Diskussion um Online-Umfragen: Billig-Variante oder "die Zukunft"

25. Juni 2010, 11:29
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"Spectra" skeptisch: "fällt auf Branche zurück" - "market": "Face to face wird irgendwann Steinzeit"

Online-Umfragen werden immer häufiger, sind aber unter Experten umstritten. Derzeit würden "viele problematische Dinge produziert, die auf die Branche zurückfallen", findet Peter Bruckmüller, Geschäftsführer des Linzer Marktforschungsinstituts "Spectra". Auch für IMAS-Geschäftsführer Gernot Hendorfer ist die Repräsentativität vorerst noch nicht gewährleistet. "market"-Institutsleiterin Dagmar Beutelmeyer hingegen sieht die Zukunft "eindeutig im Netz".

Die Kosten einer Online-Umfrage liegen bei 70 bis 80 Prozent einer telefonischen, erklärte Bruckmüller einen wesentlichen Vorteil des Internets. Bei "Spectra" stehe man der Sache aber skeptisch gegenüber, das Institut führe nach wie vor 70 bis 80 Prozent der Umfragen über das Telefon und 20 Prozent persönlich durch, der Online-Anteil sei gering. Auch IMAS arbeitet großteils mit den klassischen Methoden und "nicht wirklich viel" online.

Bei "market" hingegen machen die Online-Interviews bereits ein Viertel aus. "Face to face wird irgendwann Steinzeit", ist Beutelmeyer überzeugt. Der Weg über das Internet sei "die Zukunft", weil schneller und direkter, Umfragen zu aktuellen Fragen könnten binnen 24 Stunden durchgeführt werden. Die Qualität sei ebenso gut wie über das Telefon, ist sie überzeugt. "market" greife mittlerweile auf einen Pool von 10.000 Usern zu. Ein Problem gebe es nur beim Segment der Über-60-Jährigen, das werde sich aber in den kommenden Jahren rasch ändern.

Probleme bei Repräsentativität

Bruckmüller hat hinsichtlich der Qualität Zweifel: Der Großteil der Institute habe 35.000 Online-Adressen zur Verfügung, das entspreche weniger als einem Prozent der Österreicher. Per Telefon oder mit persönlichen Interviews erreiche man hingegen beinahe 100 Prozent. Hendorfer attestiert Online-Umfragen mittelfristig ebenfalls noch Probleme bei der Repräsentativität. Denn die Generation 50-plus sei großteils nicht Internet-affin.

Aber auch Skeptiker sehen bereits jetzt Einsatzmöglichkeiten von Online-Umfragen, etwa für Mitarbeiter- oder Kundenzufriedenheitsstudien. Außerdem könne man Videos präsentieren, was übers Telefon nicht gehe, so Bruckmüller. Ein Weg, die Qualität des Adressenmaterials zu verbessern, sei die telefonische Rekrutierung von Testpersonen: Dadurch können Stichproben so zusammengestellt werden, dass sie den jeweiligen Umfragen gerecht werden. Einhelliger Tenor der Branche: Langfristig werde sich Online wohl durchsetzen, uneinig ist man allerdings, ob die Zeit dafür tatsächlich schon reif ist. (APA)

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