Triumph reißt in Hartberg der Faden

25. Juni 2010, 10:14
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Der Wäschekonzern Triumph International schließt Ende Oktober das oststeirische Werk, 290 Mitarbeiter sind betroffen

Graz - Triumph International wird das oststeirische Werk Hartberg mit Ende Oktober schließen. Entsprechende Angaben der Gewerkschaft pro.ge wurden am Freitagvormittag von Unternehmens-Sprecher Jörg Ebner bestätigt. Die Werksschließung bedeutet für 290 Menschen den Verlust des Jobs. Sei das Inlandsgeschäft in der Krise relativ stabil geblieben, litten vor allem die internationalen Märkte, sagt Ebner im Gespräch mit derStandard.at. Vor allem in Osteuropa sei die Nachfrage eingebrochen, so der Sprecher. Dementsprechend hätte man die Überkapazitäten in Hartberg abzubauen gehabt. Pro.ge-Landessekretär Josef Pesserl: "Dass ein internationaler Konzern aus Gründen der Gewinnmaximierung 300 Arbeitnehmer, vornehmlich Frauen, einfach auf die Straße setzt, ist inakzeptabel". Laut Triumph ist die Kurzarbeit in allen Werken beendet, es sollen keine weiteren geschlossen werden.

Der drohende Arbeitsplatzverlust in einer ohnehin strukturschwachen Region ist für die Betroffenen eine Katastrophe", meint Pesserl in einer Aussendung. Was ihn zudem ärgert: Es gebe zurzeit von Seiten des Konzerns keine Gesprächsbereitschaft über Alternativen zur Betriebschließung. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten. Die Menschen werden vor vollendete Tatsachen gestellt und verlieren von einem Tag auf den anderen ihre Existenzgrundlage", kritisiert Pro.ge-Vizechef Karl Haas. Er fordert die Eigentümer auf, unverzüglich Gespräche über alternative Möglichkeiten zur Standortschließung aufzunehmen.

Kurzarbeit im Vorjahr

Schlechte Nachrichten gab es für die Hartberger Mitarbeiter des Dessous-Herstellers schon Juni letzten Jahres. Damals wurden sie für unbestimmte Zeit in Kurzarbeit geschickt. Neben Hartberg arbeiteten zu dieser Zeit weitere 472 Triumph-Näherinnen an den Standorten Oberwart, Oberpullendorf und Aspang kurz. Das Unternehmen, das 90 Prozent seiner Produkte exportiert hoffte auf Besserung im Herbst - an Kündigungen sei nicht gedacht. Tatsächlich hätten die Mitarbeiter an den weiteren Standorten in Österreich derzeit keine weiteren Schließungen zu befürchten, sagt Ebner. Während in Hartberg die produktionstechnisch unkomplizierten Slips hergestellt wurden, sei an den anderen Standorten weit höheres Know-How in der komplexen Büstenhalterproduktion von Nöten, und das habe man speziell in Österreich.

Betroffenheit in der Politik

Als eine "Katastrophe für die Stadt Hartberg" und die gesamte Region sahen am Freitag Bürgermeister Karl Pack (ÖVP), die steirische FPÖ und KPÖ die Schließung. Neben der menschlichen Tragik gebe es auch einen weiteren Aspekt - der oststeirischen Stadt entginge nun auch die Kommunalsteuer des Betriebs, so Pack zur Austria Presseagentur. Für ihn komme die Schließung "absolut überraschend". Gerhard Kurzmann, steirischer FPÖ-Chef und Spitzenkandidat für die Landtagswahl im September, zeigte sich erzürnt darüber, dass "die österreichische Bundesregierung Milliarden Euro für andere Länder übrig hat, gegen die Arbeitslosigkeit im eigenen Land jedoch nichts unternimmt". Die KPÖ forderte von der steirischen Landesregierung sinnvolle Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit. (Regina Bruckner)

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    Ideen aus dem Innovationsaward - den Hartbergern helfen die kessen Entwürfe nicht.

  • 2009:Proteste gegen eine Werkschließung auf den Phillipinen.
    foto: epa

    2009:Proteste gegen eine Werkschließung auf den Phillipinen.

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