Geheimoperation in der Sahara

25. Juni 2010, 12:23
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Hamdani und Göldi sollten an die libysche Südgrenze gefahren und in der Wüste abgesetzt werden

Weihnachten im Kreise ihrer Liebsten - davon träumten Rachid Hamdani und Max Göldi in der Adventszeit 2008. Die beiden Schweizer sassen schon fast ein halbes Jahr lang in Libyen fest. Ohne Pässe, die das Regime von Muammar al-Ghadhafi konfisziert hatte. Ohne Hoffnung, das Land bald zu verlassen. Zumindest nicht bevor die Eidgenossenschaft und Libyen die Querelen nach der Verhaftung des libyschen Herrschersohns und Prüglers Hannibal in Genf halbwegs beigelegt haben würden. So weit war es erst vorletztes Wochenende. Nach Hamdani kam auch Göldi frei.

Seither wurde publik, dass die Eidgenossenschaft auch unkonventionelle Pläne geschmiedet hatte, um dem zeltenden Diktator das menschliche Pfand abzuluchsen. Bundespräsidentin Doris Leuthard sprach von einem «Einsatzbefehl» für «Befreiungsaktionen». Die Geschäftsprüfungsdelegation informierte, sie sei «relativ früh», im Frühjahr 2009, über «mögliche Unterstützungsmassnahmen» des Militärdepartements bei solchen Aktionen eingeweiht worden. Unklar bleibt, was wann geplant war. Und wer im Bundesrat davon wusste.

Fluchtplan war gediehen

Von den Varianten war mindestens eine weit fortgeschritten. In einer ersten Phase konnten sich die beiden Schweizer - anders als später - noch frei innerhalb Libyens bewegen. Verfolgt wurden sie nur von der ständigen Angst vor neuer Repression. Während Göldi sich meist in der Schweizer Botschaft verschanzte, versuchte Hamdani ausserhalb einen so normalen Alltag wie möglich zu leben. Beide machten sich intensiv Gedanken, wie sie ihrer misslichen Lage entkommen könnten. Unmittelbar vor Weihnachten 2008 war ein Fluchtplan weit gediehen. Gemäss einer gut informierten Quelle war zur Tarnung eine Touristenreise in einem Geländewagen mit Vierradantrieb in den Süden Libyens geplant. Ziel war es, die zahlreichen Strassenkontrollposten zu passieren, ohne den Argwohn der Sicherheitskräfte zu erregen.

An der libyschen Südwestgrenze liegt die Oase Ghadames. Die Stadt im Dreiländereck mit Tunesien und Algerien gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Von dort starten Wüstensafaris in die Sahara. In der weltgrössten Wüste bestand gemäss der Quelle die Möglichkeit, die Festgehaltenen «zu verlieren» und mit lokalen Schleppern über die Grenze zu bringen. Die Flucht scheiterte jedoch, bevor sie richtig begonnen hatte. Offenbar stellten algerische Stellen der Eidgenossenschaft unannehmbare Bedingungen. Ohne ihre Einwilligung war es kaum möglich, die Schweizer rauszubringen. Die Libyer sollen danach Wind von der Sache bekommen haben. Daran sollen spätere ähnliche Pläne gescheitert sein.

"Ich war einige Wochen in Libyen"

An früheren Planungen beteiligt gewesen sein soll auch Jacques Pitteloud, der ehemalige Koordinator der Schweizer Geheimdienste. Pitteloud diente ab 1990 im Schweizer Nachrichtendienst. Nach dem Millennium koordinierte er fünf Jahre lang die Arbeit der verschiedenen geheimen Einheiten. Später fungierte er als Chef des Zentrums für Internationale Sicherheitspolitik im schweizerischen Aussenministerium. Im Rang eines Botschafters stellte er den Kontakt zwischen Aussenpolitik und dem Nachrichtendienst sicher. In der Armee kommandierte Pitteloud Panzergrenadiere.

In der ersten heissen Phase der Krise zwischen der Schweiz und Libyen, im Sommer 2008, weilte Pitteloud über einen Monat lang in der libyschen Hauptstadt. Der 48-Jährige erklärte gestern auf Anfrage: «Ich war in jener schwierigen Phase einige Wochen in Libyen, um die Schweizer Botschaft zu unterstützen.» Es sei unter anderem darum gegangen, dass die zahlreichen Schweizer, die damals im Land festsassen, ausreisen konnten. Nicht äussern wollte sich Pitteloud gestern zu einem Satz in der Westschweizer Zeitung "Le Matin Dimanche", wonach er bis zu seiner Abreise am 5. September «auch die Möglichkeit einer Exfiltration der Schweizer geprüft» habe. (Thomas Knellwolf/tagesanzeiger.ch)

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    Simulierte Geiselbefreiung bei der Militärsportveranstaltung "Swiss Raid Commando"

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    Hier sollten die Schweizer Geiseln abgesetzt werden: Libyens Wüste.

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