OeNB schweigt zu Stresstest-Sorgenkindern

25. Juni 2010, 12:36
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Der neue Belastungstest für die heimischen Banken liegt vor - Sektor schnitt insgesamt besser als im Herbst 2009 ab

Wien - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) attestiert den heimischen Banken in Summe eine Verbesserung beim Frühjahrsstresstest gegenüber dem Herbst 2009, hält jedoch fest, dass die Kapitalausstattung vergleichsweise niedrig ist. Zudem müssten bereits laufende Strukturanpassungsprozesse im Bankensektor weiter vorangetrieben werden. OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny hat sich zudem dafür ausgesprochen, das staatliche österreichische Bankenpaket um ein weiteres Jahr zu verlängern. Das österreichische Bankenhilfspaket läuft sonst Ende 2010 aus.

Einzelne schon bisher schwächelnde österreichische Banken würden von einem neuerlichen Rückfall Österreichs und Osteuropas in eine Rezession (double dip) noch mehr belastet. Die OeNB bescheinigte den Banken im Land generell eine gute Krisenresistenz. Wer im Worst-Case-Szenario des jüngsten Stresstests allerdings durchgefallen wäre, wurde nicht verraten. Bestätigt wird ein gewisser Restrukturierungsbedarf. Fragen, welche der Banken im Land bei dem extremen Belastungstest mit Blick auf Kreditrisiken und Kapitalquoten durchgefallen wären, ließ die Notenbankspitze am Freitag explizit unbeantwortet. Betont wurde, dass es sich beim Stresstest nicht um Prognosen handle.

Im Juli wird Österreich allerdings die Ergebnisse für die zwei bis drei größten Banken nennen, die im derzeitigen europäischen Stresstest der EU-Systembanken auf Herz und Nieren, vor allem ihre Kapitalstärke und Krisenresistenz, abgeklopft werden. Die drei größten Banken Österreichs sind Bank Austria, Erste Group und Raiffeisen. Die Bank Austria könnte aber im UniCredit-Test (Italien) enthalten sein.

Geheime Daten

Wie im seit heute vorliegenden Frühjahrs-Test der OeNB alle Banken im Land abgeschnitten haben, bleibt aber geheim. "Wir bleiben dabei, dass keine Einzelbanken genannt werden", hieß es bei der Präsentation des Finanzmarktstabilitätsberichts. Dort wo es Veränderungsbedarf gebe, werde das mit den Banken gemeinsam diskutiert, erklärten OeNB-Chef Ewald Nowotny und Direktor Andreas Ittner.

Auch Schulnoten wollte die Notenbank nicht vergeben. Nowotny: "Ich habe zwar eine Vergangenheit als Professor, will aber hier nicht mit Schulnoten arbeiten". Als Grundaussage gelte: Dass das österreichische Bankensystem in seiner Gesamtheit als stabil zu betrachten sei.

Im Finanzmarktstabilitätsbericht, der heute vorgelegt wurde, heißt es freilich auch: "... Für Banken aber, die bereits substanziell geschwächt aus der jüngsten Krise hervorgingen, bestätigen die Stresstests die Notwendigkeit der bereits laufenden Strukturanpassungs- oder Restrukturierungsprozesse."

Im Belastungstest unter Annahme einer neuerlichen schweren Rezession würde die Kernkapitalquote (Tier 1) der größten sechs Banken in Österreich von 9,5 Prozent auf im Schnitt 8 Prozent im Jahr 2011 sinken, ergab der heute nur gesamthaft vorgestellte österreichische Bankentest.  Die Notenbank sprach allerdings von einer "breiten Streuung" in diesem Mittelwert. Zu den Häusern unter Stressbedingungen mit den knappsten Kapitalquoten wurde jede Angabe strikt vermieden. Das System sei aber stabil.

Die "Big 6" sind: Bank Austria, Erste Group, RZB/RI, BAWAG, ÖVAG und Hypo Alpe Adria.

Sollte das extreme Stress-Szenario eintreten, blühten den österreichischen Banken für das Jahr 2010 mit rund 15 Mrd. Euro an Kreditwertberichtigungen 50 Prozent mehr Vorsorgen und Abschreibungen auf faule Kredite als 2009 (10 Mrd. Euro). Gegenüber dem "Basisszenario" von heuer geschätzten 8 Milliarden Euro würden im extremen Stressszenario weitere 7 Mrd. Euro dazu kommen, in Summe also 15 Milliarden. Wieviel 2011 nötig würde, wurde nicht gesagt.

Unsicherheiten

Unsicherheitsfaktor Nummer eins im Frühjahr 2010 sei die Instabilität der öffentlichen Finanzen einiger Euro-Länder, heißt es im Bericht. "Die österreichischen Banken sind in diesen Ländern allerdings im internationalen Vergleich nicht in besonders hohem Ausmaß exponiert, da sie stärker in Zentral-, Ost- und Südosteuropa (CESEE) engagiert sind, wo jedoch gemäß den aktuellen Prognosen von IWF und Europäischer Kommission bereits ein moderater Aufschwung eingesetzt hat", erklärt Nowotny anlässlich der Präsentation der 19. Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichtes der OeNB.

Nowotny appellierte heute zugleich, die Stresstests nicht zu überschätzen. Sie seien, aus den USA kommend, eine "Modeerscheinung". Ihre Interpretation sei zweifellos riskant.

Das Umfeld für die heimischen Banken bleibe schwierig. Die gestiegenen Kreditwertberichtigungen würden aufgrund des scharfen Wirtschaftseinbruchs weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben. Zwar habe das Bankensystem an Ertragskraft eingebüßt, bleibe aber weiterhin insgesamt profitabel. Allerdings sei die Streuung der Profitabilität unter den einzelnen Instituten hoch.
Problematisch sei nicht zuletzt das Kreditgeschäft der österreichischen Banken. Die Kreditzinsen sind auf historisch niedrigem Niveau, die Kreditvergabe der Banken wies seit Ende 2009 negative Jahreswachstumsraten auf. Laut OeNB habe dies sowohl angebots- als auch nachfrageseitige Ursachen.

CEE profitabel

Die österreichischen Bankentöchter in Ost- und Südosteuropa konnten 2009 einen positiven Beitrag liefern. Das Periodenergebnis nach Steuern aller Osteuropa-Auslandstochterbanken betrug 2009 rund 1,8 Milliarden Euro (2008: 4,2 Milliarden Euro), heißt es im Bericht weiter. Auch hier habe sich die Heterogenität der Entwicklung deutlich erhöht. Die erwarteten konjunkturellen Erholungstendenzen in dieser Region lassen durchaus Verbesserungen bei den Tochterbanken österreichischer Konzerne erwarten, wenngleich auch hier durch allfälliges Auslaufen von internationalen Stützungsmaßnahmen erhöhte Risiken bestehen.

Die konsolidierte Kernkapitalquote seit seit ihrem Tiefpunkt 2008 wieder um zwei Prozentpunkte auf 9,3 Prozent gestiegen. "Dieser Anstieg erhöhte zweifellos auch die Risikotragfähigkeit der Banken. Allerdings ist angesichts der laufenden Regulierungsinitiativen mittelfristig ein weiterer Eigenmittelbedarf des österreichischen Bankensektors zu erwarten. Das schreibt die Notenbank zum aktuellen Stresstest.

Die Unsicherheiten auf den Finanzmärkten würde die Messlatte für die Kernkapitalquote immer höher treiben, stellte OeNB-Direktor Ittner fest. Extreme Kernkapitalquoten von 12, 13 oder 14 Prozent, wie sie einige internationale Institute vorweisen könnten, seien aber Extremwerte und für österreichische Banken keine relevante Vergleichsgröße. Für weiteres Wachstum werde aber sicher weiteres Kapital erforderlich sein, so der OeNB-Direktor.(APA/red)

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