Grüne Parteispaltung in Mariahilf

24. Juni 2010, 20:37
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Sechs Bezirksräte gründen "Echt grün", wehren sich gegen "Putsch von oben"

Während bei den Josefstädter Grünen nach dem Sturz des Bezirksvorstehers als Spitzenkandidat zumindest nach außen hin wieder Ruhe eingekehrt ist, gibt es nun in der Mariahilfer Bezirkstruppe massive Wickel.

Sechs grüne Bezirksräte und zwei Quereinsteigerinnen kündigten am Donnerstag an, sich von der Partei abzuspalten und unter dem Namen "Echt grün - die Mariahilfer Alternative" bei der Gemeinderatswahl im Oktober anzutreten. Den Vorsitz übernimmt Manfred Rakousky.

Hintergrund des Streits ist der Umstand, dass bei der Listenerstellung Gemeinderätin Susanne Jerusalem auf Platz eins landete. Sie hat sich bisher nicht mit Bezirksthemen beschäftigt.

Damit kann ein Teil der Mariahilfer Truppe offenbar nicht leben: "Bis jetzt waren wir die Bezirksgruppe und haben lange erfolgreiche politische Arbeit geleistet" , beklagen sich die abtrünnigen Stadtökos in einer Aussendung. "Leider war man in der Landespartei der Meinung, dass eine Berufspolitikerin aus dem Rathaus für die kommende Wahl wichtiger ist als jene Menschen, die sich im Bezirk grünpolitisch engagieren." Dies sei ein "Putsch von oben" . Der rot-regierte Bezirk gilt als grünes Hoffnungsgebiet. Klubchefin Maria Vassilakou bezeichnet die Abspaltung als "sehr bedauerlich" - und weist darauf hin, dass bei der Listenerstellung von den 44 abgegebenen 32 Stimmen auf Jerusalem entfallen seien.

Außerdem kandidiere mit dem stellvertretenden Bezirksvorsteher Werner Haslauer ja auch ein langjähriges Mitglied der Bezirkspartei auf Platz zwei. Über einen Parteiausschluss der "echt Grünen" will Vassilakou noch nicht nachdenken. "Dazu ist es zu früh." (Martina Stemmer, DER STANDARD; Printausgabe, 25.6.2010)

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