Laut, bunt und politisch

25. Juni 2010, 15:10
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Während die Vorbereitungen für die Parade am 3. Juli in die Schlussphase gehen, erinnern die InitiatorInnen an politische Anliegen

Wien - Am 3. Juli wird es in der Wiener Innenstadt zum 15. Mal  laut, bunt und homosexuell: Unter dem Motto "We are family!" wird die Regenbogenparade entgegen der Fahrtrichtung auf der Ringstraße zum Schwarzenbergplatz ziehen. Erwartet werden rund 40 Gruppen: "Es wird viele originelle Ideen geben", versprach Christian Högl, Obmann des Organisationsvereins Hosi (Homosexuelle Initiative) am Freitag in einer Pressekonferenz. Auf der Veranstaltung soll aber nicht nur gefeiert, sondern auch gegen die Ignoranz der Politik demonstriert werden.

Die Parade startet um 14.00 Uhr beim Stadtpark. Vor dort wird der Tross wie bereits im Vorjahr vorbei am Rathaus, Parlament und der Oper bis zum Schwarzenbergplatz ziehen, wo die Abschlusskundgebung "Celebration" stattfindet. Von 17.00 bis 22.00 Uhr werden auf einer Bühne unter anderem Lou Bega und "The Bad Powells" auftreten. Wer danach noch nicht heim will, kann den Tag bei den offiziellen Abschlusspartys im "Ost-Klub" am Schwarzenbergplatz und im "brut" am Karlsplatz ausklingen lassen. Högl rechnet mit mehr als 100.000 TeilnehmerInnen, betonte jedoch: "Das Wetter ist der entscheidende Faktor." Im Vorjahr zählten die Veranstalter 120.000 Gäste.

Sonderbriefmarke zum 15. Jubiläum

Eine Besonderheit hat die 15. Regenbogenparade zu bieten: Die österreichische Post gibt eine eigene Sondermarke heraus. Dabei handelt es sich um die "erste, der homosexuellen Bewegung gewidmete Briefmarke der Welt", erklärte Erich Haas von der Post. Erhältlich ist das rare Stück - es erscheint in einer limitierten Auflage - in einem am Schwarzenbergplatz eingerichteten Sonderpostamt. Gestaltet wurde die Marke von Högl selbst, der Grafiker ist.

"Liebe darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden"

Trotz Partystimmung wies der Organisator heute auf den politischen Charakter der Veranstaltung hin. "Trotz eingetragener Partnerschaft gibt es immer noch einiges zu tun", betonte Högl. So würden gleichgeschlechtliche Paare bei der Adoption oder der medizinisch unterstützten Fortpflanzung immer noch diskriminiert werden. Mit dem Motto "We are family!" wolle man deswegen nicht nur darauf aufmerksam machen, dass Lesben und Schwule eine große Familie seien, sondern auch, dass sie in Familien leben. "Liebe darf in dieser Stadt nicht mit zweierlei Maß gemessen werden", unterstrich auch die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger. Als "Zeichen der Freude", aber auch als als "Zeichen des Kampfes" bezeichnete die Grüne Klubobfrau Maria Vassilakou den Umzug.

Zur Regenbogenparade werden auch zahlreiche ausländische Gäste anreisen, denn: "Wien hat sich heimlich, still und leise zum Hot-Spot der schwullesbischen Szene entwickelt", weiß Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner. Die Bundeshauptstadt punkte vor allem mit ihrem kulturellen und kulinarischen Angebot. Konkrete Zahlen, wie viel der Umzug der Stadt wirtschaftlich bringt, gibt es nicht. Jedoch sei belegt, dass er unmittelbar zu höheren Nächtigungszahlen und dem Image Wiens beitrage.  (APA)

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    Die österreichische Post AG widemt der Regenbogenparade eine Sonderbriefmarke zum 15. Jubiläum.

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