Medwedew: Kirgistan könnte "auseinanderbrechen"

25. Juni 2010, 07:49
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Russischer Präsident äußert sich besorgt über Zukunft des Landes und kritisiert Übergangsregierung - Russland lehnt Friedensmission weiter ab

Washington - Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat sich besorgt über die Zukunft Kirgistans geäußert. Er habe die Sorge, dass das zentralasiatische Land an den ethnischen Unruhen zwischen Kirgisen und der usbekischen Minderheit "auseinanderbrechen" und "radikale Elemente" an die Macht kommen könnten, sagte Medwedew am Donnerstag (Ortszeit) nach Gesprächen mit US-Präsident Barack Obama in Washington.

Zugleich kritisierte er offen die Regierung von Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa. "Die Behörden haben sich als unfähig erwiesen, zu verhindern, was passiert ist", ergänzte Medwedew. Er hoffe, dass nach den nächsten Wahlen eine Regierung gebildet werde, die sich diesen Herausforderungen wirksam stellen könne. Der russische Präsident lehnte eine Friedensmission in der früheren Sowjetrepublik ab. Russland verfügt wie die USA über einen Militärstützpunkt in Kirgistan.

Russland will keine "Friedenssoldaten" schicken

Es sei nicht beabsichtigt, Friedenssoldaten zu schicken, sagte Russlands Präsident Dmitri Medwedew in Washington. Damit hält Russland an seiner bisherigen Entscheidung fest. Auf dem Höhepunkt der Unruhen in Kirgistan Mitte Juni hatte Interims-Regierungschefin Rosa Otunbajewa um ausländische Hilfe gebeten. Russland hatte damals erklärt, nicht eingreifen zu wollen, da es sich um einen internen Konflikt handele.

Am Wochenende will Otunbajewa mit einer Volksabstimmung wieder für politische Stabilität in dem von ethnischen Konflikten zwischen Kirgisen und Usbeken erschütterten Land sorgen. In diesem Monat waren bei den schweren Unruhen mehr als 250 Menschen ums Leben gekommen. Derzeit sind nach Schätzung der Vereinten Nationen noch rund 400.000 kirgisische Usbeken auf der Flucht, mehr als 300.000 in Kirgistan selbst, rund 90.000 befinden sich in Flüchtlingslagern in Usbekistan.

Die Vereinten Nationen warnen davor, dass die Gefahr von erneuten Unruhen noch nicht vorbei ist. "Die Spannungen zwischen den Volksgruppen und Gerüchte über bevorstehende Gewalttaten dauern an", teilte die Organisation mit. (APA/AFP/Reuters)

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