Kafka und Neuwirth in der Ankerbrotfabrik

25. Juni 2010, 13:39
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"Der Jäger Gracchus": Zweites Projekt der Gruppe "Oper unterwegs" hat am Sonntag Premiere

Wien - Die 2009 gegründete Gruppe "Oper unterwegs" zeigt ab Sonntag (27. Juni) die Uraufführung von Franz Kafkas Erzählung "Der Jäger Gracchus" mit Ton-Zuspielungen der österreichischen Komponistin Olga Neuwirth in der historischen Expedithalle der Ankerbrotfabrik in Wien-Favoriten. Regie führt Helga Utz, es spielt ein fast dreißigköpfiges internationales Schauspieler-Team. Die musikalische Erzählung ist bis zum 3. Juli zu sehen.

Neuwirth, die in diesem Jahr den Großen Österreichischen Staatspreis erhielt, trägt Musikstücke zur Untermalung der 1907 entstandenen Kafka Erzählung bei, die via Tonband eingespielt werden. Für die Soundeffekte ist Jörg Behrens verantwortlich, für die Live-Musik wurden drei Alphornisten verpflichtet. "Oper unterwegs" möchte öffentliche beziehungsweise ungewöhnliche Räume bespielen: "Die vorgefundenen Räume werden nicht 'dekoriert', es gibt keine Kulissen, sondern das theatrale Moment eines Raumes wird durch unsere Aufführung erfasst und verstärkt", erläutert die Gruppe auf ihrer Homepage ihr Konzept.

Im vergangenen Jahr widmete sich die Gruppe einer Aufführung von Ingeborg Bachmanns Erzählung "Undine geht" in einer historischen S-Bahn, für die ebenfalls Olga Neuwirth eine Komposition geschaffen hatte. Diesmal hat man sich für die historische Expedithalle der Ankerbrotfabrik entschlossen, die über eine freitragende Eisenträgerkonstruktion und teilweise noch über die historische Pflasterung verfügt und seit einiger Zeit Freien Gruppen als Spielstätte dient.

In Planung sind die "Recitations" von Georges Aperghis, in der nach Artikulation, nach Ein- und Mehrdeutigkeit von Botschaften gefragt wird, sowie eine Tinnitus-Oper: "Das Ohr hört nichtvorhandene Töne - ein eindringliches 'Bild' für die Überforderung durch Information." (APA)

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