Der Chinese und der Kärntner

25. Juni 2010, 13:27
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Was eine vermeintlich harmlose Presseaussendung nicht alles über eine Partei verrät

Politiker lieben es, sich gegenseitig in APA-Presseaussendungen zu berichtigen, zu kritisieren, in manchen Fällen regelrecht fertig zu machen. Vieles bleibt eine Fußnote unter den wichtigen Nachrichten und Aussendungen des Tages. So eigentlich auch die Aussendung eines gewissen Kärntners, seines Zeichens derzeit geschäftsführender Landesparteiobmann in dem Bundesland.

Der Kärntner, auch der Österreicher genannt oder der Steirer von Geburt, war Anfang der Woche in ein kleines Tête-à-Tête mit einem blauen BMW eines „chinesischen Fahrers" geraten, die Autos haben sich nur „leicht berührt, ja fast gestreichelt", so der Kärntner, der eine Unachtsamkeit seinerseits zugab. Die Kupplung habe sich gelöst. Der Kärntner, ein gewissenhafter Mann, konnte in der Folge der Streicheleinheiten jedoch keinen Schaden erkennen, sein gegenüber, der „Chinese", sah das anders. Der Kärntner vermutet, dass „der chinesische Fahrer mich sofort erkannt hat und vor diesem Hintergrund offensichtlich die Chance gesehen hat, einen schönen Geldbetrag von mir bzw. meiner Versicherung zu kassieren."

Diese Chinesen auch. Jetzt sind sie hier, jetzt wollen sie auch noch ihr Recht, oder zumindest streiten sie dafür. Beides legitim, normal und verständlich - eigentlich. Einem grantelnden Wiener gegenüber, wäre das dem Kärntner nie passiert. Der hätte die Polizei gerufen. Doch der Chinese, einfach keinen Respekt vor dem Kärntner, dem Land, wollte Personalien und Versicherungsdaten.

Das was die Politik einer sich bürgerlich gebende Partei nicht alles ausmacht, steckt in dieser Aussendung. Eine unterschwellige, nein, eine offene Fremdenfeindlichkeit. "Dass der Chinese dieses Ereignis als so weltbewegend angesehen hat, dass er sofort die Medien informiert hat, muss ich zur Kenntnis nehmen." Nein, lieber Kärntner, diese Aussendung hat uns bewogen darüber zu berichten, denn „der Chinese" ist auch ein Mensch wie der Kärntner. Er will sein Recht und sorgt sich um seinen blauen BMW. Für Politikerunfälle sind wir dagegen nur ab einem bestimmten Schweregrad zuständig. (seb, derStandard.at, 25.6.2010)

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