Hurra, China wird teurer!

24. Juni 2010, 20:30
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Es wird Zeit, dem „Proletariat“ zu geben, was dem Proletariat gehört - Von Helmut Spudich

Es entbehrt nicht der Ironie, dass im letzten großen (formal) kommunistischen Staat Arbeiter streiken müssen, weil sie so schlimm ausgebeutet werden wie im Kapitalismus des 19. Jahrhunderts. Aber es ist im Prinzip eine gute Nachricht: Chinas Arbeiterschaft erhebt sich für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Sie verdient die Unterstützung westlicher Konsumenten, die zusammen mit vielen Unternehmen durch billige Produkte bisher Profiteure dieser Missstände sind.

China hat sich, wie Japan oder Korea in den Jahrzehnten davor, durch billige Arbeitskraft zur unverzichtbaren Werkbank des Wohlstands der industriellen Welt gemacht.Dafür wurde es durchaus belohnt, das Reich der Mitte hat sich als Investor in viele Märkte eingekauft. Und es mangelt dem Land nicht an Superreichen und einer, wenn auch schmalen, professionellen Mittelschicht.

Aber jetzt wird es Zeit, dem "Proletariat" zu geben, was dem Proletariat gehört: ordentliches Einkommen, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, ein Sozialsystem und Aufstiegschancen. Kurzum: ihren Anteil an dem Wohlstand, den Industrialisierung und Globalisierung hervorbringen. Was "kapitalistische" Gesellschaften geschafft haben, sollte wohl den Kommunisten nicht schwerfallen. Und sei es nur, um noch ein paar Jährchen ihre Macht erhalten zu können. Konsumenten, die gelegentlich bereit sind, auf die Boykottbremse zu steigen, können dabei nachhelfen. (Helmut Spudich, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.6.2010)

 

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