Ein Toter bei Unruhen

25. Juni 2010, 14:47
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Festnahmen in Aden bei Razzia nach Sturm auf Hochsicherheitsgefängnis

Sanaa - Bei Unruhen in der südjemenitischen Hafenstadt Aden ist am Freitag ein Anhänger der Separatistenbewegung ums Leben gekommen. Der Mann wurde erschossen, als es nach Protesten gegen die Festnahme von Separatisten zu einer Schießerei zwischen Demonstranten und der Polizei kam, berichteten Augenzeugen.

Vergangene Woche hatte nach offizieller Darstellung ein Kommando der örtlichen Al-Kaida ein Hochsicherheitsgefängnis in Aden gestürmt in dem auch Mitglieder der Separatistenbewegung inhaftiert waren. Bei dem Überfall waren elf Personen getötet worden: Sieben Sicherheitskräfte, drei Frauen und ein Kind. Mehrere Inhaftierte wurden durch die Angreifer befreit, die Militäruniformen trugen.

Am Freitag nahm die Polizei in Aden mehrere Personen fest. Das Innenministerium ordnete für die Stadt schärfere Sicherheitsmaßnahmen an, um das Eindringen von Extremisten und das Einschmuggeln von Waffen zu verhindern. Der Hafen von Aden hat eine große wirtschaftliche Bedeutung für das Land.

Die Separatisten streben die Abtrennung des Südens vom Norden des Landes an. Der heutige Jemen war 1990 aus der Vereinigung von Nord- und Südjemen entstanden. Der Südjemen fühlt sich von der Zentralregierung benachteiligt, immer wieder kommt es dort zu gewalttätigen Protesten.

Der Nordjemen war 1918 nach vier Jahrhunderten unabhängig vom Osmanischen Reich geworden. Eine Revolution führte 1962 zum Sturz der Monarchie und einem bis 1970 dauernden Bürgerkrieg. Die von Ägypten mit sowjetischen Waffen ausgerüsteten Republikaner unter Oberst Abdallah Sallal besiegten schließlich die Stammeskrieger von König Mohammed al-Badr.

Im Südjemen endete 1967 nach fast 130 Jahren die britische Präsenz. In der "Demokratischen Volksrepublik" kam es 1969 zur Machtübernahme des radikalen Flügels der Befreiungsfront. Durch den Putsch gegen Staatspräsident Salem Robaya Ali gelangten moderatere Kräfte in Aden an die Macht, die unter dem Eindruck des Zusammenbruchs des Ostblocks die Vereinigung mit dem Norden vorantrieben.

Die Wiedervereinigung 1990 sollte dem Land wirtschaftlichen Auftrieb geben. Dennoch verschlechterten sich die Lebensbedingungen. Ursache dafür sind die Machtkämpfe, die fehlende Bereitschaft der traditionellen Stammesführer zur Kooperation mit der Zentralgewalt. Dazu kommen Aufstände der schiitischen Houthi-Rebellen und Aktivitäten von Al-Kaida. (APA/Reuters)

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