Fed belässt Leitzins unverändert

25. Juni 2010, 14:44
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Hans Engel und Ronald Stoeferle

Nachdem der Dollar nun schon seit einigen Monaten viel stärker ist als die zugrunde liegenden Fundamentaldaten aus der US-Ökonomie, behindert der hohe Wechselkurs die amerikanischen Bemühungen, mittels einer Reflationierung die Krise zu bewältigen. Mit steigender Kaufkraft des Dollars nehmen die deflationären Tendenzen in der Volkswirtschaft zu. Ironischerweise haben die Einschätzungen der US Ratingagenturen bezüglich der Bonität einiger Länder des europäischen Südens zu dieser Entwicklung nicht unwesentlich beigetragen. Der Ausweg aus dieser Klemme ist allerdings aus US-Sicht relativ einfach. Man berichtet einfach realistischer über die eigene, noch viel schlechtere wirtschaftliche Situation und die europäischen Anleger sehen den Dollar dann vermutlich wieder mit weniger Euphorie.

Wie bei allen Trendwenden wird man von dieser Einschätzung nur dann profitieren können, wenn man rechtzeitig darauf reagiert und Dollar-Assets nicht zu spät verkauft. Bei aufmerksamer Beobachtung verschiedener Quellen, wie beispielsweise auch bei den jüngst veröffentlichten Wirtschaftsdaten, kann man bereits erkennen, dass die US-Amerikaner den Weg zur realistischeren Darstellung der eigenen Lage bereits seit kurzem beschreiten. War noch nicht lange zuvor offiziell die Rede vom „nicht mit ausreichendem Beschäftigungszuwachs begleitetem Aufschwung" so bezeichnet Präsident Obama die amerikanischen Notwendigkeiten heute mit den Worten: „die Erholung stärken". Es sollte also die aufmerksamen Leser dieser Publikation nicht überraschen, wenn die US-Wirtschaftsdaten der kommenden Wochen ungewöhnlich schwach gemeldet werden. Das damit bezweckte Ziel der gewünschten Dollarabschwächung wird vermutlich erreicht werden. Denn nichts wird die internationalen Anleger leichter überzeugen als die offene Darlegung des wahren Zustands der US-Ökonomie. Investoren sollten zudem berücksichtigen, dass die Situation in Europa,
insbesondere auch in Deutschland als deutlich besser einzustufen ist.

Die Federal Reserve hat den Leitzins erwartungsgemäß unverändert belassen. Die Zinsen würden für weitere Zeit auf niedrigem Niveau verbleiben, die eskalierende Schuldenkrise in Europa würde sich negativ auf das US-Wachstum auswirken. Freddie Mac gab bekannt, dass der Festzins für Hypotheken - Laufzeit 30 Jahre - auf 4,6% und damit den tiefsten Stand seit 40 Jahren gefallen ist. Trotzdem kommt der Immobilienmarkt nicht in Fahrt, die jüngsten Zahlen sprechen Bände über die „Erholung". Im Mai wurden so wenige Eigenheime verkauft wie noch nie im Laufe der Datenerhebung. Die Neubauverkäufe brachen um 32,7% auf 300.000 ein.

Die Anfangseuphorie aufgrund der möglichen Aufwertung des Chinesischen Yuan war schnell verpufft. China betonte sogleich eine schrittweise Anpassung, es werde keine rasche Aufwertung geben. Naturgemäß litten Aktien von Einzelhändlern - da die Importe chinesischer Güter teurer werden - von den Spekulationen rund um die Aufwertung. Tendenziell profitieren konnten der Rohstoffsektor sowie die Industrie.

Oracle nach weiter auf Erfolgskurs

Einer der wenigen Sektoren, in dem es derzeit in den USA noch relativ gut läuft ist der Technologiebereich. Oracle meldete in dieser Woche das Ergebnis für sein viertes Geschäftsquartal. Erfreulich ist nach der jüngsten Fusion mit Sun Microsystems sowohl der überraschende Umsatz- als auch Gewinnsanstieg. Sehr stark war das Geschäft laut dem Firmenchef in Europa. Die Firma konnte insgesamt einen Quartalsumsatz von USD 9,5 Mrd. (+38%) und einen Gewinnanstieg auf USD 2,4 Mrd. (+26%) erzielen. Apple meldete mehr als 700.000 Vorbestellungen für die neue Generation des iPhones.
Bereits vor einigen Wochen hatte man Microsoft als teuerstem Technologieunternehmen der Welt den Rang abgelaufen, die Marktkapitalisierung beläuft sich nun auf USD 244 Mrd. Dell konnte die Prognosen übertreffen und einen positiven Ausblick geben. Man erwarte für das Geschäftsjahr 2011 14-19% Umsatzwachstum. Der Markt hatte noch positivere Aussagen erwartet, die Aktie verliert auf Wochensicht knapp 10%.

Die Polemik rund um die Ölkatastrophe vor der Küste wird immer agressiver. Eine (vielerorts geforderte) Enteignung von BP ist jedoch nur schwer möglich. Zuletzt war dies in den 40er Jahren der Fall. Möglich wäre auch, dass die US-Bohrlizenzen nicht verlängert würden bzw. BP von US-Staatsaufträgen ausgeschlossen wird. Für BP ist das US-Geschäft jedenfalls essentiell. Man erwirtschaftet hier knapp 40% des Cash-flows und fördert vor den US-Küsten knapp 30% der gesamten Ölproduktion.

Die Schätzungen für die möglichen Schadenersatzzahlungen reichen mittlerweile bis zu USD 60 Mrd. Um dies zu finanzieren werde man Minderheitsbeteiligungen verkaufen und Anleihen im Volumen von USD 10 Mrd. ausgeben. Analystenaussagen zufolge verfügt BP über Vermögenswerte von knapp USD 250 Mrd. Zudem werden Kreditlinien in Höhe von USD 20 Mrd. vereinbart. Der sechsmonatige Tiefsee-Bohrstopp wurde indes aufgehoben. Der Bohrstopp sei ungültig, nachdem die Entscheidung von Präsident Obama „willkürlich" gewesen war. Im Zuge des Verbotes seien tausende Jobs gefährdet, insgesamt waren davon 33 Ölquellen im Golf von Mexiko betroffen.

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