Niedrige Löhne

Streikwelle in China reißt nicht ab

24. Juni 2010, 19:06

Die Produktion steht bei Toyota und Honda still. Nachbarländer erhoffen sich durch das steigende Lohnniveau Wettbewerbsvorteile

Tokio/Hongkong/Wien - Die Streikwelle bei ausländischen Unternehmen in China reißt nicht ab und macht vor allem Zulieferbetrieben immer mehr zu schaffen. Am Mittwoch standen wegen fehlender Teile bereits in mehreren Werken von Toyota und Honda die Bänder still. Ein Toyota-Werk in der Provinz Guangdong mit einer jährlichen Produktionskapazität von 360.000 Fahrzeugen liegt wegen des Arbeitskampfs beim Zulieferer Denso seit Dienstag lahm. Bei Denso wurde am Donnerstag die Produktion zum Teil wieder aufgenommen. Konkurrent Honda stoppte die Fertigung in zwei Werken seines Joint Ventures Guangqi Honda, die zusammen ebenfalls auf eine Kapazität von 360.000 Autos pro Jahr kommen.

Niedrige Löhne

Hintergrund der Streiks sind die niedrigen Löhne. Die 1200 Angestellten vom Toyota-Zulieferer Denso etwa kämpfen für eine Erhöhung ihrer Löhne auf umgerechnet 215 bis 227 Euro im Monat und bessere Zusatzleistungen. Derzeit verdienen sie zwischen 132 und 155 Euro. Eine Einigung sei derzeit nicht in Sicht.

Höhere Löhne haben sich derweil die Belegschaften von Hyundai und des chinesische Ablegers der Fastfoodkette KFC erkämpft. KFC zahlt seinen Mitarbeitern nach sechsmonatigen Verhandlungen 28 Prozent mehr Gehalt.

Wettbewerbsvorteil

Die zunehmende Streikbereitschaft in der Volksrepublik freut benachbarte Länder wie Indien und Vietnam. Sie erhoffen sich, davon auf lange Sicht zu profitieren. Denn der Kostenschub durch höhere Löhne bringe den anderen Ländern im Wettbewerb um Unternehmensansiedlungen einen Vorteil, erklärt Tushar Poddar, Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs in Bombay im Handelsblatt. Auch Arthur Chiao, Geschäftsführer des taiwanesischen Verbands der Elektronikhersteller, warnt vor Produktionsverlagerungen seiner Mitgliedsfirmen aus China nach Indien, Indonesien und Vietnam.

Diese Ängste sind nicht unbegründet. Der Apple-Auftragshersteller Foxconn etwa musste die Löhne in China verdoppeln, um seine Arbeiter zu beruhigen, zudem wurden mehrere Fälle von Selbstmorden publik. Nun fokussiert Foxconn wieder stärker auf andere Länder als China und ist dabei, Investitionsvorhaben in der Höhe von fünf Milliarden Dollar (vier Mrd. Euro) in Vietnam wiederzubeleben, die wegen der Krise gestoppt worden waren.

Teuer geworden

"Viele Unternehmen klagen, China sei teuer geworden", sagt Jan Nöther, Chef der deutschen Außenhandelskammer in Vietnam. Ein Vergleich: Ein ungelernter Arbeiter im Industriegürtel um Hanoi bekommt rund 120 bis 150 Dollar Monatslohn, sein Kollege in Schanghai mindestens doppelt so viel. Als Billigstandort habe China deswegen noch lange nicht ausgedient, sagt Louis Kuijs von der Weltbank in Peking. Denn auch eine Standortverlagerung bringe für Unternehmen Kosten und gehe nicht von heute auf morgen. (bpf, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.6.2010)

 

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+DieMeinung+
02
25.6.2010, 10:49
Muss man sich mal vorstellen

Die Betriebe können offensichtlich OHNE PROBLEME die Löhne kurz mal verdoppeln.
Die Gewinnspannen der Unternehmer müssen enorm sein.

Bei einem europäischen Betriebe wäre der nach 6 Monaten tot.

Michail Bakunin
00
25.6.2010, 13:37

Mit Verlaub, hier liegen Sie völlig falsch. Was glauben Sie, wie kommen die Milliarden an Dividendenzahlungen, Millionengehälter + Boni etc. zu Stande?

Nokia sperrte z.B. ein Werk in Bochum zu, mit dem 90.000.- je MitarbeiterIn Profit - und nicht Umsatz! - produziert wurde. Da wäre sich wohl auch eine Verdoppelung des Gehalts ausgegangen...

http://www.welt.de/wirtschaf... wenig.html

Peter_23
01
25.6.2010, 12:42
Bei einem europäischen Betriebe wäre der nach 6 Monaten tot.

Das glauben Sie. Wissen Sie wie die Gewinnspannen in Europa so im Mittel aussehen? Übelegen Sie mal woher wohl die riesen Gewinne einer dünnen Oberschicht wohl kommen. Von ach so kleinen und engen Gewinnspannen? Wohl kaum.

Es wird aber auch Ihnen aber eingeredet, dass die Gewinnspanne so klein sei und die tatsächlichen Zahlen über Scheizer Nummernkonten und ähnliches mehr streng geheim gehalten. Alles andere aus Sicht des Unternehmen taktisch unklug.

HookMind
11
25.6.2010, 09:50
und wird das Lohnniveau

generell zu hoch mach ma halt einen Weltkrieg...
Es wird immer Bergauf gehen! (zwar auf dem Ruecken anderer aber was soll es...)

Dekkard
01
25.6.2010, 10:59
Europa gegen China?

Klingt nach einem kurzen Krieg ;)

Edina Monsoon
12
25.6.2010, 09:10
Gut so

Leider finden die Konzerne aber immer wieder Länder, wo sie noch billiger produzieren und die Leute ausbeuten können - Indien und Vietnam reiben sich schon die Hände. Die Spirale dreht sich munter weiter nach unten.

Hans Müller1
 
11
25.6.2010, 09:46
Unsinn - In China haben 100ete Millionen Menschen

den Aufstieg geschafft; wenn sich die Qualifikation verbessert dann auch die Löhne - heißt aber nicht dass deshalb die Arbeitsplätze verschwinden

Jedes Land fängt bei kleinen Löhnen für ungelernte Arbeiten an und entwickelt sich dann von lohnintensiver Produktion (Textilien etc.) zu anspruchsvollerer Produktion, die lohnintensive Produktion wandert dann in andere Länder ab die dann dieselbe Entwicklung durchmachen können.

Es gibt keine Entwicklung von 0 auf Hochtechnologie, sry

Gobi Todic
22
25.6.2010, 10:27
hunderttausende in china

heißt so viel wie 1% der gesamtbevölkerung kassieren das ab, was die große masse unter unwürdigen bedingungen erwirtschaftet hat.

Edina Monsoon
00
25.6.2010, 10:23

"Es gibt keine Entwicklung von 0 auf Hochtechnologie, sry"

Das stimmt schon, aber dürfen die Arbeiter deshalb nicht für menschwürdige Arbeitsbedingungen, Sozialleisten, Urlaub - so wie es bei uns selbstverständlich ist - streiken?

momodeluxe
01
25.6.2010, 13:22

urlaub und sozialleistungen wurden bei uns nämlich gleich bei der industriellen revolution eingeführt

Michail Bakunin
02
25.6.2010, 08:59

Wer sich etwas umfassender über Arbeitskämpfe, Streiks und Unruhen in China in den letzten Jahren informieren will, kann dies auf folgenden Seiten machen. In die Massenmedien bei uns schafft es das ganze ja nur, wenn "westliche" Konzerne betroffen sind - bei uns glaubt ja jedeR, dass es dort keine Arbeitskämpfe gibt...

http://www.wildcat-www.de/dossiers/china/
http://www.gongchao.org/de/startseite
http://www.china-labour.org.hk/ (englisch)
http://www.umwaelzung.de/aaktuell.html

Anderswo ist die Situation noch viell lustiger, z.B. in den Tetxtilfabriken in Bangladesh für H&M & co.:
http://syndikalismus.wordpress.com/2010/06/2... ngerlohne/

gremat
00
25.6.2010, 13:43

Interessant. Der H&M Artikel disqualifiziert sich leider Aufgrund der Wortwahl selbst.

Management Quatscher
04
25.6.2010, 00:46

Entsetzliche Nachrichten für unsere lieben Konzerne.
Bald setzt das große Händeringen ein.

"Hilfe, uns gehen die Arbeitskräfte aus, wir leiden nun auch in China unter Arbeitskräftemangel"

Kostet das Sportschucherl nun statt 5 Euro 5,20 Euro in der Produktion ? (verkaufts wirds in Europa um 200 Euro)

Hochqualifizierte Chinesen händeringend gesucht !

Zero Gravity
08
24.6.2010, 20:45
kann ich nur unterstützen und ein Schritt in die richtige Richtung!!!

China wird vielleicht nie eine Demokratie nach westlichen Massstäben - ob das überhaupt sinnvoll wäre, sei dahin gestellt - aber in den letzten Jahren kann man doch entscheidene Demokratisierungsprozesse dort feststellen, möchte ich meinen. Hoffen wir, dass es so weiter geht und dass die chinesischen Arbeiter erfolgreich sind!

Gobi Todic
00
24.6.2010, 20:41
Der Riese ist Aufgewacht!

Guten Morgen Guten Morgen...

http://www.youtube.com/watch?v=7ISr-dC0KXI

gremat
25
24.6.2010, 20:27
"...China ist teuer geworden..."

250-300€ Montasgehalt dafür das wir uns das ganze Klumpert, das eh keiner braucht aber jeder haben will, auch leisten können ist also teuer.

Gott sei Dank hackelns in Hanoi noch um 150$ im Monat, da kann ich mir dann wahrscheinlich doch noch den 50 Zöller fürs Klo kaufen.


Hans Müller1
 
00
25.6.2010, 09:48
China produziert schon längst nicht nur mehr Klumpert

h 90
20
25.6.2010, 06:36

Sie muessen aber auch bedenken, dass die Lebenskosten in China extrem gering sind.
300 Euro sind recht cool, wenn die Miete fuer die Wohnung 10 Euro kostet.

Herr Klugbeisser
05
25.6.2010, 07:31
tut sie aber nicht

deshalb werden die Arbeiter ja in Wohnheime gepfercht

beowulf2
 
00
25.6.2010, 09:37
Die Wohnheime sind meist gratis oder viel billiger. Die Arbeiter hier sind auch Wanderarbeiter die für eine gewisse Periode in die Stadt kommen um Geld zu verdienen. Welches sie dann nach Hause schicken.

Nicht falsch verstehen, ich bin natürlich für eine Erhöhung der Löhne und das Entstehen einer breiten Mittelschicht.

ps. Ich habe während meiner Studienzeit mit einem Gehalt von rund 120 Euro im Monat gelebt. Natürlich war damals alleine (Freundin war in Ö) und hatte ein günstiges kleines Zimmer und finanzielle Reserven für größere Sachen (z.B. eine Reise wohin, oder mal größer ausgehen und einladen) von zuhause mitgebracht. Ist natürlich daher nicht ganz das gleiche, zeigt aber doch vielleicht, dass die monatlichen Kosten eher doch nicht 1:1 mit den österreichischen verglichen werden sollten.

h 90
00
25.6.2010, 08:00

Ja die Wohnheime sind zumeist gratis

Beatrix Karl, TRETEN SIE ZURÜCK!
00
24.6.2010, 20:03
Weiter so!

Vorpotsky
018
24.6.2010, 19:42
Solidarität mit den chinesischen Arbeitern!

Jeder, der einen Rest Gerechtigkeit im Hirn hat, muss die Bemühungen der chinesischen Arbeiter gutheißen!

Seit Jahrzehnten wächst die chinesische Wirtschaft im zweistelligen Prozentbereich jährlich, und trotzdem werden die Löhne künstlich niedrig gehalten, damit irgendwo ein paar Superreiche profitieren können. Das schadet den chinesischen Arbeitern und auch uns enorm.

Der Protest des chinesischen Volkes gegen die Niedriglöhne ist genau derselbe Protest, den WIR laut werden lassen gegen die Abzocker und Umverteiler von unten nach oben.

Wenn die chinesischen Arbeitnehmer gerechte Löhne erhalten, ist das ein großer Schritt in Richtung Demokratisierung und Frieden auf der ganzen Welt.

h 90
00
25.6.2010, 06:38

Schon vor einem halben Jahr gabs die Probleme, dass manchen Firmen fast leer blieben, weil die Arbeiter nicht vom Urlaub zurueckkamen sondern einfach wo anders angefangen haben. Wo, wo sie ein paar Euro mehr verdienen.
Arbeitskraeftemangel ist was schoenes.....

Laird of Glenmore
00
24.6.2010, 20:27
Die chinesische Regierung sollte wieder mehr Marx lesen:

"[...] alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist." - Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. MEW 1, S. 385, 1844

Wie lange das Spannungsverhältnis zwischen chinesischem Kapitalismus und der KP noch aufrechtzuerhalten ist, bleibt eine spannende Frage.

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