WAZ will Mediaprint auflösen

24. Juni 2010, 19:17
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"Medienpolitisch richtig und wahrscheinlich effizienter", sagt WAZ-Manager Nienhaus

Wien/Essen/Belgrad - WAZ-Manager Christian Nienhaus plädiert für ein Ende des gemeinsamen Verlags von "Krone" und "Kurier":"Ich denke, man sollte darüber reden, die Mediaprint aufzulösen und 'Krone' und 'Kurier' wieder zu trennen", sagte Nienhaus "Format": "Nicht nur, weil das medienpolitisch richtig wäre, sondern wahrscheinlich auch effizienter."

Nienhaus bestätigt damit Szenarien über eine Auflösung der Mediaprint, die DER STANDARD schilderte: Die "Krone" könnte dem "Kurier" seine 30 Prozent Kommanditanteil an dem Verlagsriesen abkaufen. Der "Kurier" könnte weiter die Mediaprint mit Druck und Vertrieb beauftragen oder andere Partner wie Österreich oder Bundesländerblätter suchen.

Die WAZ hält rund 50 Prozent an "Krone" und "Kurier", Verkauf schloss Nienhaus im STANDARD aus. "Für die nächsten fünf Jahre", ergänzt er nun. Nienhaus bot an, die übrigen Anteile zu kaufen. Raiffeisen ("Kurier") äußerte sich bisher nicht zu Kurier-Anteilen und Mediaprint. Der "Kurier" profitiert von einer Gewinngarantie in der Mediaprint. Deren Auflösung müssten WAZ, die Dichands und Raiffeisen zustimmen. Das Ergebnis der Mediaprint soll laut WAZvon 1,3 auf 16 Millionen im ablaufenden Geschäftsjahr steigen.

Die Familie Dichand lehnte einen Verkauf von "Krone"-Anteilen ab. Format schreibt, Hans Dichand verfügte, seine Erben dürften die "Krone"-Anteile nur gemeinsam verkaufen. Dass Chefredakteur Christoph Dichand nun auch als Herausgeber im "Krone"-Impressum steht, ist für die WAZ wie berichtet noch nicht geklärt.

Dichand senior hat Christoph laut "Format" jedenfalls zum allein Entscheidungsberechtigten der vor einem Jahr gegründeten Dichand Medienbeteiligung-GmbH. In die sollen offenbar die Familie ihre geerbten "Krone"-Anteile einbringen. Nach bisherigem Wissensstand hat die WAZ aber ein Vorkaufsrecht, wenn Anteile übertragen werden.

Fast harmonisch wirkt der "Krone"-Clinch gegen den Watschentanz um die WAZ in Serbien: "Für die WAZ ist kein Platz in Serbien", zitierte Večernje Novosti Wirtschaftsminister Mladan Dinkić - jene Zeitung, deren Mehrheit die WAZ von einem Treuhänder einfordert, den sie bis zum kartellrechtlichen Okay zwischenschaltete. Der gibt die Anteile nicht heraus. WAZ-Manager Bodo Hombach zum Rückzug an Dinkić: "Das ginge noch schneller, wenn er den Oligarchen auffordern würde, uns unser Geld für den Kauf zurückzugeben." Die WAZ werde sich "nicht ausrauben lassen".  Mehr dazu hier. (fid, iva/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2010, online ergänzt)

  • Christian Nienhaus
    foto: waz/frank vinken

    Christian Nienhaus

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