Höheres Risiko für Schulterverletzungen

25. Juni 2010, 08:46
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Verschleiß des Schultergelenks abhängig von Zeitdauer im Rollstuhl

Heidelberg - Querschnittgelähmte, die vollständig auf den Rollstuhl angewiesen sind, erleiden früher und häufiger Bänderrisse in der Schulter als Menschen, die nicht im Rollstuhl sitzen. Diesen Zusammenhang belegte Michael Akbar von der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg und zeigte erstmals, dass der Verschleiß des Schultergelenks primär von der Länge der Zeit im Rollstuhl und weniger vom Alter der Betroffenen abhängt. Für seine Arbeit, die 2010 im „Journal of Bone and Joint Surgery" veröffentlicht wurde, ist der Mediziner im Juni 2010 mit dem Vernon L. Nickel Award der American Orthopedic Rehabilitation Association ausgezeichnet worden.

Das Schultergelenk wird hauptsächlich durch Sehnen und Muskeln stabilisiert. Sich ständig wiederholende Bewegungen und starke Belastungen in Schulter- und über Kopfhöhe fördern vermutlich den Verschleiß der Weichteile: Besonders die Sehnen können ganz oder teilweise reißen. Auch zunehmendes Alter erhöht das Risiko für Muskelsehnenrisse, sogenannte Rotatorenmanschettenrupturen, in der Schulter.

Belastung der Schulter nicht vermeidbar

Bei querschnittgelähmten Menschen ist die starke Beanspruchung der Schultergelenke unumgänglich: Betroffene bewegen mit den Armen den Rollstuhl, stemmen sich ins Auto oder Bett, erreichen Waren in Einkaufsregalen und Gegenstände des alltäglichen Lebens häufig nur in oder über Kopfhöhe und heben Lasten auf Brusthöhe oder darüber.

In der ausgezeichneten Studie untersuchte ein Team um Dr. Michael Akbar, Oberarzt an der Orthopädischen Universitätsklinik, mit Hilfe der Kernspintomographie, ob querschnittgelähmte Rollstuhlfahrer häufiger Sehnenrisse in der Schulter erleiden als Menschen, die nicht im Rollstuhl sitzen. An der Studie nahmen 100 Rollstuhlfahrer teil, die im Durchschnitt 50 Jahre alt und seit mindestens 30 Jahren auf den Rollstuhl angewiesen waren. Die Vergleichsgruppe bestand aus 100 nicht-querschnittgelähmten Freiwilligen gleichen Alters und Geschlechts.

Ergebnisse sollen Rehabilitation verbessern

Die Studie ergab: Während sich 63 der 100 untersuchten Rollstuhlfahrer im Laufe ihres Lebens einen Sehnenriss in der Schulter zugezogen hatten, waren es nur 15 Personen der Kontrollgruppe. „Damit sind Sehnenrisse der Schulter bei Rollstuhlfahrern mehr als viermal häufiger als bei Nicht-Rollstuhlfahrern", erklärt Akbar.

Außerdem zeigte sich, dass Sehnenrisse bei Rollstuhlfahrern deutlich früher auftreten als beim Durchschnitt der Bevölkerung: „Laut Literatur kommen Muskelsehnenrisse der Schulter bei rund 40 Prozent der über 70-Jährigen vor und sind mit zunehmendem Alter häufiger", so der Orthopäde. Bei den betroffenen 63 Prozent der Testpersonen im Rollstuhl rissen die Sehnen dagegen im Durchschnitt mit 50 Jahren, die jüngsten Patienten mit Rotatorenmanschettenrupturen waren 35 Jahre alt. „Die Rotatorenmanschettenruptur ist bei Rollstuhlfahrern also nicht als altersbedingte Verschleißerscheinung anzusehen, sondern das Risiko steigt mit der Zeit im Rollstuhl", folgert Akbar.

Für querschnittgelähmte Menschen sind Sehnenrisse in der Schulter besonders kritisch: Bleibt der Arm nur noch eingeschränkt belastbar, schränkt das Selbständigkeit und Mobilität erheblich ein.

Die Ergebnisse sollen nun dazu beitragen, die Leitlinien für die Rehabilitation zu verbessern. „Wichtig ist eine gezielte Kräftigung der Schultermuskulatur um den Verschleiß der Sehnen zu verringern und die Zeit bis zum Sehnenriss zu verlängern", sagt Akbar. Darüber hinaus will er in weiteren Studien prüfen, welche Bewegungsmuster besonders schädlich sind und ob z.B. Sport im Rollstuhl das Risiko für Sehnenrisse erhöht oder vermindert. (red)

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