Kaiserschnitt-Kinder neigen zu Allergien

25. Juni 2010, 12:41
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Geburtsart prägt Zusammensetzung der individuellen Keimflora - Sectio-Kinder sind später möglicherweise anfälliger für Allergien

Washington - Die Geburtsart eines Kindes prägt die Zusammensetzung seiner individuellen Bakterienflora. Bei einer Spontangeburt nimmt das Baby einer Studie zufolge vor allem jene Keime auf, die in der Scheide der Mutter leben. Nach einem Kaiserschnitt dominieren dagegen gängige Hautbakterien ohne jeglichen Bezug zu den mütterlichen Mikroben. Dies könnte erklären, warum Kinder, die per Schnittentbindung zur Welt kommen, später verstärkt zu Allergien und Asthma neigen.

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät, maximal 15 Prozent aller Kinder per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, liegt der Anteil in vielen Ländern weit höher. In Deutschland kommt fast jedes dritte Baby per Sectio zur Welt, in China sind es fast 50 Prozent. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass diese Kinder später anfälliger sind für Asthma, Allergien oder für die Autoimmun-Erkrankung Diabetes 1.

Staphylokokkenbesiedelung

Eine Studie unter Leitung der Universität von Puerto Rico könnte diese erhöhte Anfälligkeit erklären. Die Forscher untersuchten zehn Neugeborene am ersten Lebenstag. Sie entnahmen Abstriche von Haut, Mund, Rachen und Verdauungstrakt und bestimmten per Genanalyse die gefundenen Mikroorganismen. Bei den spontan entbundenen Babys ähnelten die Keime der vaginalen Bakterienflora der Mutter. Bei jenen Kindern, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, fehlte diese mikrobielle Ähnlichkeit vollständig. Sie waren hauptsächlich von Staphylokokken besiedelt. Diese Keime besiedeln meist die Haut und können mitunter Krankheiten verursachen.

"Es scheint, als ob die Neugeborenen auf dem Weg nach draußen die Bakterien ihrer Mütter auflesen", sagt der an der Studie beteiligte Biologe Noah Fierer von der Universität von Colorado. "Beim Kaiserschnitt könnten die Bakteriengesellschaften dagegen von der ersten Kontaktperson stammen, etwa dem Vater."

Die frühen Keimkolonien könnten das sich entwickelnde Immunsystem des Kindes entscheidend prägen, vermuten die Forscher im Fachblatt "PNAS". Zudem könnten die ersten Bakterien das Baby vor der Ansiedlung von Krankheitserregern schützen, glaubt Fierer: "Die Haut Neugeborener ist wie frisch bestellte Erde, die die ersten Pflanzensamen erwartet - in diesem Fall Bakteriengesellschaften."  (APA)

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    Neugeborene, die per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblicken, akquirieren Keime von ersten Kontakpersonen.

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