Gut gegen Heimweh

24. Juni 2010, 18:51
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Manchmal wird einem im kalten Johannesburg richtig warm ums Herzerl

Man sitzt in Johannesburg in der Soccer City, arbeitet die erste Hälfte von Deutschland gegen Ghana ab. Da piepst das Handy, trotz der ungefähr 43.332 melodiösen Vuvuzelas vernimmt das linke Ohr dieses unangenehme Geräusch.

Man öffnet mit der rechten Hand pflichtbewusst und ein bisserl widerwillig die Mitteilung, liest sie mit beiden Augen durch: "Der SK Rapid gewinnt am Mittwochabend ein Testspiel beim SC Prottes mit 11:0 (5:0). Die Tore für Rapid erzielten Jelavic (3), Salihi (2), Eder, Nuhiu, Kulovits, Hinum, Gartler und Pehlivan. Mit sportlichen Grüßen, SK Rapid Pressestelle."

Das wirft Fragen auf. Will man das überhaupt wissen? Wovon leben die Menschen in Prottes eigentlich? Ist der nicht nur in Niederösterreich als heimstark bekannte SC naiv gewesen und in elf Konter gelaufen? Hat Rapids Abwehr Beton angemischt? War Peter Pacults Taktik einfach nur perfekt? Was heißt bei einem 11:0-Sieg Tore für Rapid? Tore ohne Rapid hätte bei einem 11:0-Sieg auch gereicht. Wo war Steffen Hofmann? Ist Hinum schon ein Fall für Teamchef Dietmar Constantini? Wie geht es weiter mit dem SC Prottes? Was bedeuten sportliche Grüße? Wie unterscheiden sie sich von unsportlichen Grüßen? Sind in Prottes die Grundstücke auch mit Stacheldraht eingezäunt?

Es wird einem im kalten Johannesburg richtig warm ums Herzerl, man denkt an die Lieben daheim und daran, dass am 17. Juli, in der Woche nach dem WM-Finale, die Bundesliga loslegt. So eine Freude. Deutschland hat in der Soccer City Ghana 1:0 geschlagen, beide Teams zogen ins Achtelfinale ein. Wieso? (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 25. Juni 2010)

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