zwölf Stunden Extra-Deutschunterricht pro Woche gibt es für jene Schüler, die neu nach Österreich kommen. Nach 60 bis 120 Stunden bemerken die Lehrer erste Erfolge. Besonders schwer tun sich türkische Schüler, die unter den 33 Nationen in der Brüßlgasse deutlich die Mehrheit stellen: Sie brauchen die Sprache nicht, um sich in den Gängen und auf dem Schulhof zu verständigen.

Während Direktor Fiedler erzählt, klopft es pausenlos an seine Tür: Ein Vater wird vorstellig, er möchte seinen Sohn hier in die Schule schicken, erklärt er in gebrochenem Deutsch. Die Betreuungslehrerin, die zwölf Stunden pro Woche in der Brüßlgasse arbeitet, bespricht schnell mit dem Direktor ein paar Problemfälle. Einige Burschen haben auf dem Schulhof einen Ball gefunden und bringen ihn in die Direktion. "Sehen Sie, ich bin hier für alles zuständig" , sagt Fiedler und scherzt kurz mit den Kindern. Dafür bleibt freilich wenig Zeit: "Ich bin völlig mit Administration zugeschüttet. Eigentlich sollte ich viel mehr mit Lehrern und Schülern reden."

Probleme abseits der Bildung

Und natürlich mit den Eltern - wenn sie bereit sind, in die Schule zu kommen. Denn viele würden die Bildung ihrer Kinder als deren Problem betrachten. Gleichzeitig würden von den Familien aber Dinge an die Schule herangetragen, die mit deren eigentlicher Aufgabe als Bildungseinrichtung nichts zu tun hätten: von Wohnungs- über Jobprobleme bis hin zu der Frage, wie sie Geld für Essen auftreiben sollen.

Um den Schülern den Umstieg ins Arbeitsleben zu erleichtern, wurde in der Brüßlgasse Anfang der 1990er-Jahre ein eigenes Programm entworfen, das mittlerweile auch international Schule macht: Ab der 7. Schulstufe gibt es den Schwerpunkt Berufsorientierung, bei Lehrausgängen und Gesprächen mit Firmenchefs sollen die Kinder erfahren, welche Möglichkeiten sie haben und was von ihnen gefordert wird. Später gibt es Vorstellungstraining und eine Schnupperwoche, an deren Ende ein Zeugnis ausgestellt wird. Solche Innovationen würden Hauptschulen und Kooperative Mittelschulen zu den "innovativsten Schulen" machen, meint Fiedler: "An den AHS hat sich seit Jahrzehnten nichts verändert."(Andrea Heigl/DER STANDARD, 26.6.2010)

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12 Postings
f.j.neffe
 
00
Lehren + Lernen bedeutet, einen gemeinsamen Weg zu gehen

Ja, Lehren + Lernen heißt einen gemeinsamen Weg gehen und dabei echte Erfahrungen sammeln. Lehrer sind die, die den Auftrag haben, vorweg zu gehen auf einem Weg, den sie selbst erst finden müssen. So die Wortbedeutung und so die Einstellung der neuen ich-kann-Schule, die ich hier wiederfinde.
Ja, Lernen bedeutet einen gemeinsamen Weg gehen: mit Kindern und deren Familie. Alles andere ist Unterichtsvollzug. Ich grüße feundlich.
Franz Josef Neffe

665
00
29.6.2010, 20:51
wie haben sich die verbleibenden 2% dorthin verirrt?

messfehler?

wieso auch nicht
31
26.6.2010, 20:56

Eine Koranschule.

Veronika Lenz
21
26.6.2010, 16:23

1.die Uniabgänger, die dort unterrichten müssen erst gefunden werden => mehr pädagogisches Rüstzeug der Abgänger der pädagogischen Hochschulen ist ein Wunschtraum und passt in die Linie der BM Schmied.
2. Hat der Direx einen Zuverdienst auf der pädagogischen Hochschule?

nina yankow
01
26.6.2010, 22:56

an der uni wien zumindest kann man mind. 2 jahre ein lehramt studieren ohne eine einzige stunde unterrichtet zu haben.
an den ph gibt es ab der ersten woche regelmäßig schulpraxis (2 std/woche praxis + 2 std/woche reflexion, in manchen semestern geblockt. im zweiten semester hält man bereits mehrere stunden zur gänze selbst, sowie meist einige stunden in team-teaching), und vom ersten bis zum letzten semester gibt es lehrveranstaltungen zu pädagogik und fachdidaktik - vieles davon als seminar mit max. 30 studierenden.

Radio Eriwan
00
26.6.2010, 07:21
Ein Vorschlag

Messen Sie einmal die Größe der Direktionskanzlei in dieser Schule.

ValieImport
01
27.6.2010, 19:51

2,25m X 5,75m=12,93m² !
Nur für ihn allein:)(Ironie off)

Stellen Sie sich vor, in solchen Kammerln unterrichten Lehrpersonen sogar mit 8 bis 16 Kindern Förder- und/oder Sprachunterricht, so sie sich ein solches Eck frech ergattert haben und nicht mühsam von Stunde zu Stunde die Klassen aufsuchen müssen, die gerade Turnen oder Werken haben...

chaote2
 
15
25.6.2010, 20:34
Besonders schwer tun sich türkische Schüler, die unter den 33 Nationen in der Brüßlgasse deutlich die Mehrheit stellen: Sie brauchen die Sprache nicht, um sich in den Gängen und auf dem Schulhof zu verständigen.

genau dies ist das größte Problem und wird von Generation zu Generation bei den Türken weitervererbt. Die eigenen Geschäfte und andere Institionen- wozu dann Deutsch lernen- brauchen wir doch nicht, wie eineTürkin ihren Mann entgegenete der meinte sie soll einen Deutsch Kurs besuchen..

Neuer Nick neues Glück
12
26.6.2010, 03:17

IhreN Mann und dann gleich dahinter ein Deppen Leer Zeichen - gehst du auf besagte Schule?

Ava Tar
41
26.6.2010, 03:03

Naja, und türkischsprechende Ärzte gibt'?s auch genügend ... wozu also ?

Glaubst' ernsthaft, daß alle 200.000 Auslandsösterrreicher die Landessprache ihres Ausenthaltslandes sprechen ?

Fisch^^Fisch
12
26.6.2010, 03:35

Ja vermute schon, dass der Großteil, der ja bewusst auswandert, die Landessprache der neuen Heimat kann. Der Rest wird min. Englisch können und dazu werden dann noch ein paar Pensionisten kommen die ihren Lebensabend irgendwo im billigen Ausland verbringen.

trollvottel
00
27.6.2010, 11:15

Naja, geborene Österreicher, die im Ausland leben, sprechen meist entweder miserables Englisch oder - man glaubt es kaum - gleich Deutsch. Vermutungen wie die vom Fisch sind für die Fisch'.

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