Uruguay beginnt zu träumen

25. Juni 2010, 15:13
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Starke Vorrunde stärkt Selbst­vertrauen des zweifachen Cham­pions, Trainer Tabarez warnt vor laufstarkem Gegner

Port Elizabeth - Für Uruguay geht es nicht nur um ein neues Kapitel seiner WM-Geschichte, sondern auch um ein Signal an die Funktionäre des Fußball-Weltverbandes FIFA. "Die südamerikanischen Mannschaften spielen ein gutes Turnier. Wir zeigen hier, dass wir auf hohem Niveau spielen. Anstatt den 4,5 WM-Tickets sollte man unserem Kontinent gleich fünf geben", sagte Torjäger Diego Forlan vor dem Achtelfinale am Samstag (16.00 Uhr) in Port Elizabeth gegen Südkorea. Mit dem ersten Einzug in die Runde der letzten Acht seit 1970 wollen die Urus weitere Argumente in der neu entbrannten Diskussion um die Verteilung der Startplätze liefern.

Ohne Niederlage und ohne Gegentor hat der zweimalige Weltmeister (1930 und 1950) die Duelle mit Südafrika (3:0), Mexiko (1:0) und Vizeweltmeister Frankreich (0:0) absolviert und dabei eine Menge Selbstvertrauen getankt. "Dass wir keine Gegentore kassieren, haben wir uns vor der WM als wichtiges Ziel gesetzt", sagte Teamchef Oscar Tabarez. "Keine Mannschaft in diesem Turnier ist für uns unerreichbar, aber gegen keines haben wir auch die Garantie des Sieges."

Die unerwarteten Erfolge haben das Selbstvertrauen von Spielern, Medien und Fans der Drei-Millionen-Einwohner-Nation jedenfalls enorm gestärkt. "Natürlich fangen wir jetzt an zu träumen, aber man sollte nicht voreilig sein. Wir könnten noch auf Brasilien oder Argentinien treffen, und dann verliert man vielleicht schon vorher gegen ein Team, von dem man es am wenigsten erwartet hat. Das Schöne bei der WM ist, dass es keine Favoriten zu geben scheint", meinte Stürmer Luis Suarez von Ajax Amsterdam.

Auch in der Heimat ist das Vertrauen in die Celeste gehörig gestiegen. Für den Fall des Einzugs ins Viertelfinale gegen den Sieger der Begegnung USA gegen Ghana hat sich bereits Staatspräsident Jose Mujica für einen außerplanmäßigen WM-Besuch angesagt. Tabarez jedoch bleibt realistisch, obwohl die Himmelblauen gute Erinnerungen an Duelle mit den Asiaten haben. Beim einzigen bisherigen Duell bei einer Endrunde setzte sich Uruguay in der Vorrunde des Turniers 1990 in Italien dank eines Last-Minute-Tors von Daniel Fonseca 1:0 durch. Der Trainer hieß auch damals Tabarez.

"Südkorea ist ein gutes Team, schnell, konditionell stark, besser im Angriff als in der Defensive, aber gerade deshalb sehr gefährlich", meinte 'El Maestro'.  Der ausgebildete Grundschullehrer Tabarez meldete außerdem: "Alle 23 Spieler sind einsatzbereit." Auf dem Papier ist die Sache klar: Uruguay, 16. der FIFA-Rangliste spielt gegen die Nummer 47. Doch Südkoreas Trainer Huh Jung-Moo unterstrich doch die Ambotionen seines Teams: "Ich weiß, dass sich meine Spieler mit dem Erreichen des Achtelfinales nicht zufriedengeben werden, und wir werden noch härter arbeiten, um das Halbfinale zu erreichen."

Die südkoreanischen Dauerläufer setzen auf Leidenschaft und ihre Freistöße: Schon dreimal trafen sie nach Standardsituationen.  Bundesligaprofi Cha Du-Ri versicherte: "In der K.o.-Runde ist alles möglich, mit etwas Glück können wir jeden Gegner schlagen." Alles in allem sehen sich die Koreaner aber im Vergleich mit Uruguay in einer leichten Außenseiterposition: "Das ist eine sehr starke Mannschaft mit einem Weltklassestürmer", meinte Cha. Zudem steht hinter dem gefährlichen Sturmduo eine der besten Defensiven des Turniers, die in drei Partien noch kein einziges Tor zugelassen hat - ganz im Gegensatz zu den Südkoreanern, die sechs Treffer kassierten. (sid/APA/red)

Mögliche Aufstellungen:

Uruguay - Südkorea (16.00 Uhr, Pretoria, Loftus-Versfeld-Stadion, SR Wolfgang Stark/GER) - der Sieger trifft auf den Aufsteiger aus USA - Ghana (Samstag, 20.30 Uhr, Rustenburg):

Uruguay: 1 Muslera - 16 M. Pereira, 2 Lugano, 3 Godin, 4 Fucile - 15 Perez, 17 Arevalo, 11 A. Pereira/20 A. Fernandez - 7 Cavani, 9 Suarez, 10 Forlan

Ersatz: 12 Castillo, 23 Silva - 6 Victorino, 19 Scotti, 22 Caceres, 5 Gargano, 8 Eguren, 18 I. Gonzalez, 13 Abreu, 21 S. Fernandez, 14 Lodeiro

Fraglich: 11 A. Pereira (Muskelblessur im rechten Oberschenkel)

Teamchef: Oscar Tabarez

Südkorea: 18 Jung Sung-Ryong - 22 Cha Du-Ri, 12 Lee Young-Pyo, 4 Cho Yong-Hyung, 14 Lee Jung-Soo - 7 Park Ji-Sung, 8 Kim Jung-Woo, 16 Ki Sung-Yong, 17 Lee Chung-Yong - 10 Park Chu-Young, 20 Lee Dong-Guk

Ersatz: 21 Kim Young-Kwang, 1 Lee Woon-Jae - 2 Oh Beom-Seok, 3 Kim Hyung-Il, 23 Kang Min-Soo, 15 Kim Dong-Jin, 13 Kim Jae-Sung, 6 Kim Bo-Kyung, 5 Kim Nam-Il, 11 Lee Seung-Ryul, 9 Ahn Jung-Hwan, 19 Yeom Ki-Hun

Keine Ausfälle

Teamchef: Huh Jung-Moo

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    Stehen Weltklassestürmer wie Diego Forlan (li) und Luis Suarez zur Verfügung, müssen Träume keine Schäume bleiben.

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