Kill Switch

Google kann Anwendungen von Android-Geräten löschen

Andreas Proschofsky, 25. Juni 2010, 13:54
  • Artikelbild
    foto: archiv

Umstrittene Sicherheitsfunktion soll vor Schadsoftware schützen - Wurde zum ersten Mal eingesetzt

In Fragen des Android Markets pflegt Google einen wesentlich offeneren Zugang als die Konkurrenz von Apple. Während der iPhone-Hersteller jede Anwendung vor der Aufnahme in den App Store einer ausführlichen Prüfung unterzieht - und hier auch immer wieder zu strittigen, negativen Entscheidungen kommt - landen Android-Apps (mit wenigen Ausnahmen) direkt im Market. Eine Offenheit, derer Risken sich Google durchaus bewusst ist, insofern versucht man über diverse Sicherheitsmaßnahmen die eigenen NutzerInnen vor Schadsoftware zu schützen.

Information

Dazu gehört etwa, dass vor der Installation jedes Programms genau aufgelistet wird, welche Berechtigungen dieses anfordert, wenn ein vermeintliches Spiel dann auf SMS-Services zugreifen will, können die NutzerInnen Google direkt über den Android Market über diesen Umstand informieren. Sollte sich dahinter dann tatsächlich eine Software mit bösen Absichten verstecken, entfernt Google sie umgehend, eine Maßnahme zu der das Unternehmen bereits einige Male gegriffen hat.

Notfall

Weniger bekannt ist allerdings, dass Google in solchen Fällen noch eine weitere Sicherheitsebene kennt: Der Android-Hersteller kann nämlich über eine Art Fernwartungsfunktion auch bereits installierte Anwendungen auf den Geräten der UserInnen entfernen. In einem Blog-Eintrag weist das Unternehmen darauf hin, dass man bei zwei Programmen nun erstmals von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat. Konkrete Gefährdung habe für die UserInnen dabei allerdings nicht bestanden, beide Tools seien von Sicherheitsunternehmen aus Testzwecken eingebracht worden. Schadfunktionen hätte es hier entsprechend keine gegeben, allerdings haben die Programme den NutzerInnen falsche Funktionalität vorgespiegelt, um sie zum Download zu bewegen.

Umstritten

Entsprechende Fernlöschfunktionen sind bei mobilen Systemen nicht ungewöhnlich, aber auch mindestens so umstritten wie gebräuchlich. So hatte sich etwa Amazon mit der beeindruckend symbolträchtigen Löschung einer Kindle-Version von George Orwells "1984" einigen Ärger - und jede Menge negative PR - aufgehalst. Entsprechend vorsichtig gibt man sich in dieser Frage auch bei Google: Wie das Unternehmen betont, hoffe man darauf, dieses Feature nie verwenden zu müssen, in einem Notfall könne man so aber in kürzester Zeit eine Schadsoftware weltweit von allen Handsets entfernen. (apo, derStandard.at, 25.06.10)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 134
1 2 3 4
Bastian Balthasar Bux
00
Einerseits stringent, andererseits

wäre es mir lieber, ich könnte so etwas deaktivieren.

Zur Stringenz: da der otto-normalo auf seinem android (zum Glück) keinen root-zugang hat, wäre ein otto-normalo sogar als poweruser vermutlich kaum in der Lage eine schädliche app selbst restlos zu entfernen. Somit ist es stringent, dass das von Google als Service am User gemacht werden kann.

Andererseits sollte es die Möglichkeit geben, diesen Kill-Switch per Einstellung zu deaktivieren, wenn man das möchte.

Alex M
00
27.6.2010, 12:49
Die Feder ist mächtiger als das Schwert!

Die besagte App wurde vom Entwickler selbst aus dem Market entfernt und wird nicht weiter gewartet. Weiter wurde die App von den meisten Anwendern aufgrund von Sicherheitsbedenken wieder entfernt.

Elduderino78
11
27.6.2010, 11:12
nur so als info am rande

google kann natürlich über eine ähnliche funktion auch software installieren
..ist nicht schlimm finden sie? finde ich schon denn diese funktion kann von dem berühmten "dritten mann in der mitte" herrlich ausgenützt werden .

abgesehen davon bleibt halt nicht viel von: offen, sicher, und unkontrolliert über vom androiden ...schade eigendlich weil wenn google so weitermacht wird linux "dämonisiert" leider

Senator Alvin M. Greene
00
27.6.2010, 11:34

Der Mann in der Mitte kann natürlich keine Software installieren. Das wäre nur möglich wenn Google einen wirklich großen Bug eingebaut hätte.

Strpüpl Kotu
00
29.6.2010, 08:43
und google ist ja schon amtsbekannt perfekt.

Rent a Democracy
20
27.6.2010, 10:11
Also lieber demnächst kein Android.

Schade. Aber ich mag es halt nicht, wenn Hersteller das Produkt, für das ich gutes Geld bezahlt habe, auch danach noch als ihr Eigentum betrachten.

Sir Harry....
00
27.6.2010, 12:14
Also lieber demnächst kein Android.

Aha... Gut. Und was soll bitte die Alternative sein?

Apple? Blackberry? Wieso gehen Sie davon aus, dass sie damit besser fahren werden?

Die ganze Diskussion wird nur geführt, weil:

1. Google Quellen offen gelegt sind, und es nicht verheimlicht wird.

2. Google über die Löschung informierte

3. Unqualifizierte Angstmache in der Presse bei genau so wenig qualifizierten Lesern sehr gut ankommt.

Ich sehe es genau anders herum: dass Google's Android mit seinen Funktionen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht ist die beste Garantie, dass hier nichts schief geht.

Rent a Democracy
01
27.6.2010, 13:00
Ein ganz primitives kleines Telefon zum telefonieren.

Das erfüllt nämlich auch seinen Zweck. Ein Smartphone ist nice to have, aber nicht etwas, das man zwanghaft haben muss. Außer man ist kaufkrank.

Hätte Google die Sache unter der Decke gehalten, wäre es genauso bekannt geworden und der Ärger der Konsumenten noch viel größer.

A. E. Neumann
00
27.6.2010, 11:52

Für Android zahlen Sie gar nix, es ist free of charge. Weiters verfügen Sie lediglich über eine Nutzungslizenz, die Software ist nicht Ihr Eigentum. Und abgesehen von all dem: Sie wissen sicher, ob im iPhone, Blackberry, den Symbian Phones und all dem anderen closed source Zeug sowas nicht drin ist?

Kennen Sie den Source Code Ihres Telefones? Können Sie sich noch an die over-the-air Updates der früheren One erinnern? Das ist schon Jahre her und die haben weder den Kunden gefragt, noch diese vorher darüber informiert.

Es handelt sich hier also nicht um ein Android Problem, sondern um die Courage von Google, das den Leuten zu sagen. Auch auf die Gefahr hin, dass Leute wie Sie nicht verstehen worum es hier geht.

Rent a Democracy
00
27.6.2010, 13:08
Dass Software als Lizenz verkauft wird ist ein juristischer Winkelzug,

um Vorteile für den Verkäufer herauszuholen, nichts anderes. Dass es kostenlos ist kann man nicht behaupten, denn um es betreiben zu können, brauchst Du entsprechende Hardware, die kostet. Letztlich ist das ein Produktbundle. Das System ist mein Eigentum und die Daten darauf ebenfalls. Man darf im Prinzip keinem datenverarbeitungstechnischen Gerät vertrauen, Software kann immer eine Hintertür enthalten. Das gilt für OSS und CSS gleichermaßen, OSS hat bietet wenigstens potentiell größere Chancen dass sowas entdeckt wird.

Ich bleibe dabei: Es ist mein Gerät, es sind meine Daten, ich bestimme allein, welche Vorgänge darauf ablaufen dürfen und welche nicht. Wenn der Anbieter meint, ihm stünden Eingriffe in mein Gerät zu, wars das für mich.

A. E. Neumann
00
28.6.2010, 10:12

Das ist kein "Winkelzug", das ist die Art und Weise wie Softwarehersteller ihre Produkte vermarkten. Es gibt auch welche, die Software verkaufen, allerdings darf der Käufer diese dann auch in unbegrenzter Stückzahl (Kopien) verkaufen. Ein ziemlich großer Unterschied, finde ich. Und damit kein "Winkelzug".

Aber wahrscheinlich verwechseln Sie auch beim Leasing "Ihr" Eigentum mit dem Eigentum der leasinggebenden Bank. So wie viele in diesem Land.

amber103
00
27.6.2010, 00:05
Antivierenprogramme verbieten.

Antivirusprogramme gehen das Problem der Schadsoftware von der verkehrten Seite an.

Das Betriebssystem bzw. der Distirbutor sollten ihr System so schützen, dass Schadsoftware von Prinzip her keine Chancen bekommt, und falls ein Schadprogramm durchschlüpft dieses weltweit komplett selbst bekämpfen kann. Der Prozess der Löschung sollte dabei möglichst transparent sein.

Der Ansatz von Android ist ein brauchbarer Vorschlag, angesichts der Tatsache dass sich bekannte Antivirusprogramme in bestimmten Betriebssystemen beinahe wie Viren benehmen.

Bachsau
00
Aha...

Viel Ahnung scheinst du nicht zu haben, oder? :)

Schadsoftware einfach so vom Prinzip aussperren geht auch nur bis zu einem gewissen Grad. Das ist genausowenig möglich, wie dass du zwei Leute in einer Wohnung lässt und dabei sicherstellst, dass der eine den anderen nicht umbringt. Du kannst die Küche abschließen, aber das macht es nicht sicher.

Sir Harry....
01
27.6.2010, 12:17
Das Betriebssystem bzw. der Distirbutor sollten ihr System so schützen, dass Schadsoftware von Prinzip her keine Chancen bekommt, und falls ein Schadprogramm durchschlüpft dieses weltweit komplett selbst bekämpfen kann.

Sie sollten diese Idee unbedingt patentieren lassen. Denn offensichtlich ist bis jetzt noch niemand darauf gekommen.

Das wird die Computerwelt revolutionieren: und die Welt wird es Ihnen zu verdanken haben.

A. E. Neumann
00
27.6.2010, 11:56

Auf einem Symbian (Nokia) lässt sich nur signierte Software installieren. Die Signatur ist teuer und nicht so einfach zu kriegen. Das Ergebnis: Kaum brauchbare Apps, frustrierende Installationsprozeduren und Signaturen, die über die Zeit ablaufen.

Ein typischer Tekkie Vorschlag. Nokia fährt ordentlich ein mit Ihrer Strategie. Apple und Google machen das nicht und sind erfolgreich. Vielleicht sollten Sie in Ihrer Strategie auch ein klein wenig das umliegende "Ecosystem" berücksichtigen. Und die Tatsache, dass die Leute schnell auf den leichten Weg umschwenken (iPhone, Android), wenn er da ist.

Uljanov-Blank
00
26.6.2010, 23:28
Pros ueberwiegen die contras.

und wer will kanns eh umgehen, aber dann riskiert er bewusst.

Bei Apple ist dies nicht moeglich.
Bei Microsoft ist dies auch reguliert.
Ich will keinen dialer im telefon haben, daher begruesse ich diesen schritt.

Sir Harry....
02
26.6.2010, 21:46
Die ganze Diskussion hier ist viel zu oberflächlich. "Hat's der Google: ja oder nein?!" "Hat's Apple: ja oder nein?!"

Das ist doch nicht die Frage!

Smartphone ist ein Computer und wir wollen darauf Apps installieren, um es unseren Bedürfnissen anzupassen.

Es wird mit Sicherheit von "bösen Buben" missbraucht. So.

Was muss der Betriebssystemhersteller tun, um dem Problem Rechnung zu tragen? Apple schützt den AppStore und sagt jedem dass es für ein gerootetes Handy keine Verantwortung übernimmt.

Sind damit alle Eventualitäten abgedeckt? Es ist nur eine Frage der Zeit, bis so ein "rootkit" auch über Appstore auf die Geräte durchsickert. Was dann?

Angenommen, Apple und Google haben nix für diesen Fall eingebaut: dann sind wir auf uns gestellt. Ist es OK so?!

In Europa vielleicht kein Problem: in den USA warten schon die Rechtsanwälte mit Gewehr bei Fuß..

Der Mann
00
26.6.2010, 23:31
he

alter wie leben in europa.

was soll diese unlogische gedankenkette.

es ist ein wahnsinn, wenn ein hersteller ein türchen einbaut, mit dem er apps löschen kann.

ist genauso, wenn vw einfach mal so über die ferne deinen selbstgebauten subwoofer lahmlegen kann.

ich mein hallo - wo sind wir bitte, wer hat das recht in mein privates handy einzudringen?
eigentlich nicht mal der staat - aber google darfs

mr.fusion
00
26.6.2010, 14:05
open source?

dachte android sei open source, d.h. jeder kann den quellcode lesen. und da kommt man erst jetzt drauf, dass diese routine eingebaut ist?

Sir Harry....
01
26.6.2010, 15:48

Erstens: die Routine war immer schon bekannt. Nur hat man es in der Presse eben nicht so heiß diskutiert.

Zweitens: diejenigen, die den Code lesen konnten, wissen wofür es gut ist, und sehen (genau wie ich) vorerst keinen Anlass auf die Alarmglocke zu hauen.

Google hat es zum ersten Mal eingesetzt und hat etwas Sinnvolles damit gemacht: im Unterscheid z.B. zu Microsoft, die in der Firefox-Installation herumgepfuscht haben.

Fahrlässig wäre, wenn Google diese Funktion NICHT eingebaut hätte.

Nochmals: schlimm ist nicht die Funktion, sondern der Missbrauch dieser.

Und ein Missbrauch liegt bis jetzt nicht vor. Definitiv.

Und sogar Google genießt in unserer Gesellschaft (genau wie Sie selbst) das Recht der Unschuldsvermutung.

mr.fusion
01
26.6.2010, 18:31

ok, danke für die erklärung.
frage noch: ist dieser kill switch im basis-system verankert, oder gehört er nur zum android market: kann also jede anwendung per remote gelöscht werden, oder geht das nur bei apps, die über den android market installiert wurden? zweiteres find ich nämlich auch vertretbar, zumal es ja auch alternative stores gibt und man anwendungen auch händisch installieren kann.

Sir Harry....
00
26.6.2010, 22:01
Hier wird irgendwie per Definition über den Missbraucch dieser Mittel von Google ausgeganen.

Kann sein, die Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr gering, dass es im großen Stil geschehen wird: wenn es auffliegt, wäre es ein AUS für Android.

Angenomen, die von "externen" Quellen installierte Apps sind davon ausgenommen, und sie bekommen so eine dicke "Wanze" (wird bestimmt wahrscheinlicher sein, als es von Google zu bekommen). Wollen Sie für diesen Fall damit wirklich alleine kämpfen?

Ist es dann das, was Sie wollen? Vom Google und HTC zu hören "wir waschen die Hände in Unschuld, Pech gehabt!"

Die Chance, dass Google es missbraucht ist gegeben, aber gering. Die Wahrscheinlichkeit dass es andere missbrauchen liegt bei 100%

So. Und was wollen wir in so einer Situation wirklich?

beamen ohne heisenberg kompensator
00
27.6.2010, 11:09

Die möglichkeit das google von einer staatlichen stelle gezwungen wird ein nicht genehmens programm auf den user geräten zu löschen kommt ihnen nicht in den sinn?

Der Mann
00
26.6.2010, 23:36
ich will

, dass sie endlich aufwachen!

hallo bauen wir jetzt unseren potentiellen verbrechern, also allen menschen auch einen kill switch ein?

ich glaub ihnen gehts nicht mehr ganz gut, dass sie diesen schwachsinn verteidigen.

wenn es einen killswitch gibt, muss es eine option geben, mit mit der ICH ihn aktivieren kann !!!

alles andere ist indiskutabel - also wachens bitte aus ihrem trauma auf.

google wird immer verrückter zuerst spionieren sie menschen aus und jetzt verschaffen sie sich illegal zugriff auf privateigentum.

Senator Alvin M. Greene
02
26.6.2010, 12:38

So, jetzt ist es offiziell.

Google kann auch Anwendungen am Handy INSTALLIEREN.

Das heißt wohl, dass Google jedes Android Handy zu einer Wanze machen kann.

Google hat die Möglichkeit den Standort jedes Android Handys festzustellen, kann Gespräche aufnehmen und diese Sounddateien zum Server schicken.

Auch wenn das Google wohl nicht machen wird, so ist es durchaus möglich dass die Geheimdienste das sehr wohl machen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 134
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.