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Kirgistans Premierministerin Rosa Otunbajewa spricht im mehrheitlich von Usbeken bewohnten Osch mit kirgisischen Frauen
Zwei Wochen nach den verheerenden Unruhen in Südkirgistan hat eine Rückkehrwelle ethnischer Usbeken eingesetzt. Nach Angaben einer kirgisischen Nachrichtenagentur kehrten bereits mehr als 70.000 Menschen vom benachbarten Usbekistan in ihre Heimat zurück. Nach den Ausschreitungen, die nach Schätzungen von Kirgistans Übergangsregierung rund 2000 Todesopfer gefordert haben, nahm Usbekistan rund 100.000 Flüchtlinge auf.
"Die Dynamik hat zugenommen. In den vergangenen zwei, drei Tagen haben sich zehntausende Flüchtlinge auf den Rückweg gemacht. Das hat uns sehr überrascht", sagt Andreas Bründer, Einsatzleiter von "Ärzte ohne Grenzen" in Taschkent. Von den 49 Auffanglagern in der usbekischen Provinz Andijon seien zehn bereits geschlossen worden.
"Die Menschen wollen zurück in ihre Heimat, zu ihren Familien, Häusern und Jobs", sagt Bründer. In ihrer Heimat in Südkirgistan erwartet die Zurückkehrer jedoch in erster Linie Zerstörung. In Osch, wo in der Nacht zum 11. Juni die Unruhen ihren Ausgang fanden, sind die meisten Häuser zerstört, Geschäfte, Märkte und Schulen geplündert und in Brand gesetzt. Die Lage im Süden Kirgistan ist auch fast zwei Wochen nach Ausbruch der Unruhen nicht stabil. Immer wieder kommt es zu Übergriffen gegen Usbeken.
Ein Grund für die Rückkehr nach Kirgistan dürfte für viele Usbeken auch der Wunsch sein, an dem für Sonntag geplanten Verfassungsreferendum teilzunehmen. Die Regierung lässt darüber abstimmen, ob die Macht künftig vom Präsidenten zum Parlament wandern soll. Der zunehmend autoritär regierende Ex-Präsident Kurmanbek Bakijew war Anfang April von der Opposition gestürzt worden. Für die meisten Usbeken dürfte eine Teilnahme am Referendum jedoch gar nicht möglich sein, da ihre Dokumente durch Brände oder kirgisische Plünderer zerstört worden sind.
Abstimmen über Verfassung
Premierministerin Rosa Otunbajewa hält trotz der schwierigen Umstände an der Durchführung des Verfassungsreferendums fest. Das russische Magazin New Times berichtete, dass Russland versucht habe, das Verfassungsreferendum zu verhindern. Demnach habe Russland Friedenstruppen unter der Bedingung zugesagt, dass Kirgistan eine Präsidialrepublik bleibt. Kirgistans Vizepremier Asimbek Beknasarow dementierte den Bericht. "Bestimmte Kräfte streuten diese Information, um das Verhältnis zwischen Russland und Kirgistan zu verderben", sagte Beknasarow laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax. (Verena Diethelm aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2010)
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