Suche nach neuen Gesichtern in Grazer SPÖ

25. Juni 2010, 14:17
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Hinter den Kulissen stehen Landes- und Stadtpartei intensive Gespräche bevor - Entscheidungen am Mittwoch im Parteivorstand

Graz - Nach dem Machtkampf in der Grazer SPÖ, der folgenden Lähmung der Stadtpartei und dem Eingreifen von LH und SPÖ-Landeschef Franz Voves - er setzte das Ausscheiden der eben erst gewählten Parteichefin Elke Edlinger sowie ihren und ihres Kontrahenten Wolfgang Riedlers Rücktritt durch - wird nun nach neuem Personal gesucht. Am Mittwoch sollen dazu in einer Parteivorstandssitzung die Weichen gestellt werden. Gesucht werden rund drei Monate vor der Landtagswahl ein geschäftsführender Parteivorsitzender, ein neuer Klubchef sowie zwei Stadträte - neben einer neuen Strategie.

Neue Strategie dringend gesucht

Neu besetzt werden müssen wichtige Positionen, ganz zu schweigen vom Zuschütten der Gräben und der Versöhnung der Gruppen untereinander. Der 64 Jahre alte Klubchef Karl Heinz Herper, ein von allen Seiten geschätzter politischer Veteran, hat interimistisch bis zur nächsten Stadtgemeinderatssitzung am 23. September - drei Tage vor der Landtagswahl - die Geschäfte von Riedler als Kultur- und Gesundheitsstadtrat übernommen. Zum gleichen Zeitpunkt soll auch Edlinger als Sozialstadträtin ausscheiden. Den Vorsitz der Stadtpartei musste sie bereits am Donnerstag abgeben, nur sechs Tage nach der knapp gegen Riedler gewonnenen Abstimmung.

Auch muss ein Nachfolger für den zum kurzfristigen Stadtrat avancierten Karl Heinz Herper gefunden. Auf seine politische Erfahrung in kommunalen Fragen und als Parteitaktiker wird man aber künftig nicht verzichten können. Bisher haben sich keine Name aus der Grazer SPÖ aufgedrängt - der Schock, wie es so weit kommen konnte, sitzt offenbar tief. In inoffiziellen Gesprächen mit Grazer Sozialdemokraten entstand bisweilen der Eindruck, dass man fast froh sei, dass Voves sich nun der Sache angenommen hat. Auch das Parteistatut, das der Grazer Stadtgruppe weitreichende Autonomie von der Landesgruppe gewährt, dürfte nun zumindest infrage stehen.

ÖVP: "Menschlich unfassbarer Vorgang"

Erstmals seit einigen Tagen hat am Freitag auch die Grazer Volkspartei Stellung zu dem Drunter und Drüber in der roten Stadtpartei genommen, Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) war bisher sehr zurückhaltend. Geschäftsführer Bernd Schönegger sprach von "roten Chaostagen in Graz" und einem "menschlich und politisch unfassbaren Vorgang". Die Verantwortung dafür ortete Schönegger bei SP-Chef Voves, der "immer über die Vorgänge informiert gewesen" sei. Herper wünsche man in den nächsten drei Monaten die "nötige Kraft, die Ruhe und die stoische Gelassenheit, Eigenschaften, die ihn auch als Klubobmann schon ausgezeichnet haben". Dieser hätte sich gänzlich andere Umstände für seine Ernennung zum Stadtrat und somit für seinen Karrierehöhepunkt verdient. (APA)

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